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CO2-Zertifizierung für Bioverarbeiter

 

Herausforderung und Chance: CO2-Zertifizierung für Bioverarbeiter

Die Verantwortung des Menschen an der Erderwärmung durch Produktion von Treibhausgasen wie Kohlenstoffdioxid (CO2)  ist spätestens seit dem 2007 erschienenen jüngsten Bericht des UN-Weltklimarates mehrheitlich von der Wissenschaft anerkannt.

Als eine der Folgen werden extremere Wetterereignisse (Überschwemmungen und Dürren) genannt, die auch eine extreme Herausforderung für Ökosysteme darstellen und direkte Auswirkungen auf die Biodiversität haben. Klimaschutz ist also Umweltschutz, und Maßnahmen zur Emissionsminderung sind wichtige Bestandteile nachhaltiger Entwicklung.  Dementsprechend steht auch die Klimaverträglichkeit von Produkten zunehmend im Interesse von Verbrauchern und Herstellern.

Kampagnenmotiv der Superwurst. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die Superwurst von Ökoland war eines der ersten Bioprodukte mit CO2-Zertifikat (Stop-Climate-Change-Label)
Bild: Ökoland GmbH

Wozu eine CO2-Zertifizierung für Verarbeiter von Biolebensmitteln?

Auch bei der Produktion von Biolebensmitteln werden Treibhausgase freigesetzt, deren Ausmaß je nach Produkt sowohl von Faktoren auf landwirtschaftlicher Ebene als auch von Faktoren auf Verarbeiterebene abhängt. Diese Faktoren werden von den etablierten Biostandards nicht berücksichtigt und bewertet. Eine CO2-Zertifizierung, die zusätzlich zur Biozertifizierung durchgeführt wird, bietet daher für Unternehmen und die Umwelt einen Zusatznutzen: Eine Emissionsreduktion kann direkt Einfluss auf die Senkung von Energiekosten von Unternehmen haben, was bei steigenden Energiepreisen wirtschaftlich relevant ist.

Neben dem nicht-materiellen Wert, sich als Betrieb freiwillig für den Klimaschutz zu engagieren, bietet die glaubwürdige Kommunikation einer klimafreundlichen Produktion zudem eine Möglichkeit, sich gegenüber Mitbewerbern abzugrenzen. Eine entsprechende Unternehmens- oder Produktkennzeichnung kann einen Produktmehrwert darstellen und die Kaufbereitschaft bei bestimmten Kunden erhöhen, da die Klimaverträglichkeit von Produkten zunehmend im Interesse von Verbrauchern steht.

Der erste Schritt: Die CO2-Bilanzierung

Der erste Schritt zur CO2-Zertifizierung ist die CO2-Bilanzierung. Bei der Bilanzierung werden, in der Regel durch ein Vor-Ort-Audit, alle Treibhausgas-Emissionsquellen identifiziert und dokumentiert. Dabei werden neben den direkt vom Unternehmen verursachten Emissionen durch den Verbrauch von Energieträgern (Heizöl, Gas, Strom etc.) auch die indirekten Emissionen erfasst, die durch den Verbrauch von Betriebsmitteln (zum Beispiel Wasser, Verpackungsmaterialien, Papier etc.), Maschineneinsatz, Anlagenbetrieb, Gebäudenutzung bis hin zu den Fahrten der Mitarbeiter zum Arbeitsplatz verursacht werden. Die verschiedenen Standards und Zertifizierungsverfahren unterscheiden sich zum Teil im Umfang der einbezogenen indirekten Emissionen.

Grundsätzlich können zwei Herangehensweisen unterschieden werden: Die unternehmensbezogene und die produktbezogene Bilanzierung. Bei der unternehmensbezogenen Bilanzierung werden möglichst umfassend alle Emissionsquellen innerhalb des Unternehmens berücksichtigt. Bei der produktbezogenen Bilanzierung liegt der Fokus dagegen auf dem Lebenszyklus eines einzelnen Produktes. Daher werden bei dieser Bilanzierung die Emissionsquellen aller Erzeugungs- und Verarbeitungsunternehmen einbezogen, die für die Erzeugung des Produktes relevant sind. So zum Beispiel auch Emissionen, die bei landwirtschaftlichen Erzeugerbetrieben (Einflussfaktoren sind hier z.B. Humusgehalt der Böden, Verbrauch von Pflanzenschutz- und Düngemitteln oder Tierbestand) oder bei Transport und Handel entstehen.

Durch die CO2-Bilanz werden also einzelne Emissionsquellen dokumentiert und zudem deren jeweilige Gewichtungen deutlich gemacht. Dadurch haben Betriebe eine fundierte Grundlage, um Reduktionspotenziale zu erkennen und ihre Klimafreundlichkeit weiterzuentwickeln.

Klimalabel Stop-Climate-Change
Nach erfolgreicher Zertifizierung darf mit entsprechenden Klimalabels geworben werden, wie z.B. dem Stop-Climate-Change- Logo oder dem ABCert-Label.

Mit Klimalabel: Die CO2-Zertifizierung

Wie bei der CO2-Bilanzierung sind auch bei der CO2-Zertifizierung sowohl eine unternehmensbezogene wie auch eine produktbezogene Zertifizierung (z.B. klimafreundliches Bioapfelmus) möglich. Aufbauend auf der CO2-Bilanzierung erstellt der Betrieb bei der CO2-Zertifizierung einen verbindlichen Emissionsreduktionsplan und erwirbt darüber hinaus CO2-Zertifikate ("Carbon Credits") von anerkannten Klimaschutzprojekten, die dem Gegenwert der bilanzierten CO2-Emissionen des Betriebs oder der Produktion entsprechen. Dadurch werden die Treibhausgase, die vom Unternehmen produziert werden, ausgeglichen. Bei jährlich stattfindenden Audits wird die Einhaltung des Reduktionsplans überprüft und die Glaubwürdigkeit eines Klimalabels "klimafreundlicher Betrieb" beziehungsweise "klimafreundliches Produkt" garantiert.

Es geht um Glaubwürdigkeit

Im Gegensatz zu den gesetzlich verankerten und im Detail geregelten EG-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau, besteht für die Zertifizierung von klimafreundlichen Produkten oder Unternehmen noch keine rechtsgültige Grundlage. Daher gibt es derzeit weder einen einheitlichen Standard, nach dem zertifiziert wird, noch ein einheitliches, rechtlich geschütztes Klimalabel. Zurzeit haben verschiedene Anbieter jeweils eigene Standards mit entsprechenden Klimalabels etabliert, die sich teilweise zumindest an den Aussagen der UN-Klimarahmenkonvention orientieren.

Beispielsweise das Zertifizierungsprogramm Stop Climate Change zeichnet sich durch klar definierte Standards aus, die im Internet veröffentlicht sind. Die Berechnungen zur Emissionsschuld und das Minderungskonzept, das von den Unternehmen selber erarbeitet wird, werden im Rahmen des Zertifizierungsprozesses geprüft und bestätigt. Die Zertifizierung wird durch unabhängige Zertifizierungsstellen vorgenommen und die CO2-Zertifikate werden treuhänderisch von der GLS Bank verwaltet.

Wichtig für die Glaubwürdigkeit einer Zertifizierung und letztendlich der Unternehmenskommunikation ist in jedem Fall die Überprüfung der Bilanzierung und Einhaltung des Emissionsreduktionsplans durch unabhängige Dritte. Einige (Bio-) Kontrollstellen bieten in diesem Bereich schon entsprechende Dienstleistungen an.

Letzte Aktualisierung: 22.11.2011

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