Einstieg in die Milchverarbeitung mit mobiler Käserei

- Foto: Günther Rauch
Eine mobile Käserei bietet Biomilchviehbetrieben die Möglichkeit, mit wenig Kapital- und Arbeitsaufwand in die Käsedirektvermarktung einzusteigen.
Kleinere Biobetriebe, die ihre Milch verarbeiten wollen, stehen oft vor großen Herausforderungen. In der Regel fehlen ihnen die nötigen Arbeitskapazitäten. Auch das benötigte Spezialwissen müssen sie sich erst aneignen. Dank der "mobilen Käserei", die auf Bestellung auf den Hof rollt, ist der Einstieg in die Käseherstellung auch für diese Betriebe möglich.
Milchverarbeitung im Lohn
Mobile Käsereien gibt es seit wenigen Jahren in Deutschland. In der Regel sind es Käsemeister, die sich eine Käserei auf Rädern aufgebaut haben und im Lohn Milch verarbeiten. Die benötigte Technik hierfür haben sie in einen LKW oder Autoanhänger eingebaut. Die mobilen Käser fahren damit zu den Höfen und käsen vor Ort. Letzter Arbeitsschritt auf dem Betrieb ist das Einfüllen des Bruchs in die Käseformen. Auf Wunsch können die Käser das Endprodukt in eigenen Klimaräumen reifen lassen. Dieses Angebot wird von den meisten Betrieben in Anspruch genommen. Den gereiften Käse holt der Landwirt dann zurück auf den Hof. Manchmal bringt ihn auch der Käser bei seinem nächsten Besuch mit, wenn es in den Produktionsrhythmus passt. Die mobilen Käsereien berechnen zwischen 0,51 und 0,60 Euro pro Kilogramm verarbeitete Milch inklusive der Reifung.

- Foto: Günther Rauch
Diese Form der Milchverarbeitung wird als Hofkäserei eingestuft. Schließlich wird die Milch ja auf dem Betrieb verarbeitet. Damit sind verschiedene Vorteile verbunden:
- Die rechtlichen Anforderungen an eine Hofkäserei sind vielfach leichter zu erfüllen als die an eine gewerbliche Käserei, die Milch zukauft und auf eigene Rechnung und Risiko verarbeitet. Die Hygienestandards sind allerdings weitgehend die gleichen.
- Die Qualitätskontrolle der Rohmilch wird bereits weitgehend über die normale Milchuntersuchung bei der Molkerei abgedeckt, an die der Großteil der erzeugten Milch nach wie vor verkauft wird.
- Steuerlich ist die Käserherstellung für den Hof ein landwirtschaftlicher Betriebszweig. Käsen gehört anders als Wursten zur ersten Verarbeitungsstufe und erfordert daher keine Gewerbeanmeldung.
Quotenumschreibung bei kleineren Verarbeitungsmengen nicht nötig
Aber: Nur "geringfügige Mengen" Milch und die entsprechende Käsemenge dürfen ohne Anmeldepflicht und Quotenumwandlung direkt vermarktet werden. Die zuständigen Hauptzollämter nennen als Grenze rund zehn Kilogramm Milch pro Tag oder 3.000 Kilogramm pro Jahr. Ansonsten muss der Landwirt einen Teil der Referenzmenge in eine Direktvermarktungsquote umwandeln. Vor der Quotenumschreibung muss das Einverständnis der Molkerei eingeholt werden, mit der ein Liefervertrag besteht.
Wird der Einkommensbeitrag aus der Käseherstellung dem internen Milchpreis zugeschlagen, errechnet sich in unserem Rechenbeispiel (siehe Tabelle) ein Milchpreis von insgesamt 75 Cent je Kilogramm verarbeitete Milch nach Abzug aller mit der Käseherstellung verbundenen Kosten (aber ohne Vermarktungskosten wie Hofladeneinrichtung, Werbung, etc).
Kostenansätze | Kosten | Menge je Jahr** | Betrag insgesamt |
*bei Verarbeitungsmengen von 800 bis 1.000 Kilogramm eher 0,51 bis 0,55 Euro je Kilogramm ** zehn Kilogramm Milch entsprechen einem Kilogramm Käse | |||
eigene Milch | 0,35 €/ kg Milch | 3.000 kg | 1.050 € |
Entgelt für Lohnkäserei* | 0,60 €/ kg Milch | 3.000 kg | 1.800 € |
Kosten für Energie und Wasser | 0,05 €/ kg Milch | 3.000 kg | 150 € |
Summe Gestehungskosten | 1,00 €/ kg Milch | 3.000 kg | 3.000 € |
Kosten gesamt für Käseproduktion | 10,00 €/ kg Käse | 300 kg | 3.000 € |
Umsatz gesamt aus Käseverkauf | 14,00 €/ kg Käse | 300 kg | 4.200 € |
Einkommensbeitrag | 4,00 €/ kg Käse | 300 kg | 1.200 € |
Letzte Aktualisierung: 20.09.2011
