Institution und Institutionenökonomie - der Begriff in der ökonomischen Sichtweise
Die Neue Institutionenökonomie befasst sich mit der Frage, in welchen institutionellen Rahmen wirtschaftliches Handeln eingebettet ist. Dazu gehört die Grundfrage, warum nicht alle Wirtschaftsakteure als Einpersonen-Unternehmen selbständig sind. Letztlich ist die Ursprungsfrage von Coase in den 30er Jahren: "Warum gibt es aus ökonomischer Sicht Unternehmen, Staaten, Gesetze etc.?". Der "Papst" der neuen Institutionenökonomie ist heutzutage Williamson.
Die Kosten für die Aufrechterhaltung der Institutionen, die das Funktionieren des Marktmechanismus überhaupt erst ermöglichen, werden von manchen Autoren auf bis zu 50 Prozent des BSP geschätzt. Transaktionskosten: "the costs of running the economic system" (Williamson 1996, S.379).
Definitionen Institution
In mikroökonomischer Sicht werden Institutionen als Verträge zwischen Individuen interpretiert." (Williamson, 1990). "Unternehmen, Haushalte, der Staat und seine Gliederungen, Gesetze, Rechte, Verträge und Gerichte sind Institutionen, aber auch Gütesiegel, Zulassungsregeln, Handelsbräuche, Geschäftsbeziehungen, bekannte Firmennamen und Markenartikel." (Kaas 1995, S.2,3)
WILLIAMSON (1996, S.4,5) unterscheidet Institutionen,
- die die Institutionelle Umwelt definieren wie Gesetze oder property rights und
- den "mechanisms of governance", also den unternehmerischen Organisationsformen, die bei ihm im Vordergrund stehen und die institutionelle Umwelt als Datum hinnehmen.
"Eine Institution [...] ist ein auf ein bestimmtes Zielbündel abgestelltes System von Normen einschließlich deren Garantieinstrumente, mit dem Zweck, das individuelle Verhalten in eine bestimmte Richtung zu steuern. Institutionen strukturieren unser tägliches Leben und verringern auf diese Weise dessen Unsicherheiten." (Richter 1994, S.2).
Transaktionskosten werden nach ARROW als die Betriebskosten des Wirtschaftssystems angesehen (in Williamson 1990, S.21). Sie treten aber auch innerbetrieblich als Koordinationskosten auf. Transaktionskosten sind zum großen Teil keine pagatorischen Kosten, sondern "cost of disadvantage", also Opportunitätskosten (Kaas, Fischer 1993) (siehe Kap. 2.1.1, S.15).
Unter Transaktionskosten werden alle Kosten gefasst,
(1) die mit der Etablierung, Änderung und Nutzung von Institutionen oder Organisationen verbunden sind (Furubotn und Richter, 1991, S.8). Als Transaktionskosten gelten die Kosten für die Anbahnung, Vereinbarung, Kontrolle, Durchsetzung und Anpassung von vertraglichen Beziehungen.
(2) Transaktionskosten sind außerdem Kosten durch unvorhergesehene Störungen und Fehlanpassung (maladaption), die ex post Vertrag entstehen.
Transaktionskosten in WILLIAMSONS Worten:
"The ex ante cost of drafting, negotiating and safeguarding an agreement and more especially, the costs of maladaption and adjustment that arise when contract execution is misaligned as a result of gaps, errors, omissions, and unanticipated disturbances; the costs of running the economic system." (Williamson 1996, S.379)
- Coase, R. H. (1990): The firm, the market and the law. Chicago
- Kaas, K. P. (Hg.) (1995): Kontrakte, Geschäftsbeziehungen, Netzwerke - Marketing und Neue Institutionenökonomik. In: Zfbf: Sonderheft 35, Düsseldorf; Frankfurt (Main)
- Kalfass, H. (1993): Kostenvorteile durch vertikale Integration im Agrarsektor?. Agrarwirtschaft 42, Heft 6, S.228-237, 1993
- Richter, R. (1994): Institutionen ökonomisch analysiert.
- Richter, R.; Bindseil, U. (1995): Neue Institutionenökonomik. Wirtschaftswissenschaftliches Studium, Heft 3, 1995, S.132-170
- Williamson, O. E. (1990): Die ökonomischen Institutionen des Kapitalismus: Unternehmen, Märkte, Kooperationen. Tübingen 1990
- Williamson, O. E. (1996): The Mechanisms of Governance. New York, Oxford
Letzte Aktualisierung: 18.08.2011
