Mittelalter auf dem Biolandhof Frohnenbruch
Kalt und regnerisch ist es an diesem Tag. Die Farbe des Himmels ist fast so grau wie die Mauern, vor denen drei Gestalten dicht an dicht um ein Feuer stehen - die Hände tief im groben Stoff ihrer Gewänder vergraben oder an einem heißen Becher wärmend. In unmittelbarer Nähe stürzt ein Mann nach tapferem Kampf zu Boden. Sein Schild entgleitet ihm, der Kopf mit dem Helm neigt sich zur Seite, den Zuschauern stockt der Atem…
Mit einem bunten Spectaculum erweckte der Biolandhof Haus Frohnenbruch in Kamp-Lintfort am 17. Januar seine ritterliche Vergangenheit wieder zum Leben: als Burg Vronenbroek wurde das ehemalige Rittergut bereits im Jahr 1304 erwähnt. Die ehemalige Wasserburg, die noch heute an drei Seiten von Wasser umgeben ist, befindet sich seit 1846 im Besitz der Familie Bird und wird heute landwirtschaftlich genutzt. In siebter Generation arbeiten und leben dort die Familien von Hans-Ludwig und Klaus Bird. Der heutige Hof Frohnenbruch wird seit 2002 nach Bioland-Richtlinien bewirtschaftet und ist seit dem 01.01.2009 Demonstrationsbetrieb für Ökologischen Landbau.
Betriebsschwerpunkt ist die Mutterkuhhaltung von Limousin-Rindern: 80 Mutterkühe und 70 Kälber grasen im Sommer auf den tief liegenden Weideflächen rund um den Hof, die typisch für die Gegend am Niederrhein sind. Auch zwei Zuchtbullen und 30 Nachzuchtfärsen gehören zum Rinderbestand. Den Winter verbringen die Tiere, die sich auch bei regnerischem Wetter und Minustemperaturen wohl fühlen, im offenen Außenklimastall und in Laufställen auf Stroheinstreu. Die Fütterung besteht dann aus Grassilage, Ganzpflanzensilage (Mais) und Getreideschrot aus eigener Erzeugung.
Neben den Limousin-Rindern werden auf dem Biolandhof Frohnenbruch auch 220 Legehennen gehalten. Seit 2009 sind sie ganzjährig in einem Hühnermobil untergebracht, ein mobiler Stall, der nach Bedarf mit dem Schlepper versetzt werden kann. Der Vorteil: Durch das Umsetzen steht den Hühnern immer eine frische Auslauffläche zur Verfügung.
Die eigenen Produkte - Rindfleisch, Eier und Kartoffeln - werden im Hofladen des Biolandhofes verkauft, der freitags von 14 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr geöffnet ist. Frisches Obst und Gemüse von Biobetrieben aus der Region sowie ein kleines Warensortiment erweitern die Angebotspalette.
Für das leibliche Wohl war auch beim Mittelalterfest aufs Beste gesorgt: würzige Weißkohl-Hackfleisch-Pfanne, wahlweise mit Brot oder Kräutercreme, und andere Leckereien wurden gereicht - "Bio-Speisen wie im Mittelalter", denn Biolandwirt Klaus Bird und seine Frau Bärbel orientierten sich dabei weitestgehend an der mittelalterlichen Küche. Sogar die selbst erzeugten Biokartoffeln wurden für diesen Tag von der Speisekarte gestrichen, denn Kartoffeln kannte man hierzulande im Mittelalter noch nicht. Einziger Stilbruch war der ausgeschenkte Kaffee, der im Mittelalter am Niederrhein ebenfalls noch unbekannt war. Die Kaffee-Fans unter den Besuchern dürfte das jedoch weniger gestört haben…
Das Mittelalterfest auf dem Biolandhof Frohnenbruch stand unter dem Motto "Märchen, Mythen und Musikanten" und war Auftakt mehrerer Veranstaltungen in und um Kamp-Lintfort, mit denen sich die Stadt zwischen dem 17. und 23. Januar 2010 als "Local Hero" präsentierte. Die Aktion "Local Hero" ist Teil des Gesamtkonzepts RUHR.2010 Kulturhauptstadt Europas: jede Kommune der Metropole Ruhr - Kulturhauptstadt Europas 2010 - steht jeweils eine Woche lang im Mittelpunkt und zeigt mit einem selbst gestalteten Programm, wie die großen Ideen der Kulturhauptstadt vor Ort umgesetzt werden können.
Die Veranstaltung auf dem Biolandhof Frohnenbruch war trotz des regnerischen Wetters gut besucht. Besondere Höhepunkte des Nachmittags bildeten die Schaukampfvorführungen, bei denen tapfere Recken der Freien Ritterschaft Niederrhein e.V. ihre Fähigkeiten in den verschiedenen Waffengattungen zur Schau stellten. In Turnier- und Zweikämpfen demonstrierten die Ritter mit schweren Kettenhemden und Helm gekonnt alle Formen des ritterlichen Schwertkampfes.
Die Ritterschaft hatte anlässlich des Festes ihr Lager auf dem Biolandhof aufgeschlagen und gab spannende Einblicke in das Leben im Mittelalter. Der gemeinnützige Verein mit über 30 Mitgliedern hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Spätmittelalter zwischen 1250 bis 1375 als lebendiges Museum darzustellen und das damalige Leben in passender Gewandung zu zeigen. Die Gruppe ist eine bunte Mischung aus Rittern in Kettenhemd mit Helm und Schwertern, Knappen, Knechten, Pagen, Dienst- und Spielleuten, Mägden, Edelfrauen, Kindern, Narren und einem Geistlichen. Mehrmals im Jahr reisen die Mitglieder auf mittelalterliche Märkte. Sie sind gern gesehene Gäste, die es Besuchern sogar ermöglichen unter Aufsicht Rüstungen anzuprobieren und sich im Schwertkampf auszuprobieren.
Ins Mittelalter zurückversetzt fühlte sich auch, wer in das mittelalterliches Leben und Treiben im Innenhof von Haus Frohnenbruch eintauchte. Drei blau-weiße Schauzelte der Ritterschaft waren zur Besichtigung geöffnet. Sie verschafften einen Eindruck davon, wie es in einem Ritterzelt ausgesehen haben kann - authentisch eingerichtet mit Betten, Truhen, Tischen und anderem. Für die Schaukämpfe hatten die Ritter ein "Turniergeviert" von zehn mal 15 Metern abgesteckt, die auch für Tänze genutzt wurde. Für entsprechende Musik sorgte die Gruppe "Baldamer", die mit Laute, Flöten und Gesang zum Träumen einlud. Zu den alten Klängen zauberte die Formation "KinderTanz Hoerstgen" unter Anleitung von Daniela Hery-Kern mit farbenfroher Gewandung und brennenden Fackeln zu den alten Klängen bunte Reigen.
Auch andernorts konnten die Besucher das Mittelalter in einer ganz besonderen Atmosphäre erleben: im Rinderstall trug Märchenerzählerin Angela Breuers vom Verein LesART Geschichten und Mythen aus längst vergangenen Zeiten vor. Vor allem die jüngeren Besucher des Festes verließen mit einer Vielzahl von Eindrücken das Spectaculum, das am frühen Abend ausklang.
Autorin: Juliane Löwen
Letzte Aktualisierung: 23.03.2010





