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Großer Feldtag auf Gut Obbach

Viele Menschen auf dem weitläufigen Gelände. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Viele Besucher kamen zum Feldtag auf Gut Obbach.
Foto: A. Sporer

Nach Abschluss der Getreideernte stellte der Naturlandbetrieb Gut Obbach bei Schweinfurt seine Flächen für einen großen Feldtag zur Verfügung. Die Veranstaltung bot einen Überblick, welche Maschinen heute für die Bodenbearbeitung nach der Ernte und den Zwischenfruchtanbau im Direktsaatverfahren eingesetzt werden. Während bei Landwirtschaftsausstellungen diese Geräte oft nur im Ruhezustand angeschaut werden, konnten Landwirte bei diesem Feldtag begutachten, wo die Stärken und Schwächen der unterschiedlichen Pflüge, Grubber und Direktsaatsysteme im praktischen Einsatz liegen.

Mann mit Mikrofon in Besuchergruppe. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Foto: A. Sporer

Der Demonstrationsbetrieb des Bundesprogramms Ökolandbau lockte damit nicht nur viele Biobauern, sondern auch einige hundert Landwirte aus der Region an, die sich über den aktuellen Stand der Technik informierten. Organisiert wurde die Veranstaltung von dem Betriebsleiterehepaar Petra Sandjohann und Bernhard Schreyer sowie dem Naturlandverband, dem Forschungsinstitut Ökologischer Landbau (FiBL) und dem Maschinenring Arnstein-Mittelmain.

Gebhard Karch, der Leiter des Maschinenrings Arnstein und Naturland-Fachberater Werner Vogt-Kaute begrüßten die Besucher und erläuterten die Schwerpunkte der Veranstaltung.

Warum ist die richtige Bodenbearbeitung für Landwirte so wichtig?

Ein Stoppelhobel. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Ein Stoppelhobel (Zobel)
Foto: A. Sporer

Biobauern verzichten auf chemisch-synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel. Für sie ist ein natürlicher gesunder Boden die Grundlage schlechthin, um erfolgreich produzieren zu können. Die Böden dürfen sich durch das häufige Befahren nicht irreparabel verdichten. Die feinen Hohlraumsysteme müssen erhalten bleiben, damit Luft- und Wasserhaushalt sowie die Durchwurzelungsfähigkeit und die natürliche Nährstoffverfügbarkeit des Bodens nicht darunter leiden.

Landwirte, die mit der Natur wirtschaften, sehen im Boden keineswegs nur verwittertes Urgestein, das Pflanzen Halt bietet. Sie achten genau auf den Zustand des Edaphons (griechisch "edaphos" = Erdboden, Fachbegriff für "belebter Boden, das Bodenleben"). Je besser der Landwirt beispielsweise die Fruchtfolge und Bodenbearbeitung gestaltet, desto lebendiger und damit fruchtbarer ist dieses Substrat.

Ein Schälpflug. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Schälpflug Ovolac Mini
Foto: A. Sporer

Die lebendige Biomasse in der Erde, beispielsweise Pilze, Algen, Bakterien und Regenwürmer, ist viel größer als die der Rinder oder Schweine, die von der Fläche leben. Auch viehlos wirtschaftende Ökolandbaubetriebe können daher nachhaltig Mengenerträge erzielen, weil das Bodenleben selbst in erheblichem Maß zur Nährstoffnachlieferung beiträgt.

Neben chemischen Prozessen sorgen die Regenwürmer und die vielen anderen Bodenlebewesen dafür, dass die gesamte abgestorbene organische Masse wieder in pflanzenverfügbare Nährstoffe umgewandelt wird. Die Aktivität von Bodenflora und -fauna hat also ganz erheblichen Einfluss auf die Bodenfruchtbarkeit. Die landwirtschaftlichen Maßnahmen sollen die Umweltbedingungen der Bodenlebewesen also möglichst nicht beeinträchtigen, sondern optimieren.

Ein Sternradgrubber. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Sternradgrubber Kerner Komet
Foto: A. Sporer

Neben der Erhaltung der Fruchtbarkeit dient die Bodenbearbeitung vor einer neuen Aussaat dazu, die Reste der geernteten Pflanzen und die verbleibenden Unkräuter zum Absterben zu bringen beziehungsweise zu regulieren. Dies verbessert die Startbedingungen für die bodenverbessernden Zwischensaaten und die Folgefrüchte.

Biobauer Karl-Heinz Weber erläuterte auf dem Feldtag: "Ein guter Grubber oder Pflug soll bei der Stoppelbearbeitung die noch verbleibende Vegetation in einem ersten Schritt komplett und flach unter dem Boden abschneiden. Das ist auch energiesparender." Nach jeder Vorführung räumt er mit dem Spaten die losen Bodenschollen weg und prüft, ob noch Pflanzenreste stehen geblieben sind und wie gut die jeweilige Maschine mit wechselnden Bodenverhältnissen zurechtkam.

Maschinen-Bauer

Besuchergruppe um einen Grubber. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Foto: A. Sporer

Der Beruf des Landwirts ist heute sehr techniklastig. Der ökologische Landbau benötigt teilweise andere Maschinen als die konventionelle Landwirtschaft. Viele Bauern sind im Zweitberuf Schlosser, Landmaschinenmechaniker und "Tüftler". Es verwundert daher nicht, dass einige ausgezeichnete Bodenbearbeitungsmaschinen von Biobauern komplett entwickelt und gebaut wurden und unter bestimmten Bedingungen bessere Ergebnisse liefern als die Geräte der bekanntesten Hersteller.

Biobauer Josef Niedermaier hat bereits mehrere Maschinen entwickelt. Er erklärte die hinterste Arbeitseinheit seines Grubbers: "Diese Maschine wird nicht vom Schlepper getragen, sondern durch die Unterlenker nur gezogen und läuft auf Rädern. Daher können hinten ohne Gewichtsprobleme zusätzlich dreibalkig gefederte Striegel angebracht werden, welche die abgeschnittenen Unkräuter an die Oberfläche ziehen, damit sie vertrocknen."

Technikbegeisterung und das richtige Maß

Menschen und Maschinen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Foto: A. Sporer

Die Schlepper hatten zwischen 130 und 260 PS. Aber Supertraktoren waren nicht dabei; sie passen nicht in die durch Realteilung zerstückelte fränkische Landwirtschaft. Diese erkennt man leicht am bunten Flickenteppich aus vielen kleinen Grundstücken. So bemerkte ein Landwirt nicht ganz zu Unrecht beim Anblick einer langen und breiten Maschinenkombination, dass hierfür sein Acker zu klein sei, um zwei Bahnen zu fahren oder zu wenden.

Große Geräte führen zu ernormen Verdichtungen im Boden und passen deshalb nicht zum Ökolandbau: Dieser erste Eindruck ist nicht immer richtig. Oft ist das Gegenteil der Fall, weil die Last auf viele Achsen verteilt oder in große breite Spezialreifen mit niedrigem Reifeninnendruck investiert wird. Solche Reifen verringern den Bodendruck und verbessern zudem die Zugkraft des Schleppers, so dass die Flächenleistung steigt. Dies spart Diesel und schont die Umwelt.

Anzeige-Bildschirme in der Fahrerkabine. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Foto: A. Sporer

Der Blick in eine Schlepperkabine erinnert ein bisschen an das Cockpit eines Airbus. Der Fahrer schaut nicht nur nach vorne und hinten, um genau zu lenken. Die angehängten Maschinen müssen das gesamte Feld bearbeiten und gleichzeitig sollen Überlappungen vermieden werden. Häufig gibt es hierfür Fahrgassen, und der Fahrer muss bei den verschiedenen Bearbeitungsdurchgängen immer in der Spur bleiben. Damit wird die Gesamtfläche am besten geschont und der Ertrag erhöht.

Neben den zahlreichen Standardinstrumenten des Traktors muss der Fahrer häufig weitere Displays beobachten: Die Spritdurchflussanzeige unterstützt ihn, den Schlepper energiesparend zu fahren. Ein vorübergehend angebautes Computerdisplay gibt Auskunft über die Einstellungen und laufende Funktion der angehängten Direktsaatkombination. Der dritte Monitor informiert über den "Autopiloten". Er zeigt, ob das satellitengesteuerte Lenkassistenzsystem korrekt funktioniert.

Angeschlossene automatische Steuerung am Lenkrad. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Foto: A. Sporer

Die Lenkhilfe des Schleppers kommuniziert laufend mit vier Satelliten und bewegt das Lenkrad optimal, so dass die Spurgenauigkeit nur noch mit einer Toleranz von +/- 25mm von der Ideallinie abweicht. Weitere Verbrauchs- und Bodenschonungsoptimierungen sind dadurch möglich.

Große und moderne Maschinen sind also nicht nur wegen der zunehmenden Betriebsgrößen der Biobauernhöfe notwendig, sondern können umweltfreundlicher als kleine Geräte sein. Bodenschonende Landwirte achten darauf, dass die positiven Effekte einer optimalen Bereifung nicht durch extreme Lasten riesiger Güllefässer und Erntewagen egalisiert werden.

Bodenfruchtbarkeit nachhaltig nutzen

Trecker mit Drillaufsatz auf dem Acker. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Foto: A. Sporer

Die Erhaltung der natürlichen Bodenfruchtbarkeit und die Ausweitung humusaufbauender Bewirtschaftungsformen wird von vielen Wissenschaftlern gefordert. Durch die CO2-Bindung im Humus soll dem Klimawandel entgegengewirkt werden. Jedes Forschungsvorhaben, das der natürlichen Bodenfruchtbarkeit dient und deren Nutzung verbessert, ist ein Schritt in diese Richtung.

Bernhard Schreyer legte während der Veranstaltung eine Versuchsparzelle an, an der verschiedene Fragen zur Bodenfruchtbarkeit untersucht werden sollen. Es handelt sich hierbei um eine Versuchsfläche innerhalb eines größeren Projekts des externer Link folgtBundesprogramms Ökologischer Landbau, an dem viele Akteure mitwirken: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, FiBL Deutschland e.V., Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden, Johann Heinrich von Thünen-Institut, Naturland e.V., Stiftung Ökologie & Landbau sowie die Universität Kassel.

Weitere Infos unter bodenfruchtbarkeit.org.

Autor: Alois Sporer

Kontakt

Gut Obbach
Bernhard Schreyer und Petra Sandjohann
Dr.-Georg-Schäfer-Str. 5
97502 Euerbach-Obbach

Tel.: (0 97 26) 12 69, Fax: (0 97 26) 90 94 49

E-Mail: gutobbach@hotmail.com

Zum Betriebsporträt bei den Demonstrationsbetrieben

Letzte Aktualisierung: 20.08.2009

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