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Bio-Eis aus Bremen - Selbst gemacht und selbst vermarktet
Das Blockland zwischen Wümme und Weser ist Bremens größter und zugleich kleinster Stadtteil: Es ist 3.000 ha groß und von den Einwohnerzahlen her ein Dorf. Das Blockland verfügt über ungefähr 400 Einwohner und knapp 40 landwirtschaftliche Betriebe. Die Besiedlung des Blocklandes erfolgte vor 900 Jahren. Die Deichwarft, auf der die Kaemenas leben, besteht nachweislich seit 700 Jahren.
Die jahrhundertelange bäuerliche Tradition ist der Familie wichtig. Das Betriebsleiterehepaar Heike und Bernhard Kaemena betont: "Wir sehen die Tradition als einen Wert an, der uns die Sicherheit für einen verträglichen Wandel gibt." Ein Drittel der Landwirte gab in den letzten dreißig Jahren allerdings in dieser Region auf.
Sinnvolle Betriebsentwicklung
2003 wurde Bernhard und Heike Kaemena klar, dass Sohn Harje in den Betrieb einsteigen würde. Der Betrieb sollte also auch einer dritten Generation das Einkommen sichern; Veränderungen waren daher notwendig. Die Kaemenas entschieden sich für den Ökolandbau und mehrere Standbeine im touristischen Bereich, was aufgrund der individuellen betrieblichen Entwicklungsmöglichkeiten naheliegend war. Noch im selben Jahr stellten sie um und wirtschaften seitdem nach den Richtlinien des Ökoanbauverbands Bioland.
Gleichzeitig wurde ein Hof-Eiscafe eröffnet. Denn das Blockland ist ein bevorzugtes Naherholungsgebiet der Bremer Bürger. Viele kommen inzwischen ganz gezielt dorthin, um den Hof zu besuchen. Aber man fährt nicht einfach mit dem Auto auf den Parkplatz und steigt aus. Das Gebiet ist Teil einer genehmigungspflichtigen Autozone, hier dürfen also kaum Autos fahren.
Stattdessen sind zahlreiche Radfahrer, Spaziergänger und Wandergruppen auf der Deichstraße unterwegs. Alle sind sie hier, um die wunderschöne Natur zu genießen - auf der einen Seite die Wümme, die sich je nach Gezeitenstand mehr oder weniger zeigt und auf der anderen Seite die flachen Wiesen mit der am Horizont sich abzeichnenden Hansestadt Bremen.
Eben noch in Eile, kommen die Besucher auf dem Hof dann zur Ruhe. Sie sitzen im gemütlich eingerichteten Cafe und genießen die Bio-Eiscreme vom Bauernhof. Sohn Harje sagte: "Wir wollten einen Wohlfühlort für unsere Gäste gestalten." Das ist der Familie Kaemena gelungen.
Hier schmeckt das Eis wieder wie früher
Mehr als ein Dutzend Sorten selbst hergestelltes Biospeiseeis werden im Café serviert. Harje Kaemena hat Landwirtschaft studiert; seine Hauptarbeit in den Sommermonaten ist die Herstellung von Speiseeis. An sonnigen Tagen muss mit einigen hundert Gästen gerechnet werden. Ganz offensichtlich sind sie begeistert von dem frischen Bio-Eis aus natürlichen Zutaten. Eine Kundin schwärmte: "Es schmeckt so wie früher - frisch, selbstgemacht und cremig nach Sahne." Inzwischen ist das Eis auch direkt in Bremen erhältlich.
Die Besucher erleben, wie die Kühe gemolken werden und dann die Milch 20 Meter weiter in die Eismaschine wandert. Frischer geht es nicht. Die Biofrüchte für diverse Eissorten wie Holunder stammen aus der Region, mit Buttermilch-Rum, Mohn und Sesam-Quark wird auch Exotisches angeboten. Auch die Bindemittel müssen aus ökologischem Anbau stammen; hier werden Guarkern- oder Johannisbrotkernmehl eingesetzt.
Bernhard Kaemena versorgt die 60 Milchkühe, die auf den flachen Wümme-Weiden vor sich hin grasen. Nur ein kleiner Teil der Biomilch wird direkt auf dem Hof zu Speiseeis verarbeitet und im hofeigenen Café angeboten. Die verbleibende Menge wird von der nahe gelegenen Bio-Hofmolkerei Dehlwes abgeholt.
Ferienwohnungen im Kälberstall
Die Ferienwohnungen sind Heike Kaemenas Reich. Neben der Milchwirtschaft und dem Hof-Cafe sind sie das dritte betriebliche Standbein. Sie tragen so wohlklingende Namen wie "Sonnenaufgang", "Mittendrin" oder "Aussicht" und befinden sich in der reetgedeckten Ankerbalkenscheune. In den beiden neuen Wohnungen "Ohrt" und "Dackholt" wuchsen bis vor einigen Jahren noch Kälber auf.
Neben ihren vielfältigen Aktivitäten bieten die Kaemenas ihren Gästen noch ein besonderes Schmankerl: In der Hofgalerie stellen Künstler Gemälde und Skulpturen aus. Dabei kommt es nicht auf das Thema an - es muss der Familie selbst gefallen. "Denn nur dann können wir auch unsere Besucher begeistern", meinen die Familienmitglieder. Daher richten sie den Künstlern auch gerne ein Atelier zum Vorführen ein oder organisieren Konzerte und Lesungen.
Bäuerliche Tradition und ein buntes Treiben auf dem Hof mit Gästen und Künstlern schließen sich für die Kaemenas nicht aus. Sie vollbringen den Spagat zwischen alten Werten und modernen Anforderungen und schaffen es, ihr Erbe in der heutigen Zeit zu bewahren. Seit 2009 gehört der Hof zum Netzwerk der Demonstrationsbetriebe des Bundesprogramms Ökologischer Landbau.
Autoren: Andrea Kagerbauer und Alois Sporer
Kontakt
Bernhard Kaemena
Niederblockland 6
28357 Bremen Tel.: (04 21) 27 33 68, Fax: (04 21) 27 59 32
E-Mail: info@kaemena-blockland.de
Internet:
www.kaemena-blockland.de
Letzte Aktualisierung: 24.07.2009






