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Ergebnisse des Fachkongresses "Blütenarmut in der Landwirtschaft"

17.11.2006
Naturschützer, Imker, Jäger und Landwirte haben den alarmierenden Rückgang an Blütenvielfalt in der Landschaft beklagt. Auf einem bundesweiten Kongress im niedersächsischen Visselhövede warnten Experten davor, dass mit Abnahme der Artenvielfalt bei blühenden Pflanzen auch Bienenvölker und zahlreiche Insekten in ihrem Bestand bedroht sind. Dies könne auf Dauer zur "Bestäubungskrise" bei Wild- und Kulturpflanzen sowie im Obstbau führen. Hauptgrund für die Blütenarmut sei die intensivierte Landwirtschaft, die kaum noch Ackerwildkräuter und vielfältige Wiesen zulasse. Zahlreiche Experten forderten ein gesellschaftliches Bündnis für mehr Blütenvielfalt. Veranstaltet wurde der Fachkongress mit mehr als 100 Teilnehmern vom Bioland Verband.
"Während Wiesen, Acker und Ackerränder früher arten- und damit blütenreich waren, herrschen heute oft monotone Getreide- und Grünlandflächen vor", sagte Eva Meyerhoff, Naturschutzberaterin im Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen (KÖN) in Visselhövede. Nach der Obst- und Rapsblüte im Frühjahr und der zeitigen ersten Mahd der Wiesen beginne bereits in vielen Regionen die blütenarme Zeit, so der Passauer Agrarexperte Utto Baumgartner: "Die Lebensbedingungen der Blüten bestäubenden Insekten haben sich in den letzten Jahrzehnten dramatisch verschlechtert, von gut 500 heimischen Wildbienenarten stehen mehr als die Hälfte auf der Roten Liste." Baumgartner versucht, mit dem "Netzwerk Blühende Landschaften" durch Zusammenarbeit von Naturschutz, Bauern und Behörden dem Trend entgegen zu wirken. Auch die häufige Mahd von Straßenböschungen wurde kritisiert.
"Aus Sicht der Imkerei wirke sich vor allem die mangelnde Versorgung mit Blütenpollen aus", sagte Dr. Werner von der Ohe vom Bieneninstitut in Celle. "Honigbienen benötigen als Nahrungsgrundlage Pollen und Nektar, eine Unterversorgung stört das Immunsystem der Bienen und führt zur Dezimierung der Bienenvölker." Nur über ausreichend Insekten und Bienen sei die Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen zu sichern, auch im Obstbau. Auch Ulrich Knocke von der Jägerschaft Niedersachsen bedauerte den Rückgang bei den Wildkräutern. Er verwies darauf, dass Leitarten unter den Tieren wie der Feldhase oder das Rebhuhn auf vielfältige pflanzliche Nahrung oder Insekten angewiesen sind und außerdem Schutz in der Feldflur finden müssten.
Gisela Wicke vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz (NLWKN) hob zusätzlich den ästhetischen Aspekt "bunter" Landschaften hervor, die wiederum wichtig seien für den Tourismus. Unterstützung der Landwirte durch Agrarumweltprogramme für Ackerwildkrautschutz oder Blühstreifen hätten zwar Früchte getragen, müssten aber konsequent fortgesetzt werden, so Wicke. Vertreter des Anbauverbandes Bioland verwiesen auf die positiven Wirkungen des ökologischen Landbaus bei der Artenvielfalt. So arbeiten Biobauern mit Zwischenfrüchten, Untersaaten und vielfältigen Fruchtfolgen, und sie verzichten auf chemische Unkrautvernichtungsmittel.
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