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Auf einen Blick

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Neue Reben braucht das Land!

Pioniergeist im Weinbau

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Mit dem Herbst ist die Zeit der Weinlese, Weinkelter und Weinfeste gekommen. Da gibt es jede Menge zu tun auf den Weinbaubetrieben des Netzwerks der Demonstrationsbetriebe, darunter das Weingut Rummel im südpfälzischen Landau-Nussdorf. Es wurde im Jahr 2005 mit dem Förderpreis Ökologischer Landbau für seine Pionierarbeit mit "Piwis", pilzwiderstandsfähigen Rebsorten, ausgezeichnet.

Die nachfolgende Reportage wurde im November 2005 erstmalig veröffentlicht. Angaben zur Größe des Weingutes und seinen Angeboten für Verbraucher beziehen sich auf das Jahr 2005 und sind möglicherweise nicht mehr aktuell. Trotzdem vermittelt die Reportage einen guten Einblick in die tägliche Arbeit im ökologischen Weingut.

Die Preisträger freuen sich über den übergroßen Scheck
Innovation wird belohnt: Susanne und Klaus Rummel erreichen den 1. Platz des Förderpreises Öko-Landbau 2005;
Foto: Koordinationsstelle Demonstrationsbetriebe.

Die Familie blickt auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurück. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen die so genannten Piwis, das sind pilzwiderstandsfähige Rebsorten. Klaus und Susanne Rummel engagieren sich seit 1987 für den Piwi-Anbau. Aktuell beträgt der Anteil dieser Rebsorten auf dem im südpfälzischen Nussdorf gelegenen Weingut über 40 Prozent. Kaum ein anderer Weinbaubetrieb verfolgt den Anbau dieser neuen Sorten so konsequent. Und das erfordert jede Menge Pioniergeist und persönlichen Einsatz.

Klaus Rummel bei einer Weinbergsführung
Klaus Rummel hat bei Weinbergsführungen alle Hände voll zu tun;
Foto: Koordinationsstelle Demonstrationsbetriebe

Für diese Vorreiterrolle bei der Züchtung und erfolgreichen Vermarktung von Piwi-Sorten zeichnete das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft das Winzerpaar in diesem Jahr mit dem Förderpreis Ökologischer Landbau aus.

Das Interesse von Besuchergruppen an Piwis und dem ökologischen Weinbau ist sehr groß. Leidenschaftlich erklären Klaus und Susanne Rummel die ökologisch qualitativen Möglichkeiten ihrer Reben und führen die Gäste gerne durch ihre Rebgärten.

Bei den Führungen gibt es neben interessanten Infos natürlich auch immer Weine zum Probieren und leckere Snacks. Ganz oben auf der Beliebtheitsskala stehen in diesem Sommer selbstgeräucherte Forellen.

Der Anbau pilzwiderstandsfähiger Rebsorten

Nach wie vor ist der Pflanzenschutz im ökologischen Weinbau eine besondere Herausforderung und erfordert hohen Arbeitsaufwand und Maschineneinsatz. Mit dem Anbau der Piwis kann Klaus Rummel fast ganz auf Pflanzenschutzmaßnahmen verzichten. So gibt es keine Bodenverdichtung durch allzu häufige Überfahrten mit dem Traktor. Der lockere, lebendige und fruchtbare Boden ist die Grundlage für einen vitalen ökologischen Weinberg und damit für die Qualität der Weine. Der Winzer unterstützt die Bodenfruchtbarkeit zusätzlich durch die Einsaat vielfältiger Begrünungspflanzen.

Zusatz-Info

Mehr Infos zum ökologischen Weinbau im Erzeuger-Bereich

Der Weg zum Förderpreis 2005

Weinberg mit blühendem Beikraut
Die Rummels haben sich ihren Traum von blühenden Weingärten erfüllt;
Foto: Koordinationsstelle Demonstrationsbetriebe.

Die Entwicklung der Piwi-Rebsorten hat auf dem südpfälzischen Weingut seit vielen Jahren Tradition.

  • 1984 erste Versuche mit ökologischer Wirtschaftsweise
  • 1987 erste Pflanzung von Piwis (Rebsorte Staufer)
  • 1990 Pflanzaktion mit der Piwi-Sorte Regent gegen den Widerstand der Behörden
  • 1993 Mitgliedschaft bei Ecovin (Bundesverband ökologischer Weinbau); Umstellung der gesamten Betriebsfläche (12 Hektar)
  • Im Laufe der Jahre kontinuierliche Steigerung des Anteils der Piwi-Sorten auf mittlerweile über 40 Prozent; Verzicht auf Spritzungen mit Pflanzenpflegemitteln zum Schutz vor Pilzkrankheiten

Ein starkes Expertenteam

Das Sortenspektrum auf dem Weingut Rummel verändert sich ständig. Bei der Neuanlage von Weinbergen werden ausschließlich Piwis angepflanzt. Es muss viel ausprobiert und getestet werden, gleichzeitig erschweren bürokratische Reglementierungen den freien Anbau. Der Anbau noch nicht klassifizierter Rebsorten in Deutschland muss immer als Versuch im rechtlichen Rahmen der Sortenanbaueignungsprüfung erfolgen und vorab genehmigt werden. Um die eigenverantwortliche Erprobungsphase im Weingut Rummel zu begleiten, hat sich ein Team von Praktikern und Beratern verschiedener Sparten zusammengefunden: Winzer, Züchter, Rebschule und Kellerwirte.

Zurzeit bezieht Klaus Rummel die interessantesten Rebsorten von dem Schweizer Züchter Valentin Blattner. Maßgeblich beteiligt an der Auswahl der Sorten ist die Rebschule von Volker und Marion Freytag in Neustadt an der Weinstraße. Sie vermehren das Pflanzgut und führen selbst An- und Ausbauversuche durch. Kellerwirtschaftliche Beratung und tatkräftige Unterstützung beim schwierigen Ausbau von Kleinstmengen kommt vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinlandpfalz in Neustadt. So hat jede Neuanpflanzung eine mehrjährige Vorlaufzeit, bis Klaus Rummel den Praxisversuch auf größerer Fläche wagt. Und auch dann müssen erst noch Erfahrungen gesammelt werden im Feldanbau, im kellerwirtschaftlichen Ausbau und vor allem in der Vermarktung. Denn letztlich geht es um die Frage: Wie kommt der Wein beim Verbraucher an?

Die neuen Piwi-Weine

Die neuen Piwi-Reben zeichnen sich durch interessante Geschmacksnuancen aus. Die meisten haben noch keinen Namen, sondern werden vom Weingut Rummel unter ihrer Züchtungsnummer vermarktet. Diese Strategie wurde von der Förderpreis-Jury ausdrücklich gelobt: "Das Weingut Rummel hat sich darauf spezialisiert, Verbrauchern zu vermitteln, dass es mehr auf den Geschmack als auf den Namen der Rebsorten ankommt. Hier wird Verbraucheraufklärung direkt sowohl mit dem Weinbau als auch mit dem Weinausbau in Verbindung gebracht."

Qualität und Geschmack der Piwi-Weine beeindrucken Verbraucher und Berufskollegen gleichermaßen. Dies belegen auch die bundesweiten Verkostungen von Ecovin, in denen die Rummel-Weine in den vergangenen Jahren immer erste oder zweite Plätze belegten. Die Nachfrage der Kunden übersteigt bereits heute das Angebot:

  • Der 17er erinnert im Geschmack an Cabernet Sauvignon und Syrah, ein südländischer Weintyp mit kräftiger, reifer Tanninstruktur und einem Duft nach Waldfrüchten, Brombeeren und Cassis.
  • Der 5er hat eine dezente Cabernet-Note mit milden, weichen Tanninen und ist von tiefroter Farbe.
  • Der 1er ist ein Weißwein vom Sauvignon blanc Typ. Filigran und elegant weist er Noten von grünen Stachelbeeren und Kiwi auf. 

Mit den Piwis in die Zukunft

Die Erprobung der Piwis im Feldbau, im kellerwirtschaftlichen Ausbau sowie deren Vermarktungschancen nimmt im Weingut Rummel einen außergewöhnlichen Stellenwert ein. "Wir beschreiten damit Neuland und eröffnen unseren Berufskollegen Zukunftsperspektiven für umweltgerechteren Weinbau", resümiert Klaus Rummel. "Mit den neuen Schweizer Piwi-Reben sind wir unserem Ziel hin zu einer nachhaltigen Landwirtschaft mit möglichst wenig Eingriff in den Naturhaushalt ein gutes Stück näher gekommen."

Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet für Klaus und Susanne Rummel zudem, einen Familienbetrieb zu führen, der die Zukunft nicht nur im Weinbau ökologisch gestaltet. So gehören ökologische Ernährung, ökologisches Bauen und Wohnen, Nutzung regenerativer Energien, bäuerliche Kultur und aktiver Naturschutz fest zu ihrem Alltag.

Veröffentlicht: 2006, Kontaktdaten aktualisiert

weitere Informationen, Kontaktdaten und Faltblatt

siehe Betriebsporträt

Letzte Aktualisierung: 11.03.2009

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