Ökolandbau zum Erhalt von Mitteleuropas größtem Heide-Naturschutzgebiet
Bericht vom Hoffest auf dem Landschaftspflegehof Tütsberg in der Lüneburger Heide
In voller Blüte, leuchtend rosa-violett, zeigen sich derzeit die Heideflächen rund um den Hof Tütsberg. Für die Besenheide (Calluna vulgaris) gilt als Faustregel, dass sie von 8. August bis 9. September am schönsten blüht. In der Luft liegt ein süßlich-würziger Duft und das Gesumme von Bienen und Insekten. Zahlreiche Rote-Liste-Arten wie Raubwürger, Schwarzstorch und Birkhuhn sind hier beheimatet. Die Lüneburger Heide ist im Spätsommer ein Magnet für Besucher aus ganz Deutschland. Das inzwischen schon traditionelle Hoffest war gut besucht, nicht zuletzt wegen des kulinarischen Angebots, z. B. Buchweizentorte und Heidekartoffeln sowie Fleisch- und Wurstspezialitäten von der Schnucke.

- Dr. Andreas Koopmann erläuterte den Besuchern, wie durch den Ökolandbau die einzigartige Kulturlandschaft gepflegt und erhalten wird.
Inmitten von Mitteleuropas größtem Heide-Naturschutzgebiet befindet sich der Demonstrationsbetrieb Hof Tütsberg des Vereins Naturschutzpark e.V., der nach Bioland-Richtlinien wirtschaftet. Gemeinsam mit zehn Schäfern und Mitarbeitern werden durch das Betriebsleiterehepaar Dr. Andreas Koopmann und Dr. Heike Brenken 4.300 ha Heidefläche und Magerrasen gepflegt sowie 760 ha landwirtschaftliche Nutzfläche bewirtschaftet.
Auf dem Hoffest konnten die zahlreichen Besucher die Maßnahmen und Methoden der Heidepflege kennen lernen und erfahren, wie wichtig und aufwändig diese Tätigkeiten zu deren Erhalt sind. Beispielhaft wird die frühere traditionelle Heidebauernwirtschaft mit zehnjähriger Fruchtfolge dargestellt: Es beginnt mit der Plaggendüngung, dann folgen vier Jahre Roggen, Sandhafer, Buchweizen und schließlich vier Jahre „Dreesch“ (ausfallende Samen bilden Begrünung, auf der Tiere geweidet werden). Plaggendüngung: Der sogenannte „Plaggenhieb“ diente zur Verbesserung des armen Ackerlands. Dabei wurde die humus- und nährstoffreiche Pflanzendecke von Weideflächen entfernt, teilweise als Einstreu im Stall zwischengenutzt und dann auf dem für den Ackerbau bestimmten Gelände eingebracht.
Um eine Verbuschung des landschaftstypischen Lebensraums Heide zu verhindern, wird sie durch die 2500 Heidschnucken und 100 Ziegen des Naturschutzhofs beweidet. Die „Graue Gehörnte Heidschnucke“ ist eine besonders genügsame und kleine Schafrasse, die vom Europäischen Wildschaf, dem Mufflon abstammt.
Hütewettbewerb
Beim Hütewettbewerb der Arbeitsgemeinschaft Altdeutscher Hütehunde, der im Rahmen des Hoffestes stattfand, wurde eindrucksvoll demonstriert, wie ein Schäfer mit zwei Hunden eine Herde mit 700 Tieren leiten und führen kann. Eine Prüfungskommission beurteilte dabei, wie gut verschiedene Aufgaben, z. B. das Einpferchen oder Treiben über eine definierte Strecke bewältigt wurden. In der täglichen Praxis müssen die Schäfer oft genau diese Situationen sicher meistern.
Schafschur

- Schervorführung
Ein arbeitsintensives „Event“ ist die Schafschur im Frühsommer. Dies bedeutet Knochenarbeit für die Scherer und Aufregung für die Schnucken. Davon konnten sich die Besucher bei den Schervorführungen ein Bild machen.
Die Schafschur ist ein deutliches Minus-Geschäft, da diese Wolle auf dem Weltmarkt nicht konkurrenzfähig ist. Trotzdem muss sie aus hygienischen Gründen durchgeführt werden.
Ihren Beitrag zur Landschaftspflege leistet auch die Herde Dülmener Wildpferde von Hof Tütsberg. Die fünfzehn Tiere dieser alten Rasse beweiden ganzjährig ein mehrere Hektar großes Areal im Naturschutzgebiet. Wie die Schnucken und Ziegen helfen sie, unerwünschte Pflanzen einzudämmen und fördern die Ausbreitung erwünschter Kulturen. Nährstoffreicher Humus wird heute teilweise maschinell abgeschoben, damit sich die heidetypischen Pflanzen weiterhin behaupten können.
Ökolandbau auf Heideboden

- Ökologischer Buchweizen blühend mit Früchten in der Lüneburger Heide
Foto T. Stephan, ©BLE
Der ökologische Pflanzenbau ist an die Bedingungen der mageren, sandigen Heideböden angepasst. Neben Dinkel, Hafer, Triticale und Erbsen bilden traditionelle Pflanzen der Heidebauernwirtschaft wie Roggen, Sandhafer und Buchweizen in alten, angepassten Sorten die pflanzlichen Vermarktungsprodukte des Betriebes.
Der Buchweizen ist eigentlich gar kein Getreide, sondern ein Knöterichgewächs und kommt auch mit mageren Böden zurecht. Das Mehl schmeckt sehr fein und etwas nussig. Es wird bevorzugt für Torten und Pfannkuchen verwendet. Besonders wertvoll ist Buchweizen als Getreideersatz bei Glutenunverträglichkeit (Zöliakie). Auf Anfrage kann dieser besondere Weizen und das Mehl direkt vom Hof bezogen werden, gerne werden einige Buchweizen-Rezepte verraten. Auch Fleisch- und Wurstspezialitäten können bestellt werden.
Bei diesem Hoffest wurde deutlich, dass der Ökologische Landbau nicht nur nachhaltig und naturschonend wertvolle Lebensmittel erzeugt, sondern auch maßgeblich zur Erhaltung einer einzigartigen Kulturlandschaft beiträgt. Viele weitere Demonstrationsbetriebe und Biohöfe laden Sie im September ein, die Besonderheiten des Biolandbaus besser kennen zu lernen.
Autor & Bilder: Wiebke Koppe und Alois Sporer
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Letzte Aktualisierung: 06.09.2007


