Clean Labeling

- Die Substitution von Zusatzstoffen mit anderen Zutaten technologischer Wirkung ist ein neuer Trend.
Bild: D.Menzler
Die Produktion von natürlichen Lebensmitteln ist eines der wichtigsten Ziele der ökologischen Lebensmittelwirtschaft. Dieses verfolgen auch immer mehr Hersteller konventioneller Produkte. Die Auswahl von Rohstoffen und Zutaten wird somit zum Marketinginstrument. Gezielt werden Rohstoffe gesucht, die der Verbrauchererwartung zur "Natürlichkeit" entsprechen und nicht als Zusatzstoffe gekennzeichnet werden müssen.
Der Begriff "natürlich" ist im Gegensatz zu den Begriffen "ökologisch" und "biologisch" nur begrenzt in der Lebensmittelgesetzgebung reglementiert. Nur Aromen werden in natürliche, naturidentische oder künstliche Aromastoffe unterteilt.
Verbrauchererwartung
Im Auftrag der Mühlengruppe Kampffmeyer hat das Marktforschungsunternehmen GfK eine repräsentative Verbraucherbefragung durchgeführt, um zu ermitteln, welche Herstellungs- und Konservierungsverfahren sowie Bindemittel von Endverbrauchern als natürlich angesehen werden.
Vertraute Verfahren wirken natürlicher
Bei den Verfahren werden alle dem Verbraucher vertrauten Verfahren, wie Backen, Kochen, Mahlen, Kühlen und Trocknen, als natürlich angesehen. Als nicht natürliche Herstellungs- und Konservierungsverfahren hingegen werden die Oxidation, Zugaben von Enzymen oder Konservierungsstoffen und die Bestrahlung mit ionisierenden Strahlen angesehen.
Zustimmung in Prozent der Befragten | Top-Box 1-2* | Low-Box 4-5* |
|---|---|---|
Backen | 88,8 |
|
Kochen | 88,8 | 0,9 |
Mahlen | 87,9 | 1,6 |
Kühlen | 86,2 | 1,2 |
Trocknen | 84,0 | 1,8 |
Tieffrieren | 73,7 | 2,4 |
Zugabe von Enzymen | 16,5 | 8,0 |
Zugabe von Konservierungsstoffen | 3,3 | 79,8 |
Zugabe von Oxidationmitteln | 2,0 | 81,3 |
Bestrahlung | 2,0 | 85,0 |
*sehr natürlich=1, natürlich=2, weder noch=3, unnatürlich=4, sehr unnatürlich=5 | ||
Was der Verbraucher nicht kennt, muss unnatürlich sein
Der Eindruck, dass Verbraucherinnen und Verbraucher ihnen vertraute Verfahren und Zutaten als natürlich bevorzugen, zeigte sich auch bei der Frage, welche Bindemittel von Verbrauchern als natürlich empfunden werden. Hierbei schnitten Mehle aus Weizen und Reis deutlich besser ab als Gelatine und Proteine. Guarkernmehl, Agar-Agar und Carrageen, natürliche Produkte mit einer geringen technologischen Tiefe, finden weniger Zustimmung beim Endverbraucher. Ihm sind diese Produkte weniger vertraut, somit kann er deren Natürlichkeit nur schwer einschätzen.
Zustimmung in Prozent der Befragten | Top-Box 1-2* | Low-Box 4-5* |
|---|---|---|
*sehr natürlich=1, natürlich=2, weder noch=3, unnatürlich=4, sehr unnatürlich=5 | ||
Weizenmehl | 90,2 | 1,4 |
Reismehl | 86,0 | 2,2 |
Gelatine | 56,3 | 14,7 |
Proteine | 54,0 | 27,3 |
Johannisbrotkernmehl E 410 | 44,1 | 40,8 |
Guarkernmehl E 412 | 20,8 | 49,3 |
Agar-Agar E 406 | 17,3 | 69,8 |
Carrageen E 407 | 1,2 | 79,9 |
Chemisch modifizierte Stärke | 1,9 | 79,9 |
Cupboard cooking
Für die Produktentwicklung in der Lebensmittelwirtschaft haben diese Erkenntnisse die Konsequenz, dass für die Produktion Verfahren und Techniken Anwendung finden, die auch dem Endverbraucher in seiner eigenen Küche zu Verfügung stehen. Im Englischen wird dies als Cupboard cooking (zu Deutsch: Küchenschrank-Kochen) bezeichnet.
Clean Labeling
Die Verbauchererwartung an die Begrifflichkeit "natürlich" muss beim einfachen Clean Labeling, also dem Verzicht auf Zusatzstoffe und deren eventueller Substitution durch andere Zutaten mit technologischer Wirkung, nicht berücksichtigt werden. Insbesondere aber bei Produkten, bei denen ihre natürliche Herkunft herausgehoben werden soll, können die Erkenntnisse aus dieser Umfrage zum Erfolg des Produktes beitragen.
Letzte Aktualisierung: 25.06.2010
