Domäne Fredeburg
Anfang der 90er Jahre fanden sich drei Paare zusammen, die es sich zum Ziel gesetzt hatten, unsere Kulturlandschaft als wichtige Lebens- und Ernährungsgrundlage erhalten zu helfen. Ein Verein wurde gegründet und das Konzept entwickelt, durch Kurse, Vorträge, kulturelle Veranstaltungen, aber auch durch aktive landwirtschaftliche Arbeit dieses Anliegen zu vermitteln.
Der Beschluss der rot-grünen Kreistagsmehrheit im Kreisherzogtum Lauenburg, Kreisdomänen bei Neuverpachtung nur in ökologisch wirtschaftende Hände abzugeben, ermöglichte der jungen Hofgemeinschaft, 1991 für 36 Jahre die "Domäne Fredeburg" zu pachten.

- Käsevielfalt der Domäne Fredeburg
Fredeburg liegt im "Naturpark Lauenburgische Seen" zwischen Ratzeburg und Mölln, in der Nähe von Lübeck: ideale Bedingungen für nachhaltige biologisch-dynamische Landwirtschaft, nach deren Prinzipien Boden, Pflanze, Tier und Mensch in lebendigem, ökologisch sinnvollem Verhältnis zueinander stehen und erstes Ziel die Vielseitigkeit in Tierhaltung und Pflanzenanbau ist.
Von den 120 Hektar der Domäne werden 70 Hektar als Ackerland durch zehnjährige Fruchtfolge bewirtschaftet und ausschließlich mit hofeigenem Mist, Kompost und Jauche gedüngt. Weitere 30 Hektar sind Dauergrünland, 19 Hektar bleiben neben der Hofstelle für Wege, Flächenstilllegung, Biotope und Knicks, als Lebensraum für unzählige Nützlinge aktiver Naturschutz.
Mittlerweile leben 18 Erwachsene und sechs Kinder auf der Domäne sowie außer den Kühen und Rindern zwei Zuchtsauen (Angler-Sattel), 35 Mastschweine und 50 Hühner. Alle Tiere werden mit hofeigenem Futter versorgt, so dass die zur Verfügung stehende Futterfläche den Tierbestand auf ein gesundes Maß begrenzt.
Weiteres Standbein ist der Gemüseanbau auf drei Hektar, die Hofkäserei und das Kultivieren von biologisch-dynamischem Saatgut. Sämtliche Produkte des Hofes werden neben einem Naturkostvollsortiment im eigenen Hofladen verkauft und auch an den regionalen Einzelhandel geliefert.
Die Käserei
Auch in der Hofkäserei gilt: soll direkt an die VerbraucherInnen vermarktet werden, muss die Produktpalette so breit wie möglich sein. Aus jährlich 80.000 bis 90.000 Litern naturbelassener Rohmilch entstehen sieben Käsesorten, sowie Quark, Joghurt und Sahne. Etwa 8.000 Liter Milch im Jahr werden im Hofladen als Konsummilch verkauft.
Zum Sortiment gehören ein Hartkäse in verschiedenen Reifestufen, Schnittkäse nach Gouda-Art, ein halbfester Schnittkäse, variiert durch Gewürze oder mit Weißweinrinde, ein Weichkäse mit rot-weißen Rindenkulturen sowie ein Brie.
Bei so einem umfangreichen Sortiment ist eine genaue Planung über das ganze Jahr unabdingbar. Es muss nicht nur jeder Arbeitsschritt und jeder Produktionstag abgestimmt sein, in die Planung gehört auch das Einbeziehen saisonaler Milchmengenschwankungen. So wird der Hartkäse vor allem im Sommer produziert, wenn es viel Milch gibt. Unterstützung holt sich die Käserei im Verband für handwerkliche Milchverarbeitung.
Tiere
Nur gesunde Kühe geben gute Milch! Und: je besser die Milch, desto besser der Käse! Auf der Domäne leben 30 schwarzbunte Milchkühe, 25 weibliche Nachzuchtrinder und -kälber, 20 Ochsen und ein Bulle für die eigene Zucht. Die Pflege und Haltung der Tiere erfolgt nach den strengen Richtlinien des Demeter-Verbandes, außerdem ist der Betrieb EG-kontrolliert.
Artgerechte Tierhaltung bedeutet auf der Domäne zum Beispiel, dass die Tiere im Sommer Tag und Nacht auf der Weide sind und nur zum Melken in den Stall gebracht werden. Im Winter können sie frei zwischen Offen-, Fress- und Liegestall wählen und werden ausschließlich mit hofeigenem Futter (Heu, Grassilage, Getreide, Erbsen, Möhren, Kartoffeln und Schrot) gefüttert. Die Tiere danken es mit bester Gesundheit und hochwertiger Milch, der besten Voraussetzung für guten Käse.
Vermarktung
Die Hofgemeinschaft hat sich bewusst gegen den Vermarktungsweg Großhandel entschieden, weil die notwendige Konzentration dem Konzept von Vielfalt in Tierhaltung und Pflanzenanbau widerspräche und der Preisdruck ihre Arbeit beeinträchtigen würde. Lediglich Überschüsse bei Kartoffeln und Möhren werden über den Großhandel vertrieben.
Die Vermarktung läuft auf mehreren Schienen: Im Hofladen werden neben einem Naturkostvollsortiment alle hofeigenen Erzeugnisse von Getreide und Gemüse über Milchprodukte bis zum selbstgebackenen Steinofenbrot angeboten. Alle 2 Wochen bestellt ein Ring von Markthändlern und dreimal wöchentlich beliefert die Hofgemeinschaft Restaurants, Hofläden und den regionalen Einzelhandel. Wichtiger Partner ist hier trotz allgemeiner Konjunkturschwäche eine stetig wachsende Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft, in der neben der Domäne Fredeburg noch einige andere Öko-Betriebe rund um Lübeck genossenschaftlich organisiert sind.
Ausblick
Die Hofgemeinschaft Fredeburg will sich nicht über ein unvermeidliches Maß hinaus den konventionellen Vermarktungsformen "ergeben", sondern entwickelt auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Strategien, um sich von der zweischneidigen und wenig zukunftsträchtigen Dynamik der Marktgesetze wie "mehr Umsatz - Vereinheitlichung - Preisniveau senken - beliebige Verfügbarkeit" abzukoppeln.
Eine Variante ist die Genossenschaft, der Ring der Markthändler eine Andere. In Fredeburg wird der Hofladen erweitert werden, damit die eigenen Produkte besser und unter größtmöglicher Ausnutzung des Vertrauensbonus an die Endverbraucher weitergegeben werden können.
Menschen durch Vertrauen und Sympathie mit dem Hof zu verbinden, wird das unsichtbare Kapital sein - um so mehr dann, wenn an der nächsten Ecke ein Bio-Discounter anonyme Öko-Ware billig anbietet. Der Vorteil wird sein, frische hofeigene, handwerklich verarbeitete Käse anbieten zu können - und ursprünglichen Geschmack.
Letzte Aktualisierung: 19.08.2011


