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ECOVIN: Nachhaltigkeit als Handlungsprinzip

01.12.2010
Unter dem Motto "Nachhaltigkeit – ein Trendbegriff?" stand das ECOVIN Symposium im Stadthotel Freiburg am 9. und 10. November. Der Einladung des ECOVIN Bundesverbands Ökologischer Weinbau sind neben vielen Mitgliedern auch Experten der Weinwirtschaft gefolgt, um über das Thema Nachhaltigkeit im Weinbau zu diskutieren.
Nachhaltigkeit – was ist das überhaupt? Der Begriff scheint 20 Jahre nach seiner Einführung in den allgemeinen Sprachgebrauch bereits ziemlich überstrapaziert, berichtet ECOVIN in einer Pressemitteilung. Schenke man vielen Werbeslogans Glauben, sei es ganz einfach, nachhaltig zu leben. Doch nur etwa 15 Prozent der Bevölkerung könnten mit dem Begriff "Nachhaltigkeit" wirklich etwas anfangen. Wie erkennt man die Mogelpackung hinter den flotten Slogans vieler Konzerne? Wie unterscheidet man echte, ernst gemeinte nachhaltige Ansätze vom "Greenwashing"? Diesen Fragen stellten sich die Teilnehmer des Symposiums.
Jobst Kraus, Studienleiter der Evangelischen Akademie Bad Boll, gab mit seinem Einführungsvortrag einen sehr weitreichenden Überblick zum Thema. Hinsichtlich der globalen Herausforderungen, vor denen die Menschheit stehte (Klimawandel, exponentielles Bevölkerungswachstum, Ressourcenverknappung bis hin zum Verlust derzeit unentbehrlicher Rohstoffe wie Öl) formulierte er die zwingende Notwendigkeit, von einer industriellen zu einer ökologischen Zivilisation überzugehen.
Die zu den drei Hauptreferaten der Säulen der Nachhaltigkeit "Ökologie", "Ökonomie" und "Soziales" eingeladenen Referenten Udo Gattenlöhner (Global Nature Fund), Prof. Dr. Birgit Grahl (Industrielle Ökologie Heidekamp) und Bianca Wiedemann (FairSociety, München) stellten die unterschiedlichen Blickwinkel der "Nachhaltigkeit" dar, flankiert durch zahlreiche Beispiele aus ihrer praktischen Arbeit. In vier Diskussionsforen zu den Themen Ökonomie, Ökologie, Soziales/Kultur und Marketing wurden die Kernaussagen auf den Bereich Weinbau fokussiert und im Plenum wieder zusammen geführt.
ECOVIN begrüßt es außerordentlich, dass derzeit viel über Nachhaltigkeit gesprochen wird. Nur so könne die breite Bevölkerung für einen verantwortungsvollen Umgang miteinander und mit der Natur weiter sensibilisiert werden.
Trendthemen führten jedoch auch immer zu Trittbrettfahrern und Missbrauch. So schössen derzeit Nachhaltigkeits-Labels mit teilweise äußerst fragwürdigen Kriterien wie Pilze aus dem Boden. Vieles was heute als "nachhaltig" bezeichnet würde, sei substanzlose Verbraucher-Irreführung und Marketing-getriebene "Grünfärberei"!
ECOVIN betont, dass der ökologische Landbau auf den Grundsprinzipien der Nachhaltigkeit begründet ist und sich über Jahrzehnte hinweg stetig weiterentwickelt hat. ECOVIN unterzieht seine Richtlinien seit seiner Gründung 1985 ständigen Kontrollen. Durch die Praxis der Winzer ist im Laufe der Jahre ein wertvoller Erfahrungsschatz entstanden.
Das ECOVIN-Symposium zum Thema Nachhaltigkeit habe den Teilnehmern allerdings auch verdeutlicht, dass Stillstand Rückschritt bedeutet. Nachhaltigkeit zu praktizieren sei ein fortwährender Prozess. Daher sei auch ECOVIN noch nicht am Zielbahnhof angekommen, aber bereits an vielen Baustellen vorbei, mit denen konventionelle Winzer noch zu kämpfen hätten. Das Symposium habe wichtige Anregungen zur Weiterentwicklung der Richtlinien und der Praxis in den Weinbergen gegeben.
Quelle: Pressemitteilung des ECOVIN Bundesverband Ökologischer Weinbau
