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Auf einen Blick

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Betriebsführung bei Wino Ökolandbau

Zwecks Pflanzenschutz: Verwirrung stiften im Weinberg

Betriebsleiter Winkler erläutert die Spatenprobe
(c) Koordinationsstelle Demonstrationsbetriebe
 

Der Hof ist fast verwaist, als der Reisebus aus Mosbach vorfährt. Die Mitarbeiter sind bei der Rotweinlese am Heuchelberg. Denn trotz des idealen Herbstwetters ist es höchste Zeit, die Trauben zu ernten: Wegen des vielen Regens in den vergangenen Wochen drohen sie zu verderben. Dennoch haben sich die Betriebsleiter Gabriele und Jürgen Winkler die Zeit genommen, ihren Besuchern von der Volkshochschule Mosbach bei einer Führung durch den Betrieb einen Einblick in die Arbeit von ökologisch wirtschaftenden Obst- und Weinbauern zu geben. Das großzügige Winklersche Anwesen liegt inmitten von Obstanlagen und der Blick kann über den Heuchelberg mit seinen Weinreben schweifen. Brackenheim, betont Jürgen Winkler bei der Begrüßung seiner Gäste, sei die größte Weinbaugemeinde Württembergs und sogar die größte Rotweingemeinde Deutschlands. Die Besucher interessiert vor allem eine Besonderheit an Winklers Betrieb: Wino Ökolandbau vermarktet seine Erzeugnisse direkt – jedoch ohne einen Hofladen zu betreiben. Wie funktioniert das?

Die Antwort liegt in der Kiste

Äpfel in Kisten
(c) Koordinationsstelle Demonstrationsbetriebe

Die Winklers bieten ihre Produkte im Abonnement an. Das Frische-Abo von Wino Ökolandbau bietet abwechslungsreiche Möglichkeiten, biologische Produkte wöchentlich oder alle 14 Tage bequem an die Haustür geliefert zu bekommen. In der Abo-Kiste finden sich neben dem selbst angebauten Tafelobst vor allem Gemüse, Wein und Saft. Auch Brot, Käse, Eier und fair gehandelte Bananen ergänzen das Angebot. Die Winklers geben die genaue Herkunft der Produkte stets an und liefern immer Rezeptvorschläge mit. Die Kunden können wählen zwischen der wöchentlich neu zusammengestellten Überraschungskiste, der heimischen Kiste oder einer ganz individuell zusammengestellten Box – für Familien mit kleinen Kindern oder Berufstätige mit wenig Zeit eine ideale Form des Einkaufs. Im Winter, berichten die beiden Betriebsleiter, haben sie übrigens mehr Kunden: Menschen, die im Sommer ihr Gemüse aus dem eigenen Garten nehmen, wollen auch im Winter die gewohnte Qualität nicht missen.

Winklers werden unterstützt von moderner Technik, die die Betriebsleiterin bei der Hofführung demonstriert, indem sie eine Gemüsekiste im Wert von 20 Euro einwiegt. Die einzelne Bestellung sowie Preis und Gewicht werden beim Packen der Kiste am Computer angezeigt. Individuelle Wünsche können dabei von der Software berücksichtigt werden: Diese Woche keine Äpfel, dafür weiße Trauben? Jedes Mal mindestens ein Kilo Äpfel? Alles kein Problem. Die Angebotsliste ändert sich jede Woche und steht im Internet zur Verfügung, Bestellungen nimmt Wino Ökolandbau per Telefon, Fax oder Internet entgegen. Elf Touren werden zurzeit gefahren, erzählt Gabriele Winkler, und dabei werden jeweils 70 bis 80 Kunden im Umkreis von etwa 40 Kilometern bedient.

Autark seit acht Jahren

Blick auf das Wohnhaus der Winklers
(c) Koordinationsstelle Demonstrationsbetriebe

1993 hat Jürgen Winkler, Winzer und Agraringenieur, mit seiner Frau den elterlichen Weinbaubetrieb übernommen. Aus Verantwortung für die Schöpfung heraus war es für die beiden selbstverständlich, biologisch zu wirtschaften. Neben dem Weinbau hat Jürgen Winkler als zweites Standbein für den Betrieb den Obstbau entdeckt. 1998 war der Betrieb so gewachsen, dass die Winklers mit ihren beiden Kindern an die heutige Hofstätte aussiedeln mussten. Damit war jedoch auch genug Platz vorhanden, mehrere Kühlhäuser zu bauen und so optimale Möglichkeiten für Aufbereitung, Lagerung und Verpackung der Früchte zu schaffen. Außerdem konnten die Winklers die Idee umsetzen, den Hof weitgehend autark zu betreiben: Eine Pflanzenkläranlage, gespeist mit Regen- oder Brunnenwasser, sorgt seither für sehr gute Wasserqualität. Und eine Photovoltaikanlage liefert so viel Energie, dass Strom auch noch ins öffentliche Netz eingespeist werden kann.

Pflanzenschutz durch Blütenvielfalt

Mini-Kiwi wird von Hand gepflückt
(c) Koordinationsstelle Demonstrationsbetriebe

Bei der Führung durch die Obstanlagen und den Weinberg beschäftigt die Besucher aus Mosbach vor allem die Frage, wie gedüngt wird in einem Betrieb ohne Tierhaltung - und wie ein Bio-Bauer Pflanzenschutz betreibt, obwohl er keine Pestizide benutzen darf. Bevor er antwortet, greift Jürgen Winkler zum Spaten, hebt ein Stück Erde aus und sagt dann: „Die Tierhaltung auf unserem Betrieb sind die Bodenlebewesen.“ Dem Aufbau der Bodenfruchtbarkeit müsse in einer Dauerkultur besondere Beachtung geschenkt werden. Wegen der fehlenden Fruchtfolge begrünt Winkler seinen Weinberg mit einem hohen Anteil an Leguminosen – Pflanzen, die den Luftstickstoff in den Boden bringen und ihn so fruchtbarer machen.

Und die in der biologischen Landwirtschaft fehlenden Pestizide zur Schädlingsbekämpfung versuchen die Winklers durch die gezielte Förderung von Nützlingen auszugleichen: Ein reichhaltiges Blütenangebot in der Begrünung fördert die Insektenvielfalt. Hecken, die zwischen den Baumreihen angelegt wurden, bieten Unterschlupf für verschiedene Tiere, darunter auch Singvögel, die neben den Beeren auch Würmer und Schadinsekten in ihren Speiseplan aufnehmen. Läusekolonien werden im Frühjahr in Handarbeit abgesammelt und gegen verschiedene Arten von Wicklern - Schmetterlingsraupen, die an den Weinreben erhebliche Schäden anrichten können - hat Winkler ein pfiffiges Mittel gefunden: Er verwirrt sie. Sexuallockstoffe werden so platziert, dass sich Weibchen und Männchen nicht mehr finden und keine Begattung stattfinden kann. Außerdem treiben Winklers den Anbau pilzresistenter Weinsorten voran, denn damit können sie langfristig die Maßnahmen zum Pflanzenschutz reduzieren.

Apfelverkostung und Weinprobe im Freien
(c) Koordinationsstelle Demonstrationsbetriebe

Nach so viel Information hat sich die Besuchergruppe ein bisschen Genuss verdient. Fast jedenfalls: Ernten müssen die Mosbacher die exotischen Mini-Kiwis, eine Spezialität Winklers, erst noch selbst. Die Apfelverkostung und die anschließende Weinprobe mit den lokalen Sorten Regent, Lemberger, Spätburgunder-Rosé, Samtrot und Riesling ist jedoch ganz entspannend – für alle.

 

Veröffentlicht: 2006, Kontaktdaten aktualisiert

weitere Informationen, Kontaktdaten und Faltblatt

siehe Betriebsporträt

Letzte Aktualisierung: 13.03.2009

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