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FiBL: Welche Landwirtschaft kann die globale Erwärmung abbremsen?

15.12.2009
In Kopenhagen kämpfen Bauern und ihre Organisationen dafür, die Landwirtschaft in einem neuen Licht - nämlich als klimafreundlich - darzustellen. Stichworte sind dabei: sorgfältiger mit der Bodenfruchtbarkeit umgehen, Humus aufbauen, Biomasse und Agrodiesel herstellen sowie durch effizientere Anbautechnik unnötige Klimagase vermeiden.
Das Potenzial der Landwirtschaft, die globale Erwärmung zu bremsen, wäre laut Urs Niggli, Direktor des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL), riesig. Mit einem moderaten Humusaufbau könnten jährlich zwischen fünf und 15 Gigatonnen CO2 gespeichert werden. Und das Potenzial ist noch größer: Viele Landwirtschaftsböden enthalten nur noch Bruchteile der organischen Substanz, welche sie vor der industriellen Intensivierung hatten.
Alexander Müller, stellvertretender Generaldirektor der Welternährungsorganisation FAO in Rom, forderte deshalb, dass jetzt die Landwirtschaft nicht mehr nur als Verursacher von Klimawandel, sondern auch als mögliche Problemlöserin in die Verhandlungen einbezogen wird. Sollte die Landwirtschaft Teil der Verminderungsstrategien werden, geht der Kampf nach Ansicht von Niggli aber erst richtig los: Welche Landwirtschaft taugt wirklich dazu, nachhaltig die globale Erwärmung abzumindern? Schon die ersten Tage in Kopenhagen zeigten, wie stark die Meinungen der Experten dazu auseinandergehen.
So priesen konventionelle Landwirte mit Hilfe der Industrie die "pfluglose Landwirtschaft" an, berichtete der FiBL-Direktor Urs Niggli. Diese Methode verhindere zwar Erosion und erhöhe den Humusgehalt im Boden. Doch die Nachteile seien vielfältig. Anstelle des Pflugs würden Totalherbizide eingesetzt, um die Felder vom Unkraut freizuräumen. Es würden Mais- und Sojasorten angebaut, welche gentechnisch so verändert seien, dass sie Totalherbizide überlebten. Zudem müsse in der Regel mehr energiereicher Kunstdünger gestreut werden, und die Böden seien schlechter durchlüftet, was zu einer höheren Bildung der beiden anderen Klimagase, Methan und Lachgas, führe. Andere Experten propagierten mehr Dünger und Pflanzenschutzmittel, um die Ernten zu steigern.
Die Internationale Föderation der Biolandbau-Organisationen IFOAM forderte als einzige Organisation in Kopenhagen ein radikales Umdenken in der Landwirtschaft: Ackerbau und Tierhaltung müssen gemäss IFOAM wieder im Kreislauf aufeinander abgestimmt werden, Bodenfruchtbarkeit und Düngung sollen vollständig organisch basiert sein (Mist, Kompost, Gründünger und Klee). Energieintensive chemische Dünger aus Erdöl haben laut IFOAM keinen Platz in der nachhaltigen Landwirtschaft, und chemische Pestiziden verringern die natürliche Vielfalt und belasten die Umwelt.
Zwei Wochen vor Kopenhagen publizierten Wissenschafter des europäischen Forschungsverbundes CarboEurop beunruhigende neue Daten zur intensiven Landwirtschaft und Viehzucht. Die von der Intensivlandwirtschaft erzeugten Klimagasemissionen überstiegen die Kohlenstoffaufnahme durch Wälder und Grünland. Dies berichtete Detlef Schulze vom Jenaer Max-Planck-Institut für Biogeochemie, der die Studie leitete.
Der FiBL Direktor machte deutlich, die Landwirtschaft habe nun die einmalige Chance, sich in Kopenhagen und in den anschließenden Verhandlungen von diesem Negativimage zu lösen. Dazu seien aber mutige Schritte nötig und es müssten konsequent nachhaltige Wege gegangen werden, sagte Niggli. Der Biolandbau werde dabei eine wichtige Rolle spielen.
Quelle: Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL)
