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CERTCOST

EU-weites Forschungsprojekt zur Verbesserung des Ökokontrollsystems

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CERTCOST-Logo.
Foto: Universität Hohenheim, CERTCOST

Schwarze Schafe gibt es überall. Durch das gute Kontrollsystem im Biomarkt fliegen Betrüger in der Regel aber schneller auf. Nichtsdestotrotz können die Überwachung der Ökokontrollstellen und der Austausch zwischen den Mitgliedsstaaten noch verbessert werden. Mit diesem Resümee schließt das Projekt CERTCOST, das im November 2011 nach dreijähriger Laufzeit zu Ende ging. Unter Führung von Prof. Dr. Stephan Dabbert von der Universität Hohenheim haben Wissenschaftler und Ökokontrollstellen aus sieben Ländern das Kontrollsystem der EU untersucht. Im Rahmen des Projektes wurde eine ökonomische Analyse des Ökokontrollsystems in Ländern der Europäischen Union und der Türkei durchgeführt. An diesem Projekt waren zehn Partner (sechs Universitäten, zwei Forschungseinrichtungen sowie zwei Kontrollstellen) aus Deutschland, Dänemark, Italien, der Schweiz, der Tschechischen Republik, der Türkei und dem Vereinigten Königreich beteiligt. 

Kontrollsystem einheitlich umsetzen

Aufgrund fehlender Definitionen von Abweichungen und den daraus folgenden Sanktionen eröffnen die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau (VO (EG) Nr. 834/2007) Interpretationsspielraum. Diese Situation kann dazu führen, dass die Verordnung unterschiedlich ausgelegt und gehandhabt wird. Das erschwert letztlich auch eine effektive Überwachung des Ökokontrollsystems. Eine europaweit vereinheitlichte Umsetzung des Kontrollsystems, zum Beispiel durch die Ergänzung fehlender Definitionen oder detailliertere Vorgaben zur Kontrollhäufigkeit in der Verordnung, sollte angestrebt werden.

Kontrollhäufigkeit und -intensität am Risiko ausrichten

Plakat, das in einem Workshop bearbeitet wurde. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Workshop in Brüssel im Oktober 2011: Diskussion der Empfehlungen mit Sektorbeteiligten aus Europa.
Foto: Universität Hohenheim, CERTCOST

CERTCOST empfiehlt, das Konzept der risikobasierten Kontrolle weiterzuentwickeln. Das bedeutet, ein System zu entwickeln, in dem nicht alle gleich häufig kontrolliert werden, sondern ein Schlüssel nach dem bestehenden Risiko entwickelt wird. Bei diesem Ansatz muss der von einem Verstoß resultierende Schaden für die Verbraucher und die Produzenten stärker berücksichtigt werden. Neben einer höheren Kontrollintensität risikoreicher Betriebe ist es auch vorstellbar, Betriebe, die ein geringes Risiko aufweisen, weniger häufig als bisher zu kontrollieren. Aktuell schreiben die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau jährlich mindestens einen Kontrollbesuch vor.

Verbrauchervertrauen in das Kontrollsystem stärken

Verbraucher erkennen Ökoprodukte anhand der Kennzeichnung durch entsprechende Siegel. In den untersuchten Ländern bestehen für existierende Siegel unterschiedliche Zahlungsbereitschaften, insbesondere zwischen privaten und staatlichen (nationalen) Siegeln. Um das neu eingeführte EU-Biologo im Bewusstsein der Verbraucher zu verankern, werden abgestimmte Informationsmaßnahmen zwischen der EU, den Mitgliedsstaaten und den Herstellern empfohlen.

Kontrollsystem besser organisieren

Die vielfältigen Aufgaben im Zusammenhang mit der Öko-Kontrolle (zum Beispiel die Umsetzung der Verordnung, die Zulassung, Akkreditierung und Überwachung von Kontrollstellen, die Importregelung) erfordern erhebliche Ressourcen. Die Ressourcenausstattung und die aktuelle Aufgabenteilung der im Ökokontrollsystem beteiligten Institutionen auf den verschiedenen Ebenen (EU, Mitgliedsstaaten, Regionen), sind verbesserungswürdig. So gibt es zum Beispiel in Deutschland aufgrund des föderalen Systems 15 zuständige Behörden, die jeweils in ihrem Bundesland die Umsetzung der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau lenken und überwachen. Eine einheitliche Vorgehensweise wäre empfehlenswert.

Austausch zum europäischen Wissenssystem Ökokontrolle

Der Austausch zwischen den am Ökokontrollsystem beteiligten Einrichtungen sollte verbessert werden. Ein regelmäßiger Austausch kann auch zu einer einheitlicheren Umsetzung der Öko-Kontrollen in verschiedenen Ländern der EU beitragen.

Konsequenzen

Für ökologische Verarbeitungsbetriebe in Deutschland können diese Empfehlungen infolge von stärker risikoorientierten Kontrollen gegebenenfalls eine stärkere Kontrollintensität bedeuten (zum Beispiel aufgrund großer, verarbeiteter Mengen). Außerdem kommt Verarbeitungsbetrieben bei der Einführung und Positionierung des neuen EU-Bio-Logos aufgrund ihrer Marktposition innerhalb der Lebensmittelkette eine wesentliche Rolle zu.

Autor: Alexander Zorn; Universität Hohenheim

Hinweis: Das Forschungsprojekt CERTCOST wurde durchgeführt mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Kommission im 7. Forschungsrahmenprogramm (Vertrag Nr. 207727). Diese Veröffentlichung stellt die Meinung des Autors dar. Die Europäische Kommission kann nicht für den Inhalt verantwortlich gemacht werden.

Letzte Aktualisierung: 20.01.2012

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