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Die Anfänge der Verarbeitung ökologischer Lebensmittel

Die Lebensreformbewegung stand auch den Pionieren der Ökoverarbeitung Pate

Die Lebensreformbewegung (s.a. Geschichte und Richtungen des ökologischen Landbaus) hat vor etwa 100 Jahren das hervorgebracht, was wir heute unter Naturkost verstehen. Von Beginn an waren Lebensmittelverarbeiter an dieser Entwicklung beteiligt. Galt es doch einerseits neue Geschäftsfelder zu erschließen und andererseits "Gesundkost" anzubieten und damit den Geschmack der Zeit zu befriedigen.

Der berühmteste Vertreter dieser Unternehmen, bzw. derer, die es oft noch werden wollten, ist sicher Dr. John Harvey Kellogg, der Erfinder der berühmten Kelloggs Cornflakes. Dieser gründete 1875 ein Sanatorium für Naturheilverfahren - wie wir es heute nennen würden. Im Jahre 1894 wurden dort die ersten Getreideflocken kreiert. Damals unter dem Namen "Granose". Am 1. April 1906 war dann der eigentliche Start mit der "Battle creek toasted corn Flakes company".

Aber nicht nur in den USA wurde über Gesundkost nachgedacht, sondern auch in Deutschland gab es eine rasante Entwicklung. Otto Steinmetz meldete im Jahre 1890 sein Verfahren einer Getreide-Wasch- und Enthüllungsmaschine zum Patent an. Er wollte damit den Grundstein legen für die Herstellung "gesundheitlich vollkommenen Brotes". Die Firma DE-VAU-GE Gesundkostwerke wurde 1899 in Friedenau bei Magdeburg gegründet. Auch Joseph Hipp entwickelt 1899 ein Zwiebackmehl um seine Zwillinge besser ernähren zu können. Der Grundstein zum heute größten Bio-Lebensmittelverarbeiter weltweit war damit gelegt. Der Handel durfte natürlich nicht zu kurz kommen, so ist die Eröffnung des ersten Reformhauses mit dem Namen "Jungbrunnen" in Wuppertal auf das Jahre 1900 datiert.

Natürlicher Landbau

Sicher waren das noch keine Ökohersteller! Dennoch fielen ihre Bemühungen in eine Zeit, in der auch Landwirte und Wissenschaftler darüber nachdachten, wie die Landwirtschaft weiter zu entwickeln ist. (siehe auch Einführung Erzeugung) Es bildete sich zunächst der sogenannte natürliche Landbau heraus, der als landwirtschaftlicher Ausleger der Lebensreformbewegung zu verstehen ist. Dieser darf als Vorreiter des eigentlichen ökologischen Landbaus gelten und basierte wesentlich auf der Grundlage einer landwirtschaftlichen Bakteriologie und allgemeinen Bestrebungen wieder stärker im Einklang mit der Natur zu leben. Ein einmaliges Zeugnis dieser Zeit und deren Gedankenwelt ist das Buch "Rosinkawiese" von Gudrun Pausewang. (Pausewang G. 1980 "Rosinkawiese" Verlag Ravensburger).

Ideen der Zeit waren: natürliches Leben, Landwirtschaft im Einklang mit der Natur, Vegetarismus und Autarkie sowie die Herstellung von gesunden naturnahen Lebensmitteln.

Der Begriff "Biologische Lebensmittel" wird geboren!

Der Begriff "Biologische Landwirtschaft" wird auf das Jahr 1924 datiert und damit werden endlich auch Bio-Lebensmittel hergestellt. Das staatliche Bio Siegel heute führt diesen Begriff als jüngster Spross ...

1924 wurde der Kurs "Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft" von Rudolf Steiner in Koberwitz abgehalten. Damit war der Begriff "Biologische Landwirtschaft" - in dieser Phase noch eng gekoppelt zum Begriff dynamisch - geboren.

Demeter Logo von 1930

Wer einen Markt erschließen will, braucht Unternehmen, die Lebensmittel, die nicht direkt genusstauglich sind, verarbeiten und konservieren. Und gleichzeitig braucht er Erkennungsmerkmale, um diese Produkte für den Verbraucher kenntlich zu machen. ANLS Wertmarken gehen 1928 als Gütesiegel an den Start. Um 1930 wurde bereits die bis heute bekannte Marke "Demeter" geschützt.

Die Entstehung der Reformhäuser

1929 gründete sich der Verein lebensreformerischer Unternehmen Oranienburg - Eden als Herstellerverband mit einzelnen Reformhäusern.

In den 30 Jahren gab es bereits Pioniere, die sich mit neuen technologischen Herausforderungen auseinander setzten. Der exotischste Vertreter dieser Zunft ist sicherlich Hugo Erbe, der in den 30er Jahren die "Salz-Honig-Brotführung" modernisieren wollte und das Backferment - heute "nach Hugo Erbe" - entwickelte. Eine erstaunliche Entwicklung fand statt. Im Jahre 1939 gab es über 2.000 Reformhäuser im Deutschland. Allein im Land Sachsen wurden 3.500 Hektar biologisch-dynamisch bewirtschaftet. Große Unternehmen wie Bahlsen beschäftigten sich mit der Gesundkost und wollten mit ihren Produkten einen Beitrag zur Volksgesundheit leisten.

Dann kam der Krieg und alles brach zusammen!

Letzte Aktualisierung: 18.11.2011

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