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Literatur

Die Studie externer Link folgt"Underlying Principles in Organic and Low-Input Food Processing" kann aus dem Internet geladen werden. Der Studie ist ein umfangreiches Literaturverzeichnis zu entnehmen.

Renaissance der mittleren oder angepassten Technologie

 

Ein dritter Ansatz, der heute unser Bild von Ökoverarbeitung prägt, ist zusammengefasst mit dem Begriff "mittlere Technologie" oft auch als "angepasste Technologie" bezeichnet. In den Siebziger Jahren gab es intensive Bemühungen um die Formulierung eines neuen Technologiebegriffes. Eine Technologie, wie Hugo Kükelhaus es ausdrückte, mit "menschlichen Antlitz". Nichts ist aktueller als diese Fragestellung.

Der Begriff "Mittlere Technologie" wurde wesentlich geprägt durch das Buch "Small is beautyful" von Schuhmacher. Auch wenn dieses Buch in Vergessenheit geraten ist, die Kernfrage bleibt: dient die Technologie dem Menschen oder dient der Mensch der Technologie? 

Die Charakterisierung dieses Technologie-Ansatzes ist nach wie vor aktuell. Die wichtigsten Ziele dieser Technologie sind anschießend zusammengefasst.

"Ziel ist die Erzeugung eines stabilen Gleichgewichtszustandes durch Mittel wie 

  • Annäherung von Systemen und Teilsystemen an ihre optimale Größe;
  • Schließung von aufgebrochenen Kreisläufen;
  • Internalisierung externer Kosten, d.h. die Zahlung der Kosten durch die Verursacher;
  • Ausgleich von Ungleichgewichten von "lokal" und "weltweit";
  • Erzeugung von möglichst hoher Qualität bei möglichst niedrigem Stoff- und Energieumsatz, wie etwa Förderung von dauerhaften und regenerierbaren Produkten, die bei ihrer Herstellung beim Betrieb möglichst wenig Ressourcen beanspruchen;
  • Schaffung von sozialen Strukturen, in denen sich der Einzelne wohl und geborgen fühlt;
  • Reduzierung von Überspezialisierung
  • Förderung von kleinen, überschaubaren Einheiten durch Dezentralisierung"

Die Diskussionen zu Themen wie Dezentralisation einer technisch ausgefeilten aber steuerbaren, umweltfreundlichen Technologie, sowie die soziale Kontrolle von Technologie und Wirtschaft findet heute leider weitgehend außerhalb der ökologischen Lebensmittelwirtschaft statt. 

Im angelsächsischen Sprachraum wird der Begriff "mittlere Technologie" ("appropriate technology") immer noch genutzt, insbesondere im Zusammenhang mit dem Aufbau von selbsttragenden Strukturen in Entwicklungsländern. Der Ansatz einer "Technologie mit menschlichem Antlitz" kann wesentlich dazu beitragen eine Verelendung und Abhängigkeit zu vermindern und in eine selbsttragende Ökonomie überzuführen. Eine Aktualisierung dieses Ansatzes wäre sehr lohnenswert.

Schonende Verarbeitung

Ein weiteres, intensiv mit der Ökoverarbeitung verbundenes Konzept, ist das Konzept der "schonenden Verarbeitung", das in verschiedenen Öko-Richtlinien auftaucht.  Es bleibt jedoch vielfach unklar, was mit dem Begriff "schonend" genau gemeint ist. Dieser Begriff kann ja leicht auch in Gegensatz zu vielen Verarbeitungsverfahren gebracht werden, wenn die Frage gestellt wird, ob beispelsweise das Vermahlen eines Kornes, das heißt das vollkommene Zerstören des Organismus Korn, als schonend zu bezeichnen ist.

Es gibt ein Konzept, das davon ausgeht, dass Lebensmittel mit der Ernte eine Art Qualitätsoptimum erreichen, welches durch die nachfolgende Verarbeitung nur erhalten oder verringert werden kann. Eine Technologie muss also darauf abzielen, den Verlust an Qualität möglichst gering zu halten. Man kann natürlich dieses "schonend" (oder den  "sorgsamen Umgang") auch anders interpretieren. Beispielweise kann man fragen:

Schonend für wen?

  • Schonend für das Produkt? 
  • Schonend für die Umwelt? 
  • Oder schonend für die Menschen (Mitarbeiter, Konsumenten)?

Die Erweiterung des Begriffes "schonend" bezüglich Produkt, Umwelt und den Menschen, wie sie die nachfolgende Grafik darstellt, eröffnet  interessante Entwicklungsperspektiven.

Grafische Darstellung dreier Bereich, die mit dem Begriff "schonend" zusammenhängen, Klick führt zu Gr0ßansicht im neuen Fenster
Ist "schonend" das Kernprinzip für die Ökoverarbeitung?
 

Alle drei Perspektiven könnten mit Produktkonzepten verbunden werden. Wenn wir heute im Öko-Zusammenhang über "schonend" sprechen, meinen wir meist nur das Produkt. Die Frage des schonenden Umgangs mit der Umwelt ist heute oft nur Bestandteil der Rohwarenseite aber nicht Gesamtaufgabe für das verarbeitende Unternehmen. Dabei müsste mit der wachsenden Globalisierung vermehrt über den Transport, über Arbeitsplätze oder Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter nachgedacht werden. Interessanterweise wurden in den ersten privaten Richtlinien, die es für die Ökoverarbeitung gab (Produktionsstandards des Arbeitskreises Gutes Brot), durchaus soziale Aspekte berücksichtigt. So wurden bereits damals Arbeitsschutzbedingungen näher definiert.

Letzte Aktualisierung: 21.12.2011

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