Demo-Spezial
Erdbeerzeit – nun ist es Sommer!
Endlich sind sie im Obstregal – frische Bio-Erdbeeren aus der Region. Rot, süß und saftig schmecken sie uns allen. Daneben trumpft die Erdbeere mit sehr hohen Gehalten an Vitamin C, Vitamin B1 und B2, Magnesium, Eisen, Kalium und Calcium auf. Im Anbau und im Haushalt ist die Frucht jedoch sehr sensibel.
Selbst gezogen, selbst gepflückt, selbst gekauft?
Häufig ist die Enttäuschung groß, wenn die ersten Erdbeeren im Supermarkt aus Israel oder Spanien gelockt, aber im Geschmack nicht gehalten haben, was sie zu versprechen schienen. Vor der Vollreife gepflückte Erdbeeren reifen optisch nach, aber Inhaltsstoffe und der Geschmack bleiben auf der Strecke. Hobbygärtner schwören daher auf das Aroma der "Selbstangebauten". Erdbeeren sind noch in vielen Hausgärten zu finden.
Die Alternative für Erdbeerfans ohne eigenen Garten sind Erdbeeren aus regionalem Bio-Anbau. Vielerorts können die Früchte auf dem Feld selbst geerntet werden. Inzwischen gibt es auch immer mehr Selbstpflücke-Angebote von ökologisch wirtschaftenden Betrieben. Durch den hohen Managementaufwand im ökologischen Anbau, den geringeren Ertrag und das hohe Anbaurisiko sind Bio-Erdbeeren jedoch teurer als konventionell angebaute. Viele Stammkunden von Erdbeererzeugerin Anika Berner sagen, sie schmecken den Unterschied und sind gerne bereit, diesen Preis zu bezahlen. Generell gilt, dass Bio-Obst durch den Verzicht auf mineralische Stickstoffdüngung in der Regel weniger Wasser enthält und deshalb intensiver schmeckt. Wissenschaftler der Universität von Kalifornien haben bei Erdbeeren aus ökologischem Anbau einen rund 20 Prozent höheren Gehalt an antioxidativ wirksamen Phenolen sowie an Vitamin C im Vergleich zu konventionell angebauten Früchten festgestellt.
Folgende Demonstrationsbetriebe bauen ökologisch Erdbeeren an und vermarkten diese direkt in Schalen oder an Selbstpflücker:
- Gut Wulksfelde, 22889 Tangstedt
- Biohof Berner, 37547 Kreiensen, OT Opperhausen
- "Hof am Deich", 40667 Meerbusch-Büderich
- Bannmühle, 55571 Odernheim
- Hof Nafziger, 66497 Contwig
- Bio-Beeren vom Franz, 83119 Obing-Frabertsham
- Haaf's Biolandhof, 97957 Wittighausen
- Die Beerenbauern, 91320 Ebermannstadt-Niedermirsberg
- Bioland Gemüse Paul, 66809 Nalbach-Piesbach
Neben diesen Demonstrationsbetrieben gibt es auch Bio-Bauernhöfe in Ihrer Region, die Erdbeeren ab Hof oder Feld anbieten. Die Öko-Anbauverbände führen häufig Anbieterlisten und erteilen weitere Auskünfte.
Später Saisonstart

- Selbst gepflückt schmeckt!
In diesem Jahr hat die Erdbeersaison durch den kühlen April recht spät begonnen. Ab Anfang Mai gab es die ersten Früchte aus dem Folientunnel. Dann folgten die mit Hilfe von Vlies und Lochfolie verfrühten Kulturen und ab Mitte Mai waren in Deutschland die ersten einheimischen Freilanderdbeeren verfügbar.
Auf dem Biohof Berner begann die diesjährige Erdbeerernte Anfang Juni. Berners verfrühen (Anbau im Folientunnel) nicht und haben deshalb eine kurze Saison. "Das macht viel Arbeit und passt nicht in den Ablauf eines 100 ha Ackerbaubetriebes", so Arnd Berner. Arnd und Anika Berner haben ihren Hof, der 40 km nördlich von Göttingen und 80 km südlich von Hannover liegt, vor sechs Jahren auf ökologischen Landbau umgestellt und seitdem immer wieder neue Kulturen ausprobiert. Der Betrieb ist seit mittlerweile acht Generationen im Besitz der Familie und wird momentan von den zwei Agraringenieuren geführt.
Mit dem Erdbeeranbau hat sich Anika Berner ein Tätigkeitsfeld erschlossen. Inzwischen bietet sie im dritten Jahr auf einer kleinen Fläche von 3000 m² nach Bioland-Richtlinien angebaute Erdbeeren auch zum selber Pflücken an. Damit für jeden Geschmack etwas dabei ist, stehen sieben verschiedene Sorten auf dem Feld. Das Spektrum umfasst frühe und mittelspäte Sorten. Späte Sorten sind bewusst nicht dabei, weil ab Mitte Juli die Getreideernte beginnt – dann sollen die Erdbeeren "durch sein".
Expedition ins Erdbeerfeld

- Anika Berner zeigt eine Erdbeerpflanze
In diesem Jahr verbindet Anika Berner den Erdbeeranbau zum ersten Mal mit einem zweiten Standbein, das sie sich aufbauen möchte – dem "Lernen auf dem Bauernhof". Etliche Schulklassen haben bereits den Hof besucht, nun wird auch das Erdbeerfeld erkundet. Mit der „Aktion "Erdbeer-Detektive" haben die Klassen 4a/b der Grundschule aus Kreiensen den Anfang gemacht. Sie klärten die Frage "Wie viele Pflanzen wachsen auf einem Quadratmeter?", zeichneten Wurzeln, Blüten und Früchte und erfuhren, warum zwischen den Reihen Stroh verteilt wird. Beim anschließenden Probieren der selbst gepflückten Früchte stellte sich heraus, dass die Sorte Korona der Favorit der meisten Kinder war.
"Eine beliebte Frucht wie die Erdbeere ist ein schönes Beispiel, um mit den Kindern in die ökologische Landwirtschaft hineinzuschnuppern. Gerade auf einem reinen Ackerbaubetrieb ist es manchmal gar nicht so einfach, Themen 'zum Anfassen' zu finden. Besonders die Kleineren brauchen die sinnliche Erfahrung und sind begeistert, wenn z. B. Tiere versorgt und gestreichelt werden können." sagt Anika Berner. "Erdbeeren mögen auch fast alle, die Kids können auf dem Acker aktiv werden und um diese Jahreszeit gibt es im strohbedeckten Feld auch relativ wenig Erde an den Schuhen heimzutragen."
Arbeitsschwerpunkt im Juni
Berners nutzen die Erdbeerkultur mindestens zwei Jahre, bevor sie neu pflanzen. Das ist eine recht lange Zeit. Betriebe, die an den Großhandel vermarkten, beernten die Pflanzen oft nur ein Jahr, weil im ersten Jahr die Früchte größer sind und Probleme mit Wurzelfäule und anderen Krankheiten im zweiten Jahr zunehmen. Zu den Erntejahren muss das Pflanzjahr hinzugerechnet werden, da das Erdbeerfeld bereits im Vorsommer angelegt werden muss.
Den derzeitigen Bestand haben Berners als so genannte Frigo-Pflanzen gesetzt. Das sind tiefgefrorene Pflanzen mit erdlosen Wurzeln und kaum Blattmasse, die kurz vor der Pflanzung aufgetaut und per Hand ausgepflanzt werden. Hierfür werden viele Arbeitskräfte benötigt. Weil Frigos schon im Mai gepflanzt werden, hat man anschließend allerdings einen hohen Aufwand zur Unkrautregulierung. Mehrmals wird mit der Maschine und von Hand gehackt und dabei werden auch die Ausläufer entfernt, die die Pflanzen bilden. Die Mutterpflanze soll sich im Erntejahr ganz auf die Fruchtbildung konzentrieren, so dass meist auch einige Blüten ausgebrochen werden. Kurz vor der Ernte wird dann Stroh zwischen die Reihen gestreut. Das schützt die Früchte vor Regenspritzern und damit vor Schmutz und Fäulniserregern. Das Stroh bewahrt außerdem Bodenfeuchtigkeit und hemmt den Unkrautwuchs. Auf der Strohmatte lässt es sich gut sauberen Fußes pflücken.

- Bei kühler Witterung gepflückte Erdbeeren halten länger
"In der Pflücksaison sind wir meist von morgens um neun bis abends um acht Uhr auf dem Feld, um den Selbstpflücker-Stand zu betreuen" erzählt Anika Berner. "Dazu kommt die Pflückzeit in den frühen Morgen- und den Abendstunden, denn tagsüber gepflückte Früchte halten sich nicht lange." Alle von den Kunden beernteten Reihen müssen noch einmal nachgepflückt werden, damit keine reifen Erdbeeren an der Pflanze verbleiben, die faulen oder schimmeln und dies auf die nachreifenden Früchte übertragen. Diese Arbeit erledigen zum Teil Mitarbeiter der Lammetaler Werkstätten für behinderte Menschen – einem Kooperationspartner des Biohofes Berner.
Nach der Ernte und/oder im folgenden Frühjahr wird das Laub der Erdbeeren dann mit einem hoch eingestellten Rasenmäher abgemäht und das Stroh in den Boden eingefräst, wo es sich zersetzt und zur Humusbildung beiträgt.
Anika Berner freut sich darauf, in ihren langen Tagen auf dem Erdbeerfeld vielen Gruppen den ökologischen Erdbeeranbau näher zu bringen. Dabei können sicherlich auch interessierte Erwachsene noch dazulernen – das geht von vorbeugenden Maßnahmen zur Schädlings- und Krankheitskontrolle bis hin zu dem Tipp, dass man die Erdbeeren immer mit Stiel waschen sollte – dann werden sie nicht so matschig.
Autoren: Susanne Plaumann und Alois Sporer
Letzte Aktualisierung: 11.06.2008


