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Forschungspreis für artgemäße Nutztierhaltung vergeben

27.11.2006
Die Internationale Gesellschaft für Nutztierhaltung (IGN) hat am 23. November 2006 zum vierten Mal ihren mit insgesamt 9.000 Euro dotierten Forschungspreis für artgerechte Nutztierhaltung vergeben.
Der Preis ist der einzige seiner Art im deutschsprachigen Raum und richtet sich
an junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die herausragende und anwendungsorientierte Arbeiten zur Förderung der artgerechten Nutztierhaltung veröffentlicht haben. Die Preisverleihung fand im Rahmen der 38. Internationalen Tagung „Angewandte Ethologie“ der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft in Freiburg im Breisgau statt.
Die Biologin Dr. Heike Schulze Westerath erhielt für ihre an der Universität
Münster angefertigte Dissertation „Cubicle housing for finishing bulls: behaviour, leg lesions and cleanliness in relation to the Quality of the lying area“ ein Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro. Mastbullen werden in Europa meist unter intensiven, wenig tierfreundlichen Bedingungen auf Spaltenböden gehalten. Eingestreute Liegeflächen sind zwar tierfreundlicher, dafür aber mit einem hohen Strohverbrauch verbunden. In der Arbeit wurden hinsichtlich Tiergesundheit und Verhalten die Bedingungen untersucht, unter denen Liegeboxenlaufställe, die für Milchvieh bereits seit langem etabliert sind, sich auch für Mastbullen als eine tierfreundliche und gleichzeitig strohlose/-arme Alternative bewähren.
Ebenfalls ein Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro erhielt Dr. Elke Heyn für ihre an der Ludwig-Maximilians-Universität München durchgeführten Studien über „Tiergerechte Wasserversorgung von Pekingmastenten unter den Aspekten Tierverhalten, Tiergesundheit und Ökonomie“. In den Arbeiten der Tiermedizinerin wurden verschiedene Tränkesysteme daraufhin untersucht, ob sie tiergerechtes Trinken und eine angemessene Körperpflege ermöglichen. Im direkten Vergleich erwies sich, dass offene Tränkesysteme (Rundtränken) gegenüber den heute üblichen Nippeltränken für eine artgerechte Tierhaltung geeigneter sind – insbesondere dann, wenn sie in einem Auslauf angeboten werden. Die höheren wirtschaftlichen Mehrkosten können durch eine zeitliche Befristung des Zugangs begrenzt werden.
Für ihre ebenfalls an der LMU München angefertigte veterinärmedizinische Dissertation „Möglichkeiten der Schmerzreduzierung bei der Kastration männlicher Saugferkel“ wurde Dr. Susanne Zöls ein Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro zugesprochen. Die Kastration von Ferkeln erfolgt aus Tierschutzgründen immer häufiger mit Betäubung. Die Arbeit untersucht die Wirkung eines der gängigen Lokalanästhetika und geht der Frage nach, ob es sinnvoll ist, den Tieren bereits vor der Kastration ein Schmerzmittel zu verabreichen. Es hat sich erwiesen, dass im Hinblick auf die Schmerzreduzierung als auch aufgrund der Praktikabilität die präoperative Injektion des Schmerzmittels Meloxicam die Methode der Wahl ist.
Der Forschungspreis der IGN wird jährlich ausgeschrieben. Die nächste Bewerbungsfrist endet am 1. April 2007. Die Mitglieder der Jury sind Fachleute
aus der Schweiz, Österreich und Deutschland in den Bereichen Veterinärmedizin, Verhaltenskunde, Agrarwissenschaft, Recht und Philosophie.
Diese Meldung sowie Zusammenfassungen der ausgezeichneten Arbeiten in Deutsch und Englisch finden sich als Download im Internet unter: www.ign-nutztierhaltung.ch
