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Hommerdinger Ziegenhof

 
Handwerkliche Käseherstellung (c): Hommerdinger

1986 übernahm Petra Elsen den kleinen Hof im Naturpark Südeifel, den ihre Eltern und Großeltern bis dahin als Nebenerwerbshof geführt hatten, zuletzt mit zehn Kühen. Petra Elsen wollte mehr. Sie wollte Landwirtschaft im Einklang mit der Natur, wollte Tiere und wollte den Hof alleine führen. Weil der Bau eines großen Laufstalls und Melkstands sich bei dem kleinen Betrieb nicht gerechnet hätte, entschloss sie sich, anstelle der Kühe mit den wesentlich handlicheren Ziegen zu arbeiten. Das bedeutete aber, dass sie auch die Vermarktung selber übernehmen musste, weil Ziegenmilch nicht abgeholt wird.

Nach einer landwirtschaftlichen Ausbildung in der Eifel und zwei Jahren intensiver Lehrzeit in mehreren renommierten französischen Ziegenkäsereien im Poitou - der Wiege des französischen Ziegenkäses und auch heute noch wichtigstem Produktionsgebiet - stellte Petra Elsen auf biologisch-dynamische Wirtschaftsweise um, baute eine Hofkäserei und begann 1993 mit fünf Ziegen. Heute liefern 70 Ziegen die Milch für die köstlichen Hommerdinger Demeter-Käse.

Die Käse

Hommerdinger Käsebanderole, (c): Hommerdinger

Petra Elsen käst nach traditioneller Art der französischen Bauernkäsereien (fromage de chèvre fermier): Die dickgelegte Milch wird nicht zum Bruch geschnitten, sondern steht über Nacht in der Molke. Am nächsten Tag wird die quarkähnliche Masse von Hand mit einer Kelle behutsam in die kleinen Formen geschöpft (moulé dans les louches), der Reihe nach ein Löffel in jede Form, bis alle Formen gefüllt sind.

Ziegenkopf, (c): Hommerdinger

Petra Elsen verwendet keine schützenden Weiß-Schimmel oder Rotschmierekulturen, sondern lässt die Käse natürlich aufhefen. Das bedeutet, dass die Käse besonders sorgfältig gelagert und gepflegt werden müssen. Während der Reifezeit werden die Käse täglich gewendet. "Hand"-werklicher kann eine Arbeit nicht sein! Einen Tag ruhen die Käse in den Formen und bilden anschließend zwei Tage lang eine erste Haut. Sie werden von Hand gesalzen und reifen mindestens zehn Tage im Reiferaum bei circa 14 Grad und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit.

Diese außergewöhnliche Art der bäuerlichen Produktion ist in Deutschland fast gar nicht zu finden und wird auch in Frankreich immer seltener. Ihr verdankt der Käse seine vielfältigen Geschmacksnoten von fein-säuerlich bis würzig-pikant: unterschiedliche Reifezeiten verleihen ihm fast täglich einen anderen Geschmack. Die Frischkäse werden mit frischen Kräutern und Knoblauch in kontrolliert ökologischer Qualität verfeinert.

Die Tiere

Im Stall, (c): Hommerdinger

Die weißen und auch bunten deutschen Edel-Ziegen durchleben den natürlichen Jahresrhythmus, geben also in den Wintermonaten keine Milch. Den Sommer verbringen sie auf den hofnahen Weiden, aber auch im Winter können sie den Stall verlassen. Futtergrundlage ist dann Kleegrassilage und das kräuterreiche Heu der Eifelwiesen, das größtenteils auf den hofeigenen Weiden gewonnen wird.

Die Vermarktung

Käseregal, (c): Hommerdinger

In den ersten Jahren konnte Petra Elsen die Käse noch auf regionalen Märkten verkaufen, einige Kunden kamen auch auf den Hof. 70 Ziegen mit einer jährlichen Milchmenge von 40.000 Litern (6.000 kg Käse) lassen ihr heute dafür keine Zeit mehr. Die Käse werden über regionale Markthändler vertrieben und seit diesem Jahr auch überregional vermarktet.

Trotz der Abgeschiedenheit des Örtchens Hommerdingen lässt das Besondere der Produkte und auch ihre Saisongebundenheit es sinnvoll erscheinen, weiterhin so direkt wie möglich an die VerbraucherInnen zu vermarkten.

Ausblick

Petra Elsen hat ihre Liebe zur Landwirtschaft schon früh entdeckt. Mit viel Anstrengung und Leidenschaft ist es ihr gelungen, den unwirtschaftlichen Kuhmilchbetrieb in einen auf ihre Möglichkeiten und Vorstellungen zugeschnittenen Ziegenbetrieb umzuwandeln.

Ihr Erfolg liegt auch in der Wahl des Produktes: statt den unzähligen Schnittkäsen auf dem deutschen Käsemarkt noch einen weiteren hinzuzufügen, hat sie sich für ein (fast) einmaliges Produkt entschieden. Die Käse aus Hommerdingen haben ihre LiebhaberInnen gefunden, die die Existenz einer außergewöhnlichen Hofkäserin und damit den Fortbestand ihrer ebenso außergewöhnlichen Weich- und Frischkäse sichern.

Letzte Aktualisierung: 18.11.2011

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