oekolandbau.de - Das Informationsportal



Biospargelanbau im Herzen Westfalens – der Biolandhof Schulze Wethmar

 
Erntefrischer Spargel in einer Kiste. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Erntefrischer Biobleichspargel

In diesen Wochen hat  in Deutschland das Spargelstechen begonnen.  Auf dem Biolandhof Schulze-Wethmar in Lünen-Wethmar im Kreis Unna dreht sich in den nächsten acht Wochen alles um den edlen Biospargel. Seit vielen hundert Jahren bewirtschaftet die Familie Schulze-Wethmar ihren mittlerweile denkmalgeschützten Hof. Der Spargelanbau begann dort in den sechziger Jahren und wurde Ende der achtziger Jahre auf den ökologischen Landbau nach Bioland-Richtlinien umgestellt.

Pioniere im Biospargelanbau

Erntereifer Spargel auf einem Feld. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Erntereifer Biogrünspargel, Hof am Deich, Demonstrationsbetrieb Ökologischer Landbau

Die Entscheidung für Bio war mit großen Risiken verbunden, gab es doch zu dieser Zeit weder Erfahrung mit großflächigem Spargelanbau nach Biorichtlinien, noch Vermarktungsstrukturen für ökologisch erzeugten Spargel. Vielmehr lautete die einhellige Meinung unter Spargelanbauern:  Biospargelanbau – das kann nicht klappen.

Familie Schulze-Wethmar wagte es doch und stellte schon bald fest: es geht und zwar sehr gut. Heute wird auf einer Fläche von 20 Hektar Biospargel angebaut.
Zur Ergänzung des verbreiteten Bleichspargels gibt es erste Schritte in Richtung Grünspargelanbau. Zudem wachsen Speisemöhren und Kartoffeln sowie rund 30 Gemüsearten für die Direktvermarktung ab Hof und am Marktstand.
Für die Mast der 20 Bullen werden auf den etwa 200 Hektar des Betriebes Weizen, Gerste, Ackerbohnen und Kleegras angebaut. Sie werden in einem Tiefstreustall mit Auslauf beherbergt und sorgen für den tierischen Wirtschaftsdünger.

Fingerspitzengefühl und viel Handarbeit

Erntereifer Spargel auf einem Feld. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Erntereifer Biobleichspargel, Ökologisches Weingut Klaus Vorgrimmler, Demonstrationsbetrieb Ökologischer Landbau

Der Anbau von Biospargel erfordert viel Erfahrung, Spezialwissen und nicht zuletzt die richtigen natürlichen Voraussetzungen - humushaltige Sandböden ohne Staunässe. Es kommen die gleichen Sorten und bewährten kulturtechnischen Maßnahmen wie im konventionellen Spargelanbau zum Einsatz.

Im Frühjahr werden auf den Feldern Erddämme aufgehäuft, um den Lichteinfall zu vermindern. Jeder der Dämme wird mit einer speziellen Folie abgedeckt, die eine schwarze und eine weiße Seite hat. Die schwarze Folienseite erwärmt den Damm, die weiße schützt ihn vor Überhitzung. Je nach Temperatur und Sonnenscheinintensität wird die schwarze oder die weiße Seite nach oben gelegt. Die Folienabdeckung führt zur Ernteverfrühung und Qualitätsverbesserung. Außerdem hilft sie das Ergrünen der Spargelspitzen zu verhindern und unterdrückt das Beikräuterwachstum.

Mann kontrolliert Spargelfeld. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Der Anbau von Biospargel erfordert viel Erfahrung, Hof Schulze-Wethmar, Demonstrationsbetrieb Ökologischer Landbau

Zwischen den Dämmen bleibt der Boden unbedeckt. Hier wachsen Beikräuter, die im ökologischen Landbau nur zum Teil – durch Hacken und Grubbern – beseitigt werden, denn der Bewuchs hat auch einen positiven Effekt: er verhindert Erosion und Nährstoffauswaschung.

Ein wichtiger und schwieriger Aspekt im ökologischen Spargelanbau ist die ausreichende Stickstoffversorgung. Dafür erfolgt neben einer Stallmistgabe im Frühjahr nach der Ernte eine Gründüngung zur Bodenverbesserung.

Gegen tierische Schädlinge, wie das Gemeine Spargelhähnchen, und Krankheiten stehen vom Ökoverband Bioland zugelassen Produkte auf natürlicher Basis (Neem oder Pyrethroide) zur Verfügung. Kulturtechnische Maßnahmen, wie die Erweiterung des Reihenabstandes und eine regelmäßige Kontrolle der Bestände, stehen allerdings an erster Stelle.

Spargel – das edle Gemüse

Nahaufnahme eines Spargelwurzelstock. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Im Frühjahr treiben aus dem Wurzelstock die fingerdicken, fleischigen Sprossen

Der Spargel (lat. Asparagus officinalis) war früher eine rare Delikatesse und dem Adel vorbehalten. Heute zählt Spargel immer noch zu den teureren Gemüsesorten. Vermutlich kam die Pflanze aus dem Orient nach Europa. 1565 wurde sie erstmals auf deutschem Boden kultiviert. Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts dominierte grüner Spargel, erst später setzte sich der weiße Bleichspargel durch. Die Gemüsepflanze gehört zur Gattung der Liliengewächse. Der Wurzelstock ist ausdauernd, die Pflanze verzweigt bäumchenartig und wird bis zu einem Meter hoch.  Aus den grünlichen Blüten bilden sich im Spätsommer rote Beeren. Das Hauptinteresse gilt jedoch den fingerdicken, fleischigen Sprossen, die im Frühjahr aus dem Wurzelstock treiben. Spargelzeit ist bei uns von Ende April bis 24. Juni (Johanni). Im Wirtschaftsjahr 2009/2010 lag der Pro-Kopf-Verbrauch von Spargel in Deutschland bei 1,5 kg. Neben der deutschen Produktion ist importierter Spargel aus EU-Ländern (allen voran Griechenland, Spanien und die Niederlande) und Drittländern (davon 91 Prozent aus Peru) auf dem Markt.

Biospargel – taufrisch gestochen

Mann beim Spargel Stechen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Bei der Spargelernte ist der Biobetrieb bei der mühevollen und anspruchsvollen Handarbeit auf die Unterstützung zahlreicher Saisonarbeitskräfte angewiesen

Je früher Spargel geerntet wird und je weniger Licht er abbekommen hat, desto heller ist seine Farbe. Sobald die Oberfläche der Hügelbeete Risse zeigt und die Spitzen durch die Erde zu brechen beginnen, werden die ganzen Stängel mit einem Spezialmesser direkt über dem Wurzelstock abgeschnitten.

Bei dieser mühevollen und anspruchsvollen Handarbeit ist die Bauernfamilie auf die Unterstützung zahlreicher Saisonarbeitskräfte angewiesen, die jeden zweiten Tag und bei jedem Wetter durch alle Dämme gehen und die schnell nachwachsenden Triebe abstechen. Die frisch geernteten Spargelstangen werden rasch zum Hof transportiert, anschließend gewaschen und mit Hilfe einer Maschine in Handelsklassen sortiert. Bis zur Auslieferung oder zum Verkauf ab Hof wird der Spargel feucht und kühl gelagert.

Frischen Spargel erkennt man an dem fest geschlossenen Kopf, zudem quietschen die Spargelstangen beim Aneinander reiben und sind geruchsneutral. Braun angelaufene Stangen sind Zeichen einer zu langen und unsachgemäßen Lagerung.

Nach der Ernte

Mehrere Kisten mit Spargel. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die mühsame Handarbeit und vielen Vorarbeiten sind einer der Hauptgründe für die hohen Spargelpreise.

Nach dem letzten Spargelstechen wird die schwarz-weiße Folie von den Dämmen geräumt. Jetzt können die Spargelpflanzen frei in die Höhe wachsen, grün werden und Nährstoffe im Wurzelstock einlagern, um im nächsten Frühjahr wieder kräftig austreiben zu können. Etwa 10 bis 12 Jahre lang wird der Spargel in Wethmar auf ein und demselben Feld gestochen. Danach findet eine Anbaupause von mindestens 10 Jahren bis zur nächsten Spargelanpflanzung statt. Angepflanzt wird im Frühjahr. Mit 1,80 Meter Reihenabstand werden rund 15.000 Wurzelstöcke pro Hektar in 20 Zentimeter Tiefe in den Boden gesetzt. Im Pflanzjahr selbst kann noch keine Nutzung stattfinden, im zweiten Jahr nur 10 Tage lang. Erst ab dem dritten Jahr kann man in vollem Umfang anfangen zu ernten. Im vierten Jahr und dann mehr als 10 Jahre lang bringt die Fläche volle Ernte.

Hohe Qualität – stabile Vermarktung

Die Spargelkunden kommen nach Lünen-Wethmar, weil der Biospargel hervorragend schmeckt. Die mühsame Handarbeit und vielen Vorarbeiten sind einer der Hauptgründe für die hohen Spargelpreise.

Ein Schwerpunkt des Biolandhofes Schulze-Wethmar liegt auf der Direktvermarktung. Der großzügig gestaltete Hofladen in der alten Tenne des Biohofes bietet auf 200 Quadratmetern neben hofeigenen Produkten ein volles Naturkost-Sortiment. Die Café-Ecke des Hofladens lädt zum gemütlichen Verweilen ein. Als weitere Absatzwege bietet der Hof einen Lieferservice, ist auf mehreren Wochenmärkten der Region mit einem Marktstand vertreten und betreibt in der Spargelzeit zusätzlich Außenverkaufsstellen.

Spargel - Gesunder Genuss

  • enthält zahlreiche Mineralstoffe und Vitamine (Provitamin A, Vitamine der B-Gruppe, Vitamin C und E, Folsäure und Biotin)
  • viel Kalium – wirkt entwässernd und entsäuernd
  • verdauungsfördernde Ballaststoffe und das Spurenelement Zink
  • nur circa 13 Kilokalorien pro 100 Gramm
  • entschlackt und regt den Stoffwechsel an
  • bei Übergewicht, Verstopfung, Rheuma, Gicht und bei Neigung zu Ödemen,
  • als Blutreinigungsmittel und Diuretikum bei der Behandlung von Nieren- und Blasenleiden

Spargel in der Küche

  • maximal drei Tage im Kühlschrank oder drei Monate eingefroren lagern
  • kurzes Garen in sprudelndem Salzwasser genügt, je nach Stärke der Stängel zwischen fünf und 15 Minuten
  • in kaltem Wasser ansetzen, um Vitamine zu schonen
  • passt zu Fisch, Braten, Pilzgerichten, Pellkartoffeln, Kräuterdip und Salaten
  • auch roh essbar
Frau beim Spargel Essen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die Spargelzeit hat begonnen! Rund 55 000 Tonnen werden in Deutschland jährlich gegessen.

Der Biolandhof Schulze Wethmar ist Mitglied im Netzwerk Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau, das im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) aufgebaut wurde. Rund 200 ausgewählte Biobetriebe geben Einblick in die praktische Umsetzung der ökologischen Landwirtschaft. Neben Informationsaustausch und Betriebsführungen bieten die Demonstrationsbetriebe das ganze Jahr über Veranstaltungen zum Thema Ökolandbau an.

Familie Schulze-Wethmar freut sich über interessierte Besucher. Gruppen sind auf Anfrage das ganze Jahr über willkommen, Führungen und andere Veranstaltungen nach telefonischer Absprache jederzeit möglich.

Autorin: Juliane Löwen
Fotos: Koordinationsstelle Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau

Letzte Aktualisierung: 04.05.2011

Seitenende