Schmelzkäse handwerklich herstellen

- Die Herstellung von Schmelzkäse erlaubt es, Käse dauerhaft zu konservieren. Am besten wird er in Gläser abgefüllt. © Pierre Haas
Zur Sortimentserweiterung der Hofkäserei ist Schmelzkäse interessant. Guter Schmelzkäse ist bei den Kunden durchaus beliebt. Außerdem finden Übermengen hier Verwendung. Als Anfang der 1990er Jahre die Demeter-Hofkäserei Altenschlirf – vermutlich erstmalig in Deutschland – Bio-Schmelzkäse auf den Markt brachte, waren die Absatzmöglichkeiten überraschend groß.
Ursprünglich entstand der Schmelzkäse aus dem Motiv heraus, europäischen Käse als konserviertes Produkt in Übersee vermarkten zu können. Was das Vorhaben erschwerte, war die Tatsache, dass Käse ein lebendiges, hoch sensibles Lebensmittel ist und sich in ständigem Wandel befindet. Bei entsprechender Pflege reift Käse zu kulinarischen Höhen, um später wieder in der Qualität abzufallen. Also entstand der Wunsch, den Käse an einem bestimmten Punkt seiner Reifung dauerhaft zu konservieren. Hitze zur Abtötung der Mikroorganismen und das darauf folgende luftdichte Verschließen war ein bei anderen Lebensmitteln bekanntes Verfahren. Käse jedoch reagiert auf Temperaturen über 60 bis 70° C äußerst unfreundlich. Er trennt sich von Teilen seiner Feuchtigkeit und seines Fettes. Vor allem wird er, wenn er wieder abgekühlt ist, zäh und unattraktiv und ist schwer in eine ansprechende Verpackung zu bekommen. Die Aufgabe damals war also, zum einen den Feuchtigkeitsverlust zu verhindern, damit das Produkt geschmeidig und schneidbar bleibt. Zum anderen sollte der Käse homogen bleiben. Die Streichfähigkeit war erst einmal kein Thema.
Käse musste also geschmolzen werden, um ihn haltbar zu machen. Dabei zieht sich das Eiweiß zusammen und klumpt (siehe Kasten).
Exkurs: Wieso klumpt geschmolzener Käse?
Im reifenden Käse bildet das Eiweiß die eigentliche Struktur des Käses und alle anderen Bestandteile sind an- oder eingelagert. Wird diese Eiweißstruktur, z. B. durch Hitze, manipuliert, neigt das Eiweißgefüge dazu, sich zusammenzuziehen und eingeschlossenes Wasser und Fett teilweise abzustoßen – und zwar umso mehr, je jünger und "saurer" ein Käse ist. Einige werden diesen Effekt kennen, wenn sie aus zu jungem Käse Fondue herstellen wollen und dieser klumpt und keinen cremigen Teig bildet. Das hängt damit zusammen, dass das Eiweiß im Käse über Calciumbrücken wie ein "Güterzug" aneinander gebunden ist und so eine verwobene Gitterstruktur ausbildet. Reift der Käse, werden Teile der Calciumbrücken gelöst, Säure wird abgebaut und die Bindungskraft von Wasser und Eiweiß erhöht sich. Dies nennt man Cremierungseffekt. Deshalb schmilzt älterer Käse in der Regel besser als junger.
Wir wissen von reifendem Käse, dass der Teig mit dem Ablösen von Calciumbrücken cremiger wird und sich gerne mit Wasser bindet. Wie können wir Calcium, außer über die Reifung, aus dem Eiweißgefüge bekommen?
Als zweiwertiges Element kann Calcium sich wie ein Waggon an zwei Seiten mit anderen Elementen verbinden. Tauscht man das Calcium durch ein einwertiges Element aus, fällt das Eiweiß auseinander und hat die angestrebte Wasserbindeeigenschaft wie bei einer längeren Reifung.
Das Element Natrium tut dem Käser diesen Gefallen. Hier kommen jetzt die berüchtigten Schmelzsalze ins Spiel. Diese haben im Wesentlichen die Aufgabe, Natrium in die Käseschmelze zu bringen und wirken zudem auf den pH-Wert des Käses. Verschiedenste Salze vermögen dies mit unterschiedlichen Wirkungen. Hauptsächlich handelt es sich um Phosphate und Citrate. Wichtig ist, dass die Salze einen hohen Anteil an Natrium mitbringen. Unsere ersten Versuche in der Hofkäserei Altenschlirf mit dem alten Hausmittel Natron sind kläglich gescheitert. Der geringe Natriumanteil im Natron machte eine hohe Salzzugabe notwendig, um einen cremigen Teig zu erhalten. Das Ergebnis war ein ungenießbarer, seifig schmeckender Schmelzkäse. Wir stiegen dann auf professionelle Schmelzsalze um und entschieden uns für Trinatriumcitrat, das als unbedenklich gilt. Phosphorsalze haben zwar bessere Schmelzeigenschaften, sind aber aus gesundheitlichen Gründen nicht zu empfehlen.
Schmelzkäseherstellung in Altenschlirf

- Käse, Wasser und Schmelzsalz werden erhitzt und gerührt bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist. © Pierre Haas
In der Regel wählen wir für die Schmelzkäseherstellung eine Mischung aus jüngeren und älteren Käsen aus. Auch bei diesem Produkt legen wir großen Wert auf qualitativ einwandfreie Rohware. Bedenkliche Fehlproduktionen haben bei der Schmelzkäseherstellung generell nichts verloren. Wir haben klare Auswahlkriterien für die Rohware formuliert, sie muss geschmacklich und bakteriologisch einwandfrei sein. Dieses Vorgehen ist zu empfehlen, so kommt man erst gar nicht in Versuchung, minderwertige Rohstoffe einzusetzen.
Die Käse werden dann grob gerieben, gewogen und kommen in den Schmelzbehälter. Je nachdem, wie fest oder streichfähig der spätere Schmelzkäse werden soll, gibt man eine bestimmte Menge Wasser dazu. Wir stellen in der Hofkäserei Altenschlirf einen sehr cremigen, streichfähigen Schmelzkäse her und planen eine Wasserzugabe von etwa 35 bis 45 Prozent bezogen auf die Käseeinwaage. Zuvor wird das Schmelzsalz zugegeben, 2 bis 4 Prozent auf die Käseeinwaage. Das Wasser kommt mit etwa 70° C dazu. Die Mischung wird gut umgerührt und verbleibt für 2 bis 3 Stunden bei über 60° C zum Quellen. Es ist geschickt, nicht gleich die gesamte errechnete Salz- und Wassermenge dazuzugeben. Der endgültige Bedarf richtet sich stark nach Alter, Trockenmassegehalt und pH-Wert des Ausgangskäses.
Nach der Quellzeit wird die Masse bei gutem Rühren auf 80 bis 90° C erhitzt. Vor dem Abfüllen ist die Konsistenz zu prüfen. Hier ist Erfahrung gefragt, um beurteilen zu können, ob und wie viel Wasser noch zugegeben werden muss. Auch eine sensorische Prüfung ist notwendig, um sicher zu gehen, dass das gesamte Eiweiß gelöst ist und die Schmelze nicht grießig ist. Unter Umständen muss man Schmelzsalz nachdosieren.
In der Regel werden die meisten Hofkäsereien streichfähigen Schmelzkäse herstellen. Dann kann die flüssige Schmelze heiß in entsprechende Gefäße gefüllt werden. Gläser mit Deckel garantieren eine lange Haltbarkeit. Einige Käsereien verwenden Kunststoffbecher. Als Einwegverpackung sind diese zwar in der Handhabung günstiger, die Haltbarkeit des Produktes ist aber eindeutig kürzer.
Schmelzkäse hat seine Berechtigung

- Fertige Schmelze. © Pierre Haas
Schmelzkäse hoher Qualität ist bei Kunden beliebt, dafür sprechen die guten Absatzzahlen bei der Hofkäserei Altenschlirf. Von dieser Nachfrage abgesehen profitieren Käsereien aus einem anderen Grund von diesem Produkt. Verarbeiter, die viel über den Zwischenhandel absetzen, wissen, wie viel Wert auf einheitliche Chargen gelegt wird. Chargen, die den geforderten Anforderungen nicht genügen, werden schnell zurückgewiesen. In vielen Fällen handelt es sich um „gute“ Käse, die aber der Beschreibung einer Sorte nicht gerecht werden, weil sie z. B. physikalische Fehler in der Säureführung und in der Trockenmasse haben. Die Weiterverarbeitung dieser ansonsten einwandfreien Ware ist eine gute Möglichkeit, die Ware zu „retten“. Dabei darf man sich nicht verleiten lassen, geschmacklich oder sogar bakteriologisch nicht einwandfreien Käse zu verarbeiten. Auch bei Überproduktionen kann mit einer Weiterverarbeitung etwas Abhilfe geschaffen werden.
Letzten Endes werden diejenigen Käserinnen und Käser Erfolg mit dem Produkt Schmelzkäse haben, die ihn selbst gerne genießen, vielleicht ihm „verfallen“ sind, und sich deshalb um seine Qualität und seinen Ruf bemühen.
Letzte Aktualisierung: 20.09.2011
