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Literaturtipp

Praxishandbuch Biolebensmittel - Basisliteratur zur Verarbeitung von ökologischen Lebensmitteln

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Zentrale Fragen zur Umstellung

Welche persönlichen Motive bewegen mich zur Biolebensmittelherstellung?

Die Biolebensmittelverarbeitung bietet eine Chance, sich am Markt gegenüber Mitbewerbern zu profilieren. Es ist wichtig, mit klaren Vorstellungen und Zielen zu beginnen. Nur dadurch kann eine starke Positionierung am Markt entstehen. Die Entscheidung zur Einführung eines Biolebensmittelsortimentes sollte deshalb mit innerer Überzeugung geschehen. Sie brauchen auf jeden Fall eine gute Portion Begeisterung und Mut für diese Aufgabe.

Wie steige ich erfolgreich in die Biolebensmittelverarbeitung ein?

Zunächst stellt sich die Frage nach einer Teil- oder Vollumstellung. Viele Bäckereien beginnen erfolgreich mit einer Teilumstellung und stellen im Laufe der Zeit komplett auf Bio um. Die Lage des Betriebes sowie der regionale Markt sollten bei dieser Entscheidung berücksichtigt werden.

Wichtig: Stellen Sie keine identischen Produkte im Bio- und im konventionellen Sortiment her, um keine direkten Produktvergleiche herzustellen. Nur mit einem ausreichenden und ständig vorhandenen Grundsortiment ist es möglich die Kunden glaubwürdig von Ihren Biobackwaren zu überzeugen.

Was bedeutet Biolebensmittelverarbeitung?

In der Biolebensmittelverarbeitung können Sie meist nicht auf einen so komfortablen Markt wie im konventionellen Bereich zurückgreifen. Sie haben es hier überwiegend mit einem Nachfragemarkt auf der Rohstoffseite zu tun. Das bedeutet für Sie, dass Sie über entsprechende Handelspartner oder Lieferanten die Rohstoffversorgung sicherstellen sollten.
Die Biolebensmittelverarbeitung zeichnet sich aus durch: 

  • den Einsatz von ökologischen Rohstoffen und Halbfertigprodukten 
  • eine technologisch orientierte Verarbeitung weitestgehend ohne Zusatzstoffe 
  • die Dokumentation des Warenflusses 
  • die Kontrolle des Betriebes durch ein unabhängiges Kontrollsystem.

Woher können Biorohstoffe bezogen werden?

Die Rohstoffe für Verarbeitungsprodukte erhalten Sie über den Direktbezug von den einzelnen Bioverarbeitern, Erzeugergemeinschaften oder direkt beim Landwirt aus der Umgebung. In direktem Kontakt können Sie so den Aufbau der Qualität Ihrer Rohstoffe mit betreuen. Auch lohnt es sich, beim bisherigen Lieferanten nachzufragen. Halbfertigproduke können mit den Lieferanten entwickelt werden, falls sie noch nicht verfügbar sind.

Wie gestalten sich die (Ein- und Verkaufs-) Preise für Biolebensmittelwaren?

Die Einkaufspreise für Biorohstoffe schwanken ähnlich wie im konventionellen Markt und liegen im Durchschnitt um etwa 30 Prozent über diesen. Die Preise schwanken auch je nach Grad der Vorverarbeitung. Wesentlich ist jedoch der Einkaufspreis der Rohstoffe. Manchmal kann es günstig sein, auch im konventionellen Produkt Biorohstoffe einzusetzen, um Transportkosten oder Lagerkapazitäten zu effektivieren oder die möglicherweise geschmacklich gute Qualität auch für das konventionelle Sortiment zu nutzen.

Es ergeben sich zumeist höhere Verkaufspreise, die sich dann erzielen lassen, wenn die hohe Qualität der Produkte kommuniziert werden kann. Eine entsprechende Darstellung des Produktes am Markt ist dafür eine wesentliche Voraussetzung.

Welche Kosten kommen bei einer Umstellung auf mich zu?

Die betrieblichen Anforderungen zur Biolebensmittelverarbeitung ergeben sich aus den gesetzlichen Bestimmungen zur Trennung von biologisch und konventionell erzeugter Ware in Lagerung und Produktion. Diese Anforderungen sind meist einfach und ohne große Investitionen umzusetzen. Je nach Betrieb können Umbaumaßnahmen oder Neuanschaffungen nötig werden (Beispiel: Trennwand in einem Lager, andere Verpackungen).

Die Kosten der Kontrolle und die Kosten einer eventuell angestrebten Verbandsmitgliedschaft kommen jährlich auf Sie zu. Den meist höheren Rohstoffkosten stehen höhere Verkaufspreise gegenüber.

Was bedeutet die Kontrolle für mich?

Das Kontrollverfahren nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau ist vorgeschrieben. In diesem Rahmen wird mindestens einmal jährlich eine Betriebskontrolle durchgeführt. 

Geprüft werden dabei: 

  • Warenfluss (Eingang/Ausgang)
  • Kennzeichnung und Etiketten
  • Warenprüfung der Rohstoffe (Öko-Identität)
  • die Ablauforganisation im Betrieb

Wie sieht der Biolebensmittel-Markt derzeit aus?

Das Vertriebsnetz der Naturkostfachgeschäfte wird zunehmend dichter und in vielen Ballungsgebieten eröffnen sukzessive neue Biosupermarktinitiativen ihre Filialen. Bei vielen Discountern wurden mittlerweile Ökoprodukte gelistet. Die Sortimentstiefe ist jedoch gering (Penny: 23, Aldi Süd: 30, Plus: 150 Grundartikel) im Vergleich mit Naturkostläden, die meist weit über 3.000 verschiedene Artikel führen. 

Regional bestehen sehr große Unterschiede. Großstädte sind in der Regel dichter mit Biolebensmittel-Verkaufsstätten versorgt, außerdem besteht ein West-Ost-Gefälle.

Welche Absatzwege stehen mir für meine Biolebensmittel zur Verfügung?

Der Endverbrauchermarkt für Biolebensmittel stellt sich in Deutschland folgendermaßen dar: 

  • Der Naturkosthandel mit einer eigenen Struktur und Logistik 
  • Die Bio-Supermärkte mit größtenteils eigener Einkaufsstruktur 
  • Reformhäuser mit eigener Struktur und Logistik 
  • Der konventionelle Handel mit seinem Einzelhandel 
  • Direktverkauf über eigene Läden, Versand oder eine eigene Handelsstruktur

Das Wichtigste ist hier ein überzeugtes und kompetentes Auftreten der Vertriebsmitarbeiter, sei es im Außendienst oder gegenüber Handelspartnern. Das Darstellen der Qualität der Produkte zur Erklärung des höheren Preises ist entscheidend für den Verkaufserfolg.

Letzte Aktualisierung: 20.12.2011

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