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Juli 2011: Was bedeutet eigentlich Ökoverarbeitung?

 
Bäckerin wiegt Teig
Ökoverarbeitung gibt es auf handwerklicher und industrieller Ebene.
Foto: T. Stephan

Die Erzeugung in der ökologischen Landwirtschaft ist durch gesetzliche und privatrechtliche Vorgaben detailliert geregelt. Wie sieht es jedoch mit der Ökoverarbeitung aus? Ist diese ebenso eindeutig definiert?

Die gesetzlichen Regelungen zur Verarbeitung ökologischer Erzeugnisse beschreiben genau, welche Stoffe als Zutaten, Zusatz- und Hilfsstoffe bei der Herstellung eines Erzeugnisses eingesetzt werden dürfen. Vorgaben an die Verarbeitungsqualität gibt es hingegen wenige. So sind nur die Behandlung mit ionisierenden Strahlen und die Gentechnik explizit ausgeschlossen.

Privatrechtliche Verbände gehen hier weiter und untersagen zum Beispiel die Ultrahocherhitzung und die Homogenisierung bei Milch sowie das Schwarzräuchern bei Fleischerzeugnissen. Sie verbieten somit Technologien, die eine starke Beeinträchtigung der ursprünglichen Rohstoffqualität hervorrufen oder die die Bildung gesundheitsschädlicher Stoffe fördern.

Vielen ökologischen Herstellern liegt jedoch die schonende Verarbeitung der Rohstoffe am Herzen. Dabei wird Wert darauf gelegt, die im Produkt enthaltenen Inhaltsstoffe weitgehend zu erhalten. Die Unternehmen der ökologischen Lebensmittelverarbeitung haben dabei produkt- und prozessspezifisch über viele Jahre Erkenntnisse gewinnen und Verfahren entwickeln können, die auf die Bedingungen in der ökologischen Verarbeitung optimal abgestimmt sind.

Viele Ökoverarbeiter setzen ihre Ziele jedoch noch höher und sehen die Produktqualität neben den ökologischen Grundwerten als Teile eines nachhaltigen Wirtschaftens. Eine Optimierung der Prozessqualität im gesamten Gebiet der Nachhaltigkeit bedeutet somit beispielsweise auch das Arbeiten mit Umweltmanagementsystemen, die Berücksichtigung sozialer Standards und einen hohen Standard an Transparenz.

Ein wichtiges Merkmal der ökologischen Herstellung ist die Zertifizierungspflicht aller Tätigkeiten vom landwirtschaftlichen Erzeuger bis hin zur Vermarktung an den Endverbraucher. Dies schließt somit auch die verarbeitenden Unternehmen ein.

Ein internationales Team von Wissenschaftlern des Forschungsinstituts für ökologischen Landbau (FiBL), des Forschungsrings für biologisch-dynamische Wirtschaftsweise e.V. und der Uni Kassel wird im Rahmen eines durch das Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft geförderten Forschungsprojektes den Wissensstand zur ökologischen Lebensmittelverarbeitung erheben, analysieren und beschreiben. Dabei wird nicht nur das Wissen zu technologischen Prozessen der Verarbeitung oder zur Produktqualität untersucht, sondern auch angrenzende Bereiche, wie die ökospezifische Lagerung, Sensorik oder Nachhaltigkeit. Für die Wissenschaftler besteht die Herausforderung unter anderem darin, eine sinnvolle Abgrenzung der Ökoverarbeitung vorzunehmen.

 

Mehr Informationen

Prinzipien der ökologischen Lebensmittelverarbeitung

Die biologische Landwirtschaft verfolgt den Grundsatz: Biologisch vom Feld bis auf den Tisch. Dabei hat sich über viele Jahre ein umfangreiches Theoriegebäude entwickelt.
Grundlagenwissen: Prinzipien der Ökoverarbeitung

Kontrolle

Die Kontrollpflicht ist eines von drei unbestrittenen Merkmalen der ökologischen Verarbeitung. Jeder Ökoverarbeiter muss sich einem Kontrollverfahren durch eine staatlich zugelassene Ökokontrollstelle unterstellen und wird im Rahmen dessen mindestens einmal jährlich kontrolliert.
Grundlagenwissen: Kontrolle

Geschichte der Öko-Lebensmittelverarbeitung

Der ökologische Landbau und die Ökoverarbeitung entwickelten sich aus der Lebensreformbewegung, einer Gruppe von Menschen, die sich gegen die Urbanisierung und Industrialisierung in der "modernen Welt" wendete und deren Ziel die Rückkehr zu einer naturgemäßen Lebensweise war: Man wollte in der ländlichen Natur siedeln und sich dort eine gärtnerische Existenz aufbauen.
Geschichte der Öko-Lebensmittelverarbeitung

Süßungsmittel

In der ökologischen Lebensmittelverarbeitung wird eine Vielzahl unterschiedlicher Mittel zur Süßung eingesetzt. Im Zusammenhang mit der Vollwerternährung und um eine starke Verarbeitung der Zutaten zu vermeiden, werden für die Herstellung von Bioprodukten auch Erzeugnisse interessant, die sonst nur wenig Verwendung in der professionellen Lebensmittelverarbeitung haben, zum Beispiel Fruchtdicksäfte.
Zutaten und Zusatzstoffe: Süßungsmittel

Qualität von Ökolebensmitteln

Die häufig sehr kontrovers geführte Diskussion um die besondere Qualität von Biolebensmitteln gibt Impulse, sich mit der Qualität von Lebensmitteln allgemein auseinanderzusetzen.
Qualität von Ökolebensmitteln

Letzte Aktualisierung: 08.07.2011

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