Umweltverträglichkeit von Verpackungen

- © BLE / Dominic Menzler
Verpackungen sind die Visitenkarte eines Produktes. Sie vermitteln den ersten Eindruck über die Qualität und sollen diese über die ganze Transportkette sichern. Der Aspekt Umweltverträglichkeit rückt einerseits wegen der Grundhaltung des ökologischen Landbaus im Sinne der Schonung der Umwelt und der Ressourcen ins Zentrum des Interesses, anderseits auch, weil Konsumentinnen und Konsumenten ein insgesamt umweltverträgliches Produkt kaufen wollen. Ausschlaggebend für eine ökologische Bewertung von Verpackungen sind der Herstellungs- und Entsorgungsprozess sowie die Kreislauffähigkeit der verwendeten Materialien.
Ökobilanzierung als Bewertungsmethode
Eine wichtige Methode zur Beurteilung ökologischer Aspekte eines Produktes, eines Herstellungsprozesses, einer Dienstleistung oder eines Entsorgungsprozesses ist die Ökobilanz (engl. Life Cycle Assessment). In einer Sachbilanz werden alle Umweltwirkungen erhoben (sämtliche umweltrelevante Entnahmen aus der Umwelt wie Erze und Rohöl sowie die Emissionen in die Umwelt), um diese in einer anschließenden Wirkungsanalyse zu bewerten. Es gibt unterschiedliche Bewertungsverfahren, die sich je nach Land, Zeitpunkt der Erhebung und Anwendungsgebiet unterscheiden.
Die Ökobilanz von Schmitz et al. (1995) ist die erste, die sich in großem Umfang mit den Umweltauswirkungen von Getränkeverpackungen befasst. Sie tut dies am Beispiel des Bieres und bildet die Grundlage für viele weitere Studien (z.B. für das Hintergrundpapier des Deutschen Umweltbundesamts, 2002). Verglichen wurden Mehrwegglasverpackungssysteme mit Einwegglasflaschen, Weißblech- und Aluminiumdosen. Als Umweltwirkungen wurden folgende Kategorien beurteilt: Verbrauch von Rohstoffen, Treibhauseffekt, Ozonabbau, Beeinträchtigung der Gesundheit des Menschen und direkte Schädigung von Organismen und Ökosystemen, Bildung von Photooxidantien, Versauerung von Böden und Gewässern, Eintrag von Nährstoffen in Böden und Gewässer, Flächenverbrauch und Lärmbelastung. Bei Schmitz et al. (1995) ist das Mehrwegglassystem bei einer angenommenen Distributionsentfernung von 600 Kilometern und 30 Flaschenumläufen der klare Gewinner. Dieses Ergebnis wird auch in späteren Studien bestätigt.
Ein anderes Beispiel ist die im Auftrag der Aluminiumindustrie durchgeführte Studie der IFEU-Heidelberg (Gromke und Detzel, 2006). Die Aludose zeigt demnach ökologische Vorteile, wenn von einer Alu-Recyclingrate von 95 Prozent ausgegangen (optimistische Annahme für Deutschland), die Umlaufzahl der Glasflasche auf drei reduziert - vergleichbar mit der eines kurzlebigen Trendbiers - und dies mit einer Distributionsentfernung von über 500 Kilometern kombiniert wird. Entscheidend für den ökologischen Vorteil von Aludosen ist zudem der Anteil an recycliertem Aluminium z.B. gegenüber Weißblechverpackungen.
Bei den Einwegverpackungen schneidet die Einwegglasflasche gegenüber PET am schlechtesten ab. Dies liegt vor allem am höheren Einsatz von thermischer Energie und einer größeren Menge an Primärrohstoffen und anfallendem Restmüll bei Glas (Hauer, 2000). Unabhängig von der ökobilanziellen Beurteilung ist zu berücksichtigen, dass ein umweltfreundliches Recycling von PET-Flaschen momentan noch schwierig ist. Die stoffliche Verwertung ist in Europa mit 20 Prozent der anfallenden PET-Verpackungen (2000) sehr begrenzt. Zudem fehlen spezielle Verwertungsverfahren für beschichtete Flaschen z.B. mit einer zusätzlichen Sauerstoffbarriereschicht. Weniger eindeutig scheint der Vergleich von Mehrwegglas mit PET. Muss beispielsweise eine PET-Flasche zur stofflichen Wiederverwertung in den nahen Osten transportiert werden, ist die Verwendung von Glasmehrweggebinden ökologischer.
Eine absolute Bewertung der Umweltauswirkungen eines Verpackungsmaterials oder -systems ist schwierig. Bei der Auswahl einer Verpackung sollten neben der Inanspruchnahme einer Ökobilanz allgemeine Überlegungen zu den Umweltauswirkungen angestellt werden. Hilfreiche Grundregeln für eine ökologische Verpackung sind:
- Vermeiden: Jede von der Lebensmittelsicherheit her unnötige Verpackung sollte vermieden werden.
- Vermindern: Größe, Dicke oder Gewicht der verwendeten Materialien so weit wie möglich vermindern.
- Bevorzugung von Mehrwegsystemen: Möglichst wieder verwertbare Materialien gebrauchen.
- Recyclierbare oder kompostierbare Materialien bevorzugen.
Literatur
Deutsches Umweltbundesamt (Hrsg.) (2002): Hintergrundpapier: Ökobilanz für Getränkeverpackungen für alkoholfreie Getränke und Wein II. Berlin
Gromke, U. und A. Detzel (2006): Ökobilanzieller Vergleich von Aluminium-Dose und Glas-Mehrweg-Flasche anhand von Fallbeispielen zur Distribution von Bier - Auszug aus der Gesamtstudie. Heidelberg, IFEU GmbH, Auftraggeber: Gesamtverband der Aluminiumindustrie e. V. (GDA)
Hauer, W. (2000): Argumente Einweggebinde - Mehrweggebinde. Graz, Korneuburg
Schmitz, S. et al. (1995): Ökobilanz für Getränkeverpackungen. Texte Nr. 5295,
Umweltbundesamt Deutschland, Berlin
Letzte Aktualisierung: 22.11.2011
