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BfN stellt erste Naturbewusstseinsstudie für Deutschland vor

Logo des BfN

29.10.2010

Die Deutschen lieben die Natur. Dem Naturschutz sowie Maßnahmen zur Erhaltung der Natur wird ein hoher gesellschaftlicher Stellenwert beigemessen. Dies ist das Fazit der ersten bundesweit repräsentativen Naturbewussteinsstudie, die das Bundesamt für Naturschutz (BfN) im Auftrag des Bundesumweltministeriums (BMU) am Donnerstag in Berlin vorgestellt hat.

Für 96 Prozent aller Befragten in Deutschland gehört Natur einfach zu einem guten Leben dazu. Für 89 Prozent der Deutschen ist der Naturschutz eine wichtige politische Aufgabe. Den Verlust der biologischen Vielfalt fürchten allerdings 68 Prozent der Befragten, besonders weil sie persönliche Beeinträchtigungen erwarten. Ebenso viele Menschen haben die Sorge, dass es zukünftig für die Kinder und Enkelkinder kaum noch eine intakte Natur geben wird.

BfN-Präsidentin Prof. Dr. Beate Jessel betonte: "Bei einem so hohen Naturbewusstsein auf der einen Seite und der großen Sorge um den Zustand der Natur auf der anderen Seite, verwundert der Wunsch der Menschen in Deutschland nach klaren politischen Vorgaben nicht." So wünschen 90 Prozent der Bürgerinnen und Bürger einen stärkeren Schutz der Weltmeere vor Überfischung durch strengere Vorschriften und ebenso viele Deutsche eine strengere Kontrolle bei der Einfuhr seltener Tier- und Pflanzenarten. 87 Prozent lehnen den Anbau und den Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen in der Landwirtschaft ab und plädieren sogar für ein Verbot.

"Die Ergebnisse der Naturbewusstseinsstudie sind ein klarer politischer Auftrag zum Schutz und zur naturverträglichen, nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt - und das nicht als Lippenbekenntnis im Jahr der Biodiversität. Die vielen vom Menschen verursachten Naturkatastrophen wie die Hochwässer, Torfbrände oder die Ölverschmutzungen im Meer beunruhigen die Menschen in Deutschland sehr. Ein 'Roll back' in der Naturschutzpolitik, wie vereinzelt von Landespolitikern gefordert wurde, ist angesichts der Herausforderungen nicht zu rechtfertigen,“ machte Jessel deutlich.

Die große Mehrheit der Bevölkerung meint, dass die Wirtschaft (90 Prozent) einen stärkeren Beitrag zum Schutz der Natur leisten muss, aber auch die Bürgerinnen und Bürger selbst (87 Prozent) müssten sich stärker engagieren. Während 59 Prozent der Bevölkerung den Staat in der Pflicht sehen, fühlen sich 68 Prozent persönlich verantwortlich, die Natur zu erhalten. Die BfN-Präsidentin forderte für Staat, Wirtschaft und Bevölkerung in Deutschland das "Leitbild eines nachhaltigen und biodiversitätsverträglichen Konsums", damit National wie global die natürlichen Ressourcen für derzeitige und zukünftige Generationen erhalten werden könnten. Sie betonte, dass Staat und Wirtschaft die große Verantwortung zufalle, die geeigneten Rahmenbedingungen und Strukturen für nachhaltigen Konsum zu schaffen.

Die Bereitschaft der Bevölkerung für einen nachhaltigen Konsum als Beitrag zum Schutz der biologischen Vielfalt ist hoch. Bei relativ leicht umzusetzenden Handlungsweisen, wie regionales Obst und Gemüse zu kaufen und Kosmetika zu bevorzugen, deren Herstellung nicht auf Kosten der Natur geht, ist sie mit 80 bis 90 Prozent am höchsten. Es gibt jedoch noch großen Bedarf an Aufklärung und Bewusstseinsbildung, welche Verhaltensweisen und Konsumgewohnheiten zu einer Gefährdung der Natur führen und was vor allem jeder Einzelne dagegen tun kann.

In der Studie werden zudem interessante Zusammenhänge zwischen Naturerfahrung und sozialer Gerechtigkeit in Deutschland nachgewiesen: Die Ergebnisse belegen, dass sozial benachteiligte Gruppen eine größere Distanz zur Natur aufweisen, als die anderen gesellschaftlichen Gruppen. Naturerfahrung spielt hier vor allem in nächster Nähe, etwa in öffentlichen Parks, eine Rolle und wird in der Erziehung nur wenig vermittelt, so dass zu befürchten ist, dass diese Distanz zur Natur an die Kinder weiter gegeben wird. Es ist daher notwendig, dass vermehrt gezielte Angebote zur Naturerfahrung gerade auch für sozial benachteiligte Familien entwickelt werden.

Die Naturbewusstseinsstudie wurde vom ECOLOG-Institut für sozial-ökologische Forschung und Bildung in Hannover im Auftrag von BMU und BfN erstellt. Erstmals wurden hierbei deutschlandweit über 2.000 Angehörige aller gesellschaftlichen Gruppen ab einem Alter von 18 Jahren über ihre persönlichen Einstellungen und ihren Wissensstand zu Natur, Naturschutz und biologische Vielfalt befragt. Hier kommen Sie zur Naturbewusstseinsstudie (PDF-Datei).

Quelle: Pressemitteilung des BfN


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