Kann Bio- von konventionell erzeugter Milch unterschieden werden?

- Mit geeigneten Testverfahren kann Bio- und konventionelle Milch unterschieden werden.
Foto: T. Stephan
Die Möglichkeit, Biomilch von konventionell erzeugter Milch zu unterscheiden, stößt bei den Marktteilnehmern auf ein zunehmendes Interesse. Der Abverkauf von Biomilch hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Dies hat bereits teilweise zu Lieferengpässen geführt. Um der Gefahr einer betrügerischen lukrativen Falschdeklaration zu begegnen, ist ein Verfahren zur Unterscheidung ökologisch von konventionell erzeugter Milch von besonderer Bedeutung für den Verbraucherschutz.
Mit dem Ziel die Möglichkeiten zur Unterscheidung ökologisch und konventioneller Milch zu erproben, hat das Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel eine Studie durchgeführt. Dabei wurden instrumentelle Verfahren wie die Analyse von Fettsäuren oder stabilen Isotopen eingesetzt.
Vorüberlegungen
Die Zusammensetzung der Milch wird wesentlich von der Fütterung der Kühe bestimmt. Es muss untersucht werden, ob die unterschiedliche Haltung insgesamt zu nachweisbaren Unterschieden führt und es muss dabei die jahreszeitliche Variation der Futterzusammensetzung in beiden Haltungsformen berücksichtigt werden. Sollte sich der Schwankungsbereich dieser einzelnen Parameter in Bio-Milch nicht mit dem in konventioneller Milch überlappen, könnte das die Basis eines Nachweisverfahrens für Bio-Milch sein.
Ergebnisse
Die Untersuchungen wurden mit pasteurisierten Vollmilchproben aus dem Handel und von Erzeugern aus der Region Kiel durchgeführt, wobei die konventionelle und ökologische Erzeugung der Milch gleichmäßig berücksichtigt wurde. Biomilch zeigte durchgehend höhere alpha-Linolensäuregehalte, da in der ökologischen Produktion ganzjährig ein höherer Anteil an Weidefutter bzw. Gras verfüttert wird. Im Gegensatz dazu spiegelte sich die eher maissilagelastige Fütterung in der konventionellen Produktion im ganzjährig höheren Gehalt an schwerem Kohlenstoff wider.
Dies lässt den Schluss zu, dass der alpha-Linolensäuregehalt und das Verhältnis stabiler Kohlenstoff-Isotope zwei potentiell geeignete Parameter zum Nachweis von Biomilch darstellen. Allerdings muss deren Eignung für die Lebensmittelüberwachung anhand einer größeren und repräsentativen Zahl von Proben deutschlandweit überprüft werden. Zu berücksichtigen ist des Weiteren, dass die Kohlenstoff-Isotopen-Methode nur auf konventionelle Betriebe mit Maisfütterung anwendbar ist. Durch zusätzliche Berücksichtigung des Produktionsdatums oder weiterer Parameter könnte die Erkennung von Biomilch verfeinert werden.
Quelle: Joachim Molkentin, Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel, Institut für Chemie und Technologie der Milch, Kiel (jetzt: Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, Institut für Sicherheit und Qualität bei Milch und Fisch)
Letzte Aktualisierung: 22.11.2011
