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Europäische Forschungskooperation bündelt Kräfte im Öko-Landbau
02.12.2004
Heute besteht im Öko-Landbau ein vielfältiges Wissenssystem, das den Vorteil hat, der großen Breite des Nutzerspektrums zu entsprechen, aber auch alle Nachteile der Kleinteiligkeit zeigt: Kaum eine Institution erreicht alleine die "kritische Masse", die erforderlich ist, um dauerhaft Forschungs-Qualität auf höchstem Niveau zu sichern und vor allem auch die Ergebnisse dieser Forschung adäquat zu kommunizieren.
Eine wesentliche Effizienzsteigerung durch verbesserte grenzüberschreitende Koordination und Kooperation der bestehenden nationalen Forschungseinrichtungen und Forschungsteams soll die neue europäische Inititative "CORE Organic" (Coordination of European Transnational Research in Organic Food and Farming) bringen. Schwerpunkte der Arbeit im CORE Organic-Projekt, das Bestandteil des ERA-Net-Programms der Europäischen Kommission ist, werden die Abstimmung und Evaluation der bestehenden Forschungsaktivitäten, die Integration aktuellen Wissens in einem gemeinsamen Pool sowie die Identifizierung und Koordinierung künftiger Forschungsfelder sein.
Zugleich ist der Bedarf an Forschung im Öko-Landbau im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft besonders hoch. Der bewusste Ausschluss bestimmter Betriebsmittel muss anderweitig kompensiert werden, um dem Öko-Landbau unter den bestehenden Wettbewerbsbedingungen eine positive Entwicklung zu ermöglichen. Mit dem Verzicht auf schnellwirkende Mineraldünger und auf Pflanzenschutzmittel bietet der ökologische Landbau für die Agrarindustrie nur ein geringes Absatzpotenzial und ist damit auch als Zielgruppe für privatwirtschaftlich finanzierte Forschung in der Regel uninteressant. Entsprechend wurde im Bundesprogramm Ökologischer Landbau festgehalten: "Die staatliche Förderung und Entwicklung ist insbesondere deshalb notwendig, weil der ökologische Landbau in weitaus geringerem Maße von den Forschungsergebnissen aus der Industrie profitiert als der konventionelle Landbau. Angesichts des weitgehenden Verzichts des ökologischen Landbaus auf Zukaufbetriebsmittel sowie der vergleichsweise geringen Größe dieses Teilsektors lohnt es sich für die Industrie meistens nicht, hier in die Forschung und Entwicklung zu investieren."
Die von der EU unterstützte Initiative wird von elf Ländern getragen. Mit dabei sind neben Deutschland bisher Dänemark (Koordination), Finnland, Frankreich, Österreich, Italien, Norwegen, Schweden, Schweiz, Niederlande und das Vereinigte Königreich. Die Gesamtkoordination des Projektes obliegt Dänemark. Als deutscher Partner arbeitet die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Rahmen ihres Engagements als Projektträger für Öko-Landbauforschung im Management Board des Projektes "CORE Organic" mit. Sie ist unter anderem für den Aufbau einer gemeinsamen europäischen Datenbank verantwortlich, die künftig die aktuellen Forschungsprojekte und -schwerpunkte zum Öko-Landbau über die Institutionsgrenzen hinweg enthalten soll und darüber hinaus aktuelle Informationen zu den bestehenden Forschungsförderprogrammen aller am Projekt beteiligten Länder bieten wird.
Addiert man die derzeit in den elf Teilnehmerländern verfügbaren öffentlichen Fördermittel für Öko-Landbauforschung, ergibt sich ein Volumen von etwa sechzig Millionen Euro pro Jahr. Wegen verschiedenster Restriktionen in den nationalen Förderprogrammen ist eine Realisierung grenzüberschreitender Projekte jedoch oft nicht möglich.
