oekolandbau.de - Das Informationsportal



Mehr Infos

Auf einen Blick

Logo der Demonstrationsbetriebe
 

Adressliste

Adressliste (pdf-Datei 43 kB),
Bitte beachten Sie die Hinweise zum Download von pdf-Dokumenten.

Demo-Spezial

Bock auf Ziege

Bei Lieberts dreht sich alles um den kleinen Wiederkäuer und deren Produkte – Milch, Käse und Fleisch vom Biomilchziegenhof. Die Lust auf Ziegenprodukte nimmt auch in Deutschland zu.

Mann inmitten einer Gruppe Zicklein. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Hubert Liebert wird von den Ziegenkitzen zärtlich begrüßt
Foto: B. Schoen

Angefangen hat alles mit Liesl. „Ich war sofort vernarrt in sie“, erinnert sich Hubert Liebert zurück und schmunzelt dabei. Sieben Jahre alt war der 44-Jährige damals erst, als ihm das kleine braune Zicklein über den Weg lief und anmeckerte. Der ältere Bruder hatte Liesl gekauft und mit auf den Bauernhof der Eltern gebracht. Von da an waren Hubert Liebert und Liesl ein unzertrennliches Paar, das täglich spazieren ging und allerlei Schabernack trieb. Heute, Jahrzehnte später, tummeln sich auf demselben Hof neben einigen Pensionspferden ausschließlich Ziegen, Zicklein und Böcke.

Blick über die Weide mit Herde vorne am Zaun. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Der Ziegenbock überragt die Herde (Bunte und Weiße Deutsche Edelziegen)
Foto: A. Sporer

Der Nebenerwerbslandwirt hatte bereits vor Jahren die Milchviehhaltung aufgegeben. „Aber ganz aufhören wollten wir eigentlich nie“, berichtet seine Ehefrau Anita, die sich ebenfalls in die eigensinnigen Tiere verliebt hat. Sohn Tobias (22) will trotz seiner guten Ausbildung – er ist Industriemechaniker – Landwirt werden. Die Familie entschied sich deshalb 2004 für den mehrstufigen Ausbau zum Biomilchziegenhof, der nach den Richtlinien des Anbauverbands Biokreis betrieben wird. Schätzungsweise jeder zehnte Ziegenhof wird inzwischen biologisch bewirtschaftet.

Die meiste Arbeit lastet derzeit noch auf Anita Liebert, die vor vier Jahren ihren sicheren Job im Krankenhaus aufgab, um sich ganz den Ziegen zu widmen. Viel ist seither auf dem im Alpenvorland gelegenen Hof passiert. Ein neuer Stall wurde gebaut. Der großzügige Melkstand ist bereits für die nächste Erweiterung von 250 Milchziegen konzipiert. Auch eine eigene Käserei und ein Schlachthaus hat der Hof inzwischen. Das Beste aber verbirgt sich hinter der Tür mit dem Schild „Täglich frische Ziegenmilch“

Gedränge vor dem Melktisch

Besucher und Ziegen vor dem Melkstand, Bildvergrößerung per Klick
Vor dem Melkstand
Foto: A. Sporer

Auch an diesem sonnigen Septembermorgen drängeln sich die Milchziegen vor dem Melkstand und springen nacheinander die kleine Rampe hoch zum Melktisch. Jede sucht sich schnell eine freie Box, in der bereits eine leckere Portion Biokraftfutter wartet. Das Ziegenmelken ist für viele Besuchergruppen ein besonderes Erlebnis.

Melkbecher am Ziegeneuter. Bildvergrößerung per Klick
Die Ziegen lassen sich das Melkzeug problemlos ansetzen.
Foto: A. Sporer

Die Ziegen lassen sich das Melkzeug problemlos ansetzen. Die Lieberts kennen jede einzelne Ziege und deren Vorlieben. Eine will nur von der Seite gemolken werden, die andere braucht Hilfe, weil sie mit ihren langen Hörnern mehr Platz benötigt. Ziegen, die gelammt haben, geben besonders viel Milch. Milch, die auch viele Ab-Hof-Kunden sehr schätzen, denn frische Bio-Ziegenmilch gibt es in der Region sonst nirgends. Manche kaufen auf Vorrat und frieren die Milch ein.

Milch mit wertvollen Inhaltsstoffen

Menschen mit gesundheitlichen Problemen bevorzugen häufig Ziegenprodukte. Auch auf dem Bioziegenhof merkt man das. Anita Liebert: „Viele unserer Kunden sind Allergiker oder setzen sie als Aufbaunahrung ein. Kein Wunder, schaut man sich die Inhaltsstoffe der Milch an: Ziegenmilch hat viele Spurenelemente und Mineralstoffe. Sie ist besonders bekömmlich durch die leicht verdaulichen Kaseine und hat einen hohen diätetischen Wert. Des Weiteren ist sie fettarm und zeichnet sich durch den hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren aus. Durch den besonderen Aminosäurenaufbau ist Ziegenmilch für Kleinkinder und Kuhmilchallergiker oft verträglicher. Man sagt, Ziegen erkranken nicht an Krebs. Neben der zellschützenden Orthosäure enthält Ziegenmilch auch das Coenzym Q10, welches den Zellstoffwechsel positiv beeinflusst und so die Zellen länger am Leben erhält.“ Mehrere Studien deuten darauf hin, dass Ziegenmilch das Risiko für Krebserkrankungen senken kann.

Ziegenkäse – gar nicht streng

Detailaufnahme Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Bioziegenweichkäse mit Kräutern
Foto: B. Schoen

Ziegenkäse ist ein Frankreich und Spanien aufgrund seines feinen Aromas eine besondere Delikatesse. Seine gesundheitsfördernde Bedeutung ist ein positiver Nebeneffekt. Auch in Deutschland gilt Ziegenkäse nicht mehr als manifestierter Stallgeruch und findet immer mehr Anhänger. „Wir haben ein gutes frisches Stallklima und die Ziegen sind häufig im Freien, dies wirkt sich auf die Milch und den Käse aus“, sagt Hubert Liebert. Entsprechend schmeckt die Milch neutral. Lediglich der Ziegenkäse zeigt auf der Zunge den typischen, leicht säuerlich-würzigen Geschmack, beim Abgang merkt man leicht das für Ziegenkäse typische Aroma. „Bei mir darf der Käse nicht zu stark bockeln“, sagt die Ziegenbäuerin

Porträt. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Ziegenwirtin Anita Liebert genießt den selbst hergestellten Käse
Foto: B. Schoen

Mit ganzer Hingabe arbeitet Anita Liebert an Rezepturen für Ziegenkäse. Je nach Jahreszeit, Wetterlage und Futter schmeckt Käse immer ein wenig anders. Viele Stunden verbringt sie in der kleinen Käserei. Es beginnt mit Erwärmen und Rühren der Milch, dem Pressen des Käsebruchs in Formen und dem Baden der Laibe in Salzlake. Später reinigt Anita Liebert die Käserei und die Milchkühlanlage. Denn Hygiene ist das A und O bei der Ziegenhaltung und Käseherstellung, wenn die Biomilch höchste Qualitätsanforderungen erfüllen und der Käse gelingen soll. Anfangs muss der Käse stündlich gewendet werden. Zeit ist ein wichtiger Faktor bei der Ziegenkäseherstellung. Das Know how hat sich Anita Liebert in Kursen im Allgäu angeeignet. Der Rest ist Gefühl.

Ziegenkäse besteht in Deutschland zu 100% aus Ziegenmilch. Der selbst gemachte Bio-Ziegenkäse erfreut sich immer größerer Nachfrage. Anita Liebert hat verschiedene Produkte im Angebot: Frischkäse, eingelegten Ziegenkäse, Weich- und Hartkäse, die zum Teil mit Kräutern angereichert sind. Außerdem gibt es Joghurt und frische Bioziegenmilch.

Demonstrationsbetrieb

Menschen bei Übergabe des Hofschildes. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Alois Sporer überreichte im Auftrag der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung die Auszeichnung zum Demonstrationsbetrieb an Familie Liebert. (Archivbild)

Eine weitere Delikatesse des Hofes sind Ziegenfleischprodukte. Der Betrieb hat einen eigenen Schlachtraum, somit entfallen Tiertransporte. Wer gern Milch und Käse isst, sollte daran denken, dass tierschutzbewusste Ziegenmilchbauern innerhalb dieses Produktionskreislaufes auch die Jungtiere aufziehen und häufig defizitär vermarkten müssen. Auch dies kann ein Grund sein, einen Ziegenlammbraten bewusst zu genießen.

Der Bio-Milchziegenhof Liebert versteht sich als gläserner Bauernhof. Die Kunden dürfen sich überall umschauen. Für interessierte Gruppen werden Führungen angeboten. Der Betrieb gehört seit 2009 zum Netzwerk der Demonstrationsbetriebe des Bundesprogramms Ökologischer Landbau.

Text und Bilder: Bärbel Schoen und Alois Sporer

Bio-Milchziegenhof Liebert
Hubert u. Anita Liebert
Dorfstr. 7
86637 Wertingen-Geratshofen

Tel.: (0 82 72) 38 75 und 0176/62 19 63 84 Fax: (0 82 72) 64 15 46

fam.liebert@gmx.de

Zum Betriebsporträt bei den Demonstrationsbetrieben

Letzte Aktualisierung: 01.10.2009

Seitenende