Bioprodukte besser vermarkten

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Bioprodukte sind Premiumprodukte, die sich in Qualität und Preis von konventionellen Produkten meist unterscheiden. Die Ursachen für die Mehrkosten von Bioprodukten sowie deren Marktstruktur wurden in einer Studie am Beispiel Biomilch untersucht und Handlungsempfehlungen zur Reduzierung der Mehrkosten gegeben.
Der Verbraucherpreis für Biomilch liegt deutlich über dem für konventionelle Milch. Dies ist ein Grund für die verhaltene Zunahme des Absatzes von Biomilch. Da in Meinungsumfragen festgestellt wird, dass Verbraucher eine hohe Akzeptanz für ökologische Lebensmittel haben, übersteigt der Endverbraucherpreis offenbar die Zahlungsbereitschaft der Konsumenten. Daher ist das Ziel der Studie, Kostensenkungspotentiale innerhalb der Wertschöpfungskette von Biomilch aufzuzeigen. Hierzu wurde untersucht, in welchen Bereichen der Biomilch-Wertschöpfungskette höhere Kosten im Vergleich zu konventionellen Produkten entstehen.
Ursachen der Mehrkosten

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Prinzipiell entstehen im Gegensatz zur Biomilcherzeugung bei der Verarbeitung und Vermarktung von Biomilch nur wenige Kosten, die direkt auf die ökologische Produktionsweise zurückzuführen sind. Hierzu zählen die höheren Qualtitätssicherungs- und Qualitätskontrollkosten von rund zwei bis drei Cent pro Kilogramm Endprodukt und die höheren Kosten für ökologische Zusatz- und Hilfsstoffe von rund sieben bis acht Cent pro Kilogramm verarbeitetes Endprodukt, wie zum Beispiel Käse und Joghurt. Ansonsten entstehen Mehrkosten in der Verarbeitung und Vermarktung hauptsächlich durch eine geringe Kapazitätsauslastung und eine geringe Bio-Verwertungsquote, zum Beispiel die Abgabe von Biomolke als konventionelle Molke.
Hinzu kommen höhere Rohstoff- und Erfassungskosten. Der Rohmilchpreis für Biomilch lag im Jahr 2002 im Mittel 4,6 Cent pro Kilogramm Biomilch über dem für konventionelle Milch. Da die Biobetriebe meist räumlich weiter voneinander entfernt sind und kleinere Milchmengen pro Betrieb anfallen, ergeben sich für die Molkereien weitere Fahrwege und damit pro Liter Milch zwischen 0,5 und 2,5 Cent höhere Erfassungskosten als bei konventioneller Milch. Zusätzlich anzurechnen sind die Mitgliedsbeiträge bei Anbauverbänden mit etwa einem Cent pro Kilogramm Milch.
Die Molkereigröße ist entscheidend
Bio-Produkte, die sich im Herstellungsprozess nicht von konventionellen Produkten unterscheiden wie Butter oder Milch, können zur Kostensenkung in größeren Molkereien produziert werden. Damit können Skaleneffekte genutzt werden. Produkte, die mit besonderen Herstellungsverfahren oder Rezepturen hergestellt werden, wie zum Beispiel spezielle Käsesorten, werden bei kleineren Verarbeitungsmengen zumeist vorteilhaft in kleineren Molkereien produziert. Denn für Produkte, die sich deutlich vom Standardangebot unterscheiden, sind Verbraucher auch im konventionellen Bereich bereit, einen höheren Preis zu zahlen.
Übertragung auf andere Produktgruppen
Die für Bio-Milch ermittelten Daten können auf Bio-Fleisch und Bio-Backwaren übertragen werden. Für die Herstellung von Bio-Fleisch und Bio-Backwaren sind ebenfalls die technisch bedingten zusätzlichen Kosten gering. Vielmehr sind die Mehrkosten in diesen Bereichen, wie auch im Milchbereich, primär auf die Größe der Chargen zurückzuführen.
Die Studie "Verbesserung der Vermarktungsmöglichkeiten ökologischer Produkte entlang der Wertschöpfungskette - Handlungsempfehlungen auf Basis eines Vergleichs der Kosten der Verarbeitung und Vermarktung konventionell und ökologisch erzeugter Milch und Molkereiprodukte" wurde unter der Leitung von Dr. Holger D. Thiele am Institut für Ökonomie der Ernährungswirtschaft der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel (jetzt Bundesforschungsinstitut für Landwirtschaft und Ernährung) im Rahmen des Bundesprogramm Ökologischer Landbau durchgeführt.
Die Studie ist abrufbar unter
http://orgprints.org/3769/
Letzte Aktualisierung: 22.11.2011
