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Die Berichte

Günter Stadler, Förderschullehrer:

Vier Kinder untersuchen Komposterde (Foto: Günter Stadler)
Die direkte und unmittelbare Auseinandersetzung mit Lebewesen und Materialien sollte immer Priorität haben. Hier erkunden Kinder eines ersten Schuljahres das Leben in reifer Komposterde (Foto: Günter Stadler)

Ein Plädoyer für einen Besuch auf dem Bauernhof oder: Erfahrungen mit der CD „Öko-Landbau für allgemein bildende Schulen“

"Meine vierjährige Tochter kennt mittlerweile fast alle Tiere aus ihrem Bauernhof-Bilderbuch. Sie möchte jetzt mal endlich auch richtige Tiere sehen." Dies war die Aussage einer jungen Mutter, die sich bei mir nach der Möglichkeit „echte Tiere zu sehen“ erkundigte.

Im genannten Beispiel handelte es sich um ein Kind im Vorschulalter. Wie aber sieht es bei Kindern im Primarbereich oder den weiterführenden Schulen aus? Auch viele Kinder im Schulalter haben noch keinerlei elementare oder direkte Erfahrungen mit Bauernhoftieren gemacht.

Meist Theorie statt Praxis

Das Thema „Tiere und ihre Pflege“ wird in den Grundschulen oft dadurch abgedeckt, dass einzelne Kinder ihr Kaninchen, ihren Hamster oder Vogel mit zur Schule bringen dürfen und der Unterricht danach ausgerichtet wird. Ob es während der Grundschulzeit zu einem Bauernhofbesuch kommt, wird eher davon bestimmt, ob ein entsprechend geeigneter Hof in erreichbarer Nähe liegt beziehungsweise ob die Lehrkraft einem solchen Besuch die notwendige Wichtigkeit und Bedeutung beimisst.

In der Sekundarstufe I werden die laut Lehrplan anstehenden Themen im Zusammenhang mit Landwirtschaft meist im Rahmen des ein- oder zweistündigen Unterrichtsfaches Biologie abgehandelt. Dies geschieht in der Regel mit recht ansprechenden Sachbüchern und dazugehörigen Arbeitsheften, um mit einer dem Lehrer zur Verfügung gestellten Lernzielkontrolle ihren Abschluss zu finden. Das Fachlehrerprinzip in dieser Stufe lässt dem Biologielehrer kaum Spielraum, um einen außerschulischen Lernort Bauernhof zu besuchen. Dem Lehrplan, dem Stundenplan und den pädagogischen Ansprüchen entsprechend werden Themen zu den Bereichen Landwirtschaft, Ernährung oder Ökologie auch in der Sekundarstufe II in der Regel eher auf theoretischer Ebene abgehandelt.

Viele Materialien für Lehrer/innen

Zu den Themen Ökologie, Landwirtschaft und gesunde Ernährung gibt es nun eine Fülle von Materialien, die es den Lehrerinnen und Lehrern der unterschiedlichen Schulstufen erleichtern sollen, dieses Thema aus verschiedenen Sichtweisen anzugehen. So gibt der aid infodienst Verbraucherschutz, Ernährung, Landwirtschaft e. V. eine CD-ROM mit dem Titel „Öko-Landbau für allgemein bildende Schulen“ heraus.

Die Lehrkräfte der Grundschulen und der Sekundarstufen I und II finden hier eine hervorragende Informationsquelle zum ökologischen Landbau. Gut und verständlich formulierte Grundlagen- und Vertiefungstexte sind bestens geeignet, sich zu diesem wichtigen Thema “schlau zu machen“. Für alle Schulstufen werden Vorschläge zu einzelnen Unterrichtseinheiten gemacht, wie der ökologische Landbau in seiner ganzen Bandbreite im Unterricht abgehandelt werden könnte.

Der Bauernhof als Ausgangspunkt

In der Rubrik Projektvorschläge erscheint der Besuch eines Bio-Bauernhofes (Projektvorschlag für die Grundschule und für Sekundarstufe I). Die Tipps bezüglich der Planung und Vorgehensweise sowie Fragebögen zur Erkundung des Hofes können für die Unternehmung durchaus hilfreich sein. Der Aufenthalt an diesem außerschulischen Lernort Bauernhof selbst sollte jedoch meines Erachtens grundsätzlich der Ausgangspunkt für jede Auseinandersetzung mit dem Thema sein.

Unabhängig davon, ob die Bauernhofbesuche als Tagesunternehmungen oder als mehrtägige Aufenthalte auf einem Schulbauernhof geplant und durchgeführt werden, steht das direkte und primäre Erleben mit allen Sinnen im Vordergrund. Es müssen lediglich Begegnungsmöglichkeiten mit Tieren und Arbeiten geschaffen werden und ausreichend Zeit für Beobachtungen und praktisches Handeln zur Verfügung stehen.

Lernen mit Kopf, Herz und Hand

Das immer wieder zitierte Prinzip „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“ kann hier in idealer Weise umgesetzt werden. Die vielfältigen Erlebnisse und Eindrücke, die während eines Hofbesuches auf kognitiver, emotionaler und praktischer Ebene gewonnen werden können, dienen als Grundlage und Anknüpfungspunkte für alle weiteren Unterrichtsvorhaben. Kinder, die zum Beispiel Hühner in ihrem Auslauf oder im Sandbad direkt beobachten konnten, haben verstanden, dass man den Lebensraum eines solchen Tieres nicht auf die Größe eines DIN-A4-Blattes reduzieren kann und darf. Solche primäre Erfahrungen und Erlebnisse sind dann wiederum die Basis, um weiterführende Unterrichtsinhalte, wie Tiertransporte, zu thematisieren.

Wegen der Wichtigkeit des Stellenwertes sollte der konkrete Besuch des Bio-Bauernhofes auch auf der CD eine grundsätzlichere und zentralere Position einnehmen, um dann vielleicht auch auf den zur Verfügung stehenden virtuellen Bauernhof verzichten zu können.

Autor: Günter Stadler (Förderschullehrer am Staufer Schulzentrum Annweiler und 1. Vorsitzender des „Förderverein Schulbauernhof Pfalz e. V.“)

Anschrift:

Günter Stadler
Osterbergstraße 4
76879 Essingen

E-Mail: Guenter-Stadler@t-online.de

Letzte Aktualisierung: 21.04.2010

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