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Agrarpolitik in der Leehre

30.10.2008
Am Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften, Witzenhausen, der Universität Kassel wird das Fachgebiet "Landnutzung und regionale Agrarpolitik" nach dem altersbedingten Ausscheiden des bisherigen Stelleninhabers nicht weitergeführt. Das bedeutet für die Lehre am europäisch einzigartigen Standort für Ökologische Agrarwissenschaften ein Wegfall der europäischen und regionalen Agrarpolitik.
Hochaktuelle Themen wie die weltweite Lebensmittelverknappung, die Entwicklung des Milchmarktes und die Existenzsicherung der Landwirte sind damit nicht mehr im Rahmen einer Professur Agrarpolitik Gegenstand der Forschung und Lehre. "Es schei ein Paradoxon zu sein, dass ein Grossteil der Landwirte mehr als 50 Prozent ihres Einkommens über staatliche Direktzahlungen beziehen, das Fach Agrarpolitik in Lehre und Forschung aber nicht mehr vertreten ist", so die Veranstalter der Ringvorlesung.
Diese Entwicklung spiegele deutlich die allgemein zu beobachtende Problematik der hochschulpolitischen Veränderungen zu Lasten der "weichen" Wissenschaften wider. Im Hinblick auf die agrarwissenschaftlichen Fakultäten in Deutschland seien vor allem die Agrarsoziologie und Agrarpolitik betroffen.
Die Veranstalter der Ringvorlesung betonen, dass Studenten von der agrarpolitischen Lehre neben der Darstellung von aktuellen politischen Strukturen auch die Vermittlung von Hintergründen erwarten sowie die Freiheit, Alternativen an zu denken, um den Agrarsektor kreativ mit zu gestalten. Dafür seien Methoden und die Reflexion des Wissenschaftsverständnisses unabdingbar.
Als Reaktion auf die allgemeine Situation an den Hochschulen und den speziellen Fall am Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften wird im Wintersemester 2008/09 an der Universität Kassel in Witzenhausen im Rahmen eines studentischen Projektes , eine öffentliche Vortragsreihe mit dem Titel "Agrarpolitik in der Leehre" stattfinden, deren mittelfristiges Ziel die Sicherung der Lehre im Fach Agrarpolitik ist.
Die Ringvorlesung beginnt am 30. Oktober 2008 und umfasst elf Termine. Es wird die EU-Agrarpolitik beleuchtet, in Kontext zur regionalen Ebene gestellt und Einzelbeispiele wie z.B. die Milchquote herausgehoben. Außerdem wird die aktuelle Situation an Hochschulen dargestellt, das vorherrschende Wissenschafts- und Ökonomieverständnis kritisch hinterfragt und auf die Wichtigkeit der Methodik bei wissenschaftlichem Arbeiten eingegangen.
Die Vorträge finden donnerstags um 18 Uhr in Witzenhausen statt.
Genauere Informationen zu Themen und Referenten sind im Internet unter www.ringvorlesung-witzenhausen.de zu finden.
Quelle: Pressemitteilung des studentischen Projektes "Agrarpolitik in der Leehre"
