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Auf einen Blick

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Ein Besuch in der Obst-Brennerei Rothe

Aromatischer Landschaftsschutz im Glas

Wo Obst- und Weinbau die Landschaft prägen wie an der unterfränkischen Mainschleife, entstehen hervorragende Produkte: Destillate, die, wie Manfred Rothe sagt, Genießern die "Natur auf feinste Art" präsentieren. Der passionierte Obst- und Weinbauer Rothe hat Anfang der 80er-Jahre seine Leidenschaft für die feinen Aromen der Obstbrände entdeckt. Was für den gelernten Koch im Nebenerwerb mit gepachteten Wiesen und dem Anbau von einigen alten Obstsorten begann, hat sich für Rothe und seine Frau Christine mittlerweile zum Hauptberuf entwickelt.

Manfred und Christine Rothe vor ihrem Haus
© Koordinationsstelle Demonstrationsbetriebe
 

14 Hektar Fläche bewirtschaften die beiden inzwischen und bauen dort Zwetschgen, Quitten, Wein und verschiedene alte Obstsorten an. Letztere werden vor allem zu den feinen Obstdestillaten verarbeitet – wie es Tradition ist in Nordheim. Denn in der Weinbaugemeinde am Main besitzt fast jeder Weinbaubetrieb ein eigenes Brennrecht. Durch die vielen kleinen Obstbrennereien ist es möglich, alte Obstwiesen und regionale Sorten zu erhalten, die sonst keine Verwertung mehr finden. Die Obstveredelung in der Brennerei ist somit Landschaftsschutz.

Für Rothe kommt bei den Früchten nur beste Qualität in Frage, denn das Ausgangsmaterial bestimmt die Qualität des veredelten Produkts. Nur was an Aroma bereits in der Frucht vorhanden ist, kann nach Vergärung und Destillation im Schnaps wieder gefunden werden. Deshalb begutachtet Manfred Rothe nicht nur die selbst angebauten, sondern auch zugekaufte Früchte bereits vor der Ernte nach seinen Qualitätsvorstellungen. Und das Einmaischen, also das Einlegen des Obstes zur Vergärung vor dem Brennen, gibt er auch nicht aus der Hand.

Schnapsbrennen: Alte Handwerkstradition

Manfred Rothe kontrolliert das Abfließen des Vorlaufs.
Das Abtrennen des Vorlaufs erfordert Fingerspitzengefühl.
© Koordinationsstelle Demonstrationsbetriebe

Die Edelbrände von Manfred und Christine Rothe werden nach altem Handwerk hergestellt. Zwei Brennvorgänge durchläuft jeder Obstbrand bei Rothes. Im ersten Durchgang wird aus Maische der Rohbrand hergestellt. Aus dem Rohbrand entsteht beim zweiten Brennvorgang der Feinbrand. Vor allem beim zweiten Brand legt Christine Rothe, die für das Brennen hauptsächlich verantwortlich ist, sehr behutsam Holz unter dem Brennkessel nach. So steuert sie die Temperatur und achtet darauf, dass der Feinbrand sehr langsam herausläuft. Das braucht zwar viel Zeit, aber je langsamer der Brennvorgang, das ist altes Schnapsbrenner-Wissen, desto feiner ist das Ergebnis. Besondere Aufmerksamkeit erfordert die Abtrennung des so genannten Vorlaufs vom Herzstück des Brandes. Denn die ungenießbaren Alkohole, die stets zuerst aus dem Brennkessel fließen, dürfen nicht ins Endprodukt gelangen. Dazu sind Erfahrung und gut geschulte Sinne notwendig.

Sortenspektrum: Der fränkische Obstgarten

Christine Rothe misst den Alkoholgehalt
Christine Rothe beim Messen des Alkoholgehalts
© Koordinationsstelle Demonstrationsbetriebe

An zwei Arbeitstagen verarbeiten die Rothes 400 Liter Quittenmost im ersten Arbeitsgang zu 80 Liter Rohbrand und anschließend zu 20 Liter Feinbrand. Der ist noch nicht genießbar, weil zu hochprozentig. Für den späteren Genuss muss er noch auf die Trinkstärke von 40 Volumenprozent verdünnt werden.

In seinem Sortenspektrum präsentiert Rothe den gesamten fränkischen Obstgarten: Zwetschge, Quitte, Mirabelle, Kirsche, Birne, Apfel, dazu Tresterbrände. Besonders die alten Sorten begeistern ihn, die als Frischobst nicht vermarktet werden können, aber ein unschlagbares Aroma besitzen. Als Obstparfüm bezeichnet er gerne seine Brände, denn der Alkohol dient nur als Trägerstoff für das Aroma. Rothe leert ein Glas und fordert zur Riechprobe auf, denn nachdem sich der Alkohol verflüchtigt hat, entfaltet sich das Aroma noch kräftiger.

Neu: Destillate aus Wildobst

Manfred Rothe prüft die Zwetschgenmaische
Manfred Rothe prüft die Zwetschgenmaische.
© Koordinationsstelle Demonstrationsbetriebe

Das Obst für Rothes feine Destillate stammt überwiegend aus dem eigenem Wein-, Obst- oder Streuobstanbau – und aus zertifizierter Wildobstsammlung. Das ist ein Novum. Jährlich legt die Bio-Kontrollstelle neue Gebiete fest, in denen Wildobst unter strengen Naturschutzbedingungen gesammelt werden darf. Es handelt sich um Naturschutzgebiete oder Böschungen, die nicht beeinflusst werden durch viel befahrene Straßen oder intensive Landwirtschaft. Oft sind es Solitärbäume oder wilde Hecken, die Rothes Leidenschaft wecken: Schlehen, Holunder, Wildbirne, Wildmirabelle oder Vogelbeere.

Reifung im heimischen Obstholz

Verschiedene Holzfässer zur Lagerung der Brände
Zwei Jahre oder länger reifen die Destillate im Holzfass.
© Koordinationsstelle Demonstrationsbetriebe

Eine weitere Leidenschaft Rothes gilt seinem Holzfasskeller, in dem die Brände mitunter zwei Jahre oder länger reifen. Rothe pflegt sein Faible für Holz und experimentiert mit verschiedensten Hölzern, um die feinen Duftnoten seiner Brände zu erweitern und die optimale Kombination von Holz und Brand zu entdecken. So liegt der Zwetschgenbrand im Maulbeer-, der Apfelbrand im Eichen- und das Kirschwasser im Kirschbaumfass. Das Eschenfass wählt er für zarte Aromen wie die der Quitte, die nicht zu stark überlagert werden sollen. Und in Zukunft sollen heimische Obsthölzer noch eine größere Rolle spielen, so dass bald die Zwetschge im Zwetschgenfass und die Mirabelle im Mirabellenfass lagern werden.

Überhaupt schauen Rothes optimistisch in die Zukunft: Bio-Brände entwickeln sich zu einem viel beachteten Thema. Vor allem in Gastronomie, Bio-Hotels und Naturkostläden wächst die Nachfrage nach den Premium-Bränden aus Nordheim. Die Preise variieren von durchschnittlich 18 bis 20 Euro für den halben Liter Obstbrand und bis zu 50 Euro für eine Flasche Destillat aus Wildsammlung. Und als Experte wird Manfred Rothe auch immer öfter von Kollegen angefragt. Mit Rat und Tat stand er beispielsweise seinen Bioland-Kollegen vom Demonstrationsbetrieb Klostergut Plankstetten zur Seite. Dort hat er beim Wiederaufbau der alten Brennerei geholfen und in einem Testdurchlauf den ersten Bierbrand hergestellt. Und als klar war, dass die Brennerei funktioniert, hat er die Mönche das Brenner-Handwerk von der Pike auf gelehrt.

Veröffentlicht: 2007, Kontaktdaten aktualisiert

weitere Informationen, Kontaktdaten und Faltblatt

siehe Betriebsporträt

Letzte Aktualisierung: 13.03.2009

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