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Auf einen Blick

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Bio-Glühwei(h)n-Nacht 2006 auf dem Brühler Hof

Weinprobe und Wingertsknorzen-Feuer

Es ist früh dunkel geworden im rheinhessischen Volxheim an diesem Samstag vor dem zweiten Advent. Kalt ist es. Im Hof des Weinguts Brühler Hof stört das an diesem Abend allerdings niemanden. Ganz im Gegenteil: Es trägt zur guten Stimmung bei. Immerhin schmeckt Glühwein am besten bei frostigen Umgebungstemperaturen.

Junges Pärchen mit Glühweinbecher
© Koordinationsstelle Demonstrationsbetriebe
 

Etwa 50 Menschen haben sich um den sechseckigen Getränkestand im Hof geschart, schlürfen Glühwein und heißen Fruchtpunsch, nippen an ihren Weingläsern, knabbern Bio-Gebäck, schwatzen und lachen. Der Hof ist geschmückt mit einem Weihnachtsbaum, der bis an den ersten Stock des Bauernhauses reicht. Brennende Fackeln werfen warmes Licht in den Durchgang zum hölzernen Eingangstor und neben dem Getränkestand blubbert über einem Gasbrenner feuriges Chili con Carne in einer überdimensionalen gusseisernen Pfanne.

Der Brühler Hof ist einer von über 160 Bio-Höfen in ganz Deutschland, die an diesem Wochenende zur Bio-Glühwei(h)n-Nacht einladen. Zum fünften Mal findet diese bundesweite Advents-Aktion auf den Höfen des Netzwerks Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau statt. Mehr als 20.000 Besucher erwarten die Bauern in ganz Deutschland.

Brennen lange: Wingertsknorzen

Besucher rund um den Weinverkaufsstand
© Koordinationsstelle Demonstrationsbetriebe

"Wir machen zum vierten Mal mit", sagt Margit Müller kurz und hechtet schon wieder in eine andere Ecke des Getränkestandes, um eine Flasche Weißwein zu holen. Sie betreibt das Weingut gemeinsam mit ihrem Ehemann Hans-Peter und heute abend hat sie alle Hände voll zu tun: Glühwein muss aus dem großen Kessel geschöpft, Punsch serviert und immer wieder müssen neue Flaschen entkorkt werden: Viele Gäste probieren sich von oben nach unten durch die ausliegende Weinkarte. Mit zwei Hilfskräften serviert Margit Müller die Spezialitäten des Hauses – fast schon im Akkord.

Zwei Besucherinnen lassen sich Wein, Glühwein und  Plätzchen schmecken
© Koordinationsstelle Demonstrationsbetriebe

Die Antwort auf die Frage nach dem Wingertsknorzen-Feuer, das unterhalb des Hofes vor sich hin prasselt, übernimmt denn auch anstelle der beschäftigten Betriebsleiterin die Nachbarin. Christa Lehr, obwohl selbst nicht Winzerin, hilft manches Mal aus auf dem Brühler Hof, und was Wingertsknorzen sind, kann sie entsprechend fachmännisch beantworten: Es handelt sich um die knorrigen Reste alter, aus dem Weinberg ausgegrabener Rebstöcke. Die brennen gut, gleichmäßig und lange. Für ein stimmungsvolles Feuer bei der Glühwei(h)n-Nacht sind sie also bestens geeignet - und im Sommer übrigens auch zum Grillen.

Hans-Peter Müller füllt Wein aus Edelstanktank in einen Krug
© Koordinationsstelle Demonstrationsbetriebe

Höhepunkt des Abends auf dem Brühler Hof ist aber die große Kellerführung: Der Hof leert sich merklich, als es die Besucher in großer Schar die Treppe hinunter zieht, weg von der weihnachtlich-heimeligen Beleuchtung im Hof und hinab in den hell erleuchteten Keller mit seinen blank geputzten Edelstahltanks. Die ungemütliche Umgebung wird aber mehr als wettgemacht – vor allem durch die Aussicht auf die Verkostung des frischen 2006er-Jahrganges. Damit ist Müller großzügig: Sieben verschiedene Weine bietet er zum Probieren an.

So kosten die Besucher unter anderem einen Silvaner, einen Rivaner, den Müller-Thurgau und einen Riesling. Als Kontrast zum roten Jungwein, den die Gäste auch goutieren dürfen, hält Müller dann noch für jeden einen guten Schluck des Roten aus dem Barrique-Fass bereit.

Schonend: die Trommelpresse

Weinprobe im Gewölbekeller
© Koordinationsstelle Demonstrationsbetriebe

Dazu gibt es viel Fachwissen. Müller erläutert den zwei Dutzend Menschen, die ihn erwartungsvoll anschauen, wie der kalte Frühling und der warme Herbst auf den Wein gewirkt haben: Mit hohen Oechsle-Werten ist dieser Jahrgang wieder etwas alkoholreicher. Er erklärt, warum er auch diesen Wein lieber als Qualitätswein verkauft und nicht, obwohl das möglich wäre, als Kabinett. Die Kunden erwarteten von ihm nämlich stets den gleichen Wein in derselben Qualität zu möglichst demselben Preis. Jetzt einen Kabinett anzubieten, könnte die Kunden deshalb verwirren. Und dass moderne Weinerzeugung eigentlich nichts mehr mit dem Bild von den stampfenden Füßen im Bottich gemein hat, erfahren die Gäste bei einem Blick auf die stählerne Trommelpresse, die Müller erst vor Kurzem angeschafft hat. In ihr werden die Trauben mittels eines riesigen Kunststoffschlauches ausgepresst, der mit Pressluft zusammengedrückt wird. Der Saft fließt über integrierte Saftkanäle ab. Ein schonendes und einfaches Verfahren, erklärt Müller. Und noch dazu eines, das dem Winzer alle verschiedenen Möglichkeiten der Weinbereitung offen halte.

Die Gäste sind beeindruckt. So intensiv haben sie sich sicherlich noch nie mit Wein aus ökologischer Erzeugung auseinander gesetzt. Der Glühwein, der über ihren Köpfen im Hof serviert wird, wird jetzt wohl noch einmal so gut schmecken.

Veröffentlicht: 2006, Kontaktdaten aktualisiert

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siehe Betriebsporträt

Letzte Aktualisierung: 13.03.2009

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