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Osterlämmer werden groß – ökologische Lämmeraufzucht
Wenn Ackerbauern einmal Urlaub machen können, beginnt auf dem Milchschafhof Brünjes bei Bremervörde in Niedersachsen die Hochsaison: Ab Januar lammen die rund 100 Muttertiere der Rasse Ostfriesisches Milchschaf ab. Das erfordert den ganzen Einsatz des Betriebsleiterpaares. Roland Brünjes und Ingrid Bartel-Brünjes haben ihren Betrieb im Moordorf Ostendorf 1991 gegründet.

- Auf dem Hofgelände dominiert das alte Reetdachhaus mit den Niedersachsenrössern am Giebel.
Die Entscheidung, Schafmilch zu erzeugen, fiel damals schnell. Die Haltung von Milchschafen bietet die Chance, trotz geringer Flächen- und Kapitalausstattung ein ausreichendes Einkommen zu erwirtschaften. Roland Brünjes verfügte bereits über langjährige Erfahrungen in der Milchschafhaltung. Zudem bestand die Möglichkeit, die erzeugte Milch an eine nahe gelegene Molkerei zu liefern. Die Familie ging also daran, ihren Traum zu verwirklichen. Ein Traum, der noch heute viel Engagement und Arbeitseinsatz erfordert.
Zu einer Jahreszeit, in der andere sich in der warmen Stube verkriechen, verbringt Roland Brünjes einen Großteil seiner Zeit mit der Betreuung der neugeborenen und aufwachsenden Schaflämmer. Die Lammzeit beginnt im Januar – einzelne Muttertiere lammen auch schon mal zu Weihnachten – und zieht sich bis in den Mai. "Nach drei bis fünf Tagen trennen wir die Lämmer von den Müttern und gewöhnen sie an den Tränkeautomaten." erklärt Brünjes. "Mindestens fünf mal muss ich die Lämmer dann an den Schnuller ansetzen, bis sie das Trinken am Automaten gelernt haben. Wenn wir Mutter und Lamm morgens getrennt haben, geht das von mittags an bis zum Morgen des nächsten Tages."
Aufzucht mit Kuhmilch
Brünjes bewirtschaften ihren Hof nach Bioland-Richtlinien. Als Bio-Schafhalter tränken sie die Jungtiere nach der Geburt 45 Tage lang mit Milch. Dazu wird Kuhmilch eingesetzt, die Roland Brünjes von einem eine halbe Stunde entfernt gelegenen Bio-Betrieb holt. Das ist zwar viel Aufwand, ermöglicht es aber, die Milch der Schafe bereits vom fünften Tag an zu vermarkten. Ein wichtiger Aspekt, denn der Gewinn aus dem Verkauf von Milch und Milchprodukten stellt das Haupteinkommen der Familie dar.
Trinkmilch, Schafjoghurt und -käse
Seit 1997, als die Molkerei schloss, die sie zuvor beliefert hatten, verarbeitet Ingrid Bartel-Brünjes die Milch in einer eigenen kleinen Käserei auf dem Hof selbst zu Joghurt und Käse. Sie stellt vier verschiedene Frischkäsesorten sowie den Weichkäse "Piepenrieker" her. Mittlerweile wird sie dabei von einer Mitarbeiterin in Teilzeit unterstützt.

- Ingrid Bartel-Brünjes in der 1997 eingerichteten Hofkäserei
Die Kunden freut es, wenn es ab Januar wieder Schafmilch, -joghurt und -käse gibt. Da Schafe ihren Nachwuchs saisonal bekommen – d. h. nicht wie Kühe über das ganze Jahr verteilt, sondern innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne –, gibt es nicht rund ums Jahr frische Schafmilchprodukte. Die Mutterschafe stehen von November bis zum erneuten Ablammen "trocken". In dieser Zeit, in der sie hochträchtig sind, bereitet der Körper sich auf die Geburt vor und sie geben keine Milch.

- Lamm bei der Mutter
Die mutterlose Aufzucht ist bei Milchschafen weit verbreitet und hat sich bewährt. In den ersten Tagen nach der Ablammung produzieren die Muttertiere die so genannte Kolostralmilch, die sehr reich an Eiweiß, Vitaminen, Mineralstoffen und vor allem an Abwehrkörpern ist, welche sehr wichtig für das Immunsystem ihrer Lämmer sind. Nach etwa fünf Tagen ändert sich die Zusammensetzung der Milch; die Schafe geben jetzt "normale" Milch. Nun werden die Lämmer von ihren Müttern entwöhnt. Sie bekommen dann bei Brünjes drei Wochen lang Kuhmilch zur freien Verfügung. Die Tiere trinken so viel, wie sie für ihre Entwicklung brauchen. Das ist etwas mehr als beim Vertränken von Schafmilch, da diese rund ein Prozent mehr Eiweiß und Fett und auch mehr Laktose enthält. Roland Brünjes hat mit dem Einsatz von Bio-Kuhmilch gute Erfahrungen gemacht. Bei der Umgewöhnung von Schaf- auf Kuhmilch nach dem "Absetzen" von der Mutter treten auf dem Milchschafhof kaum Durchfallerkrankungen auf, obwohl die Umstellung einen gewissen Stress für die Lämmer bedeutet.
Nach gut drei Wochen erhalten die Lämmer nur noch einen Liter Milch am Tag in zwei Mahlzeiten. Sie fressen dann bereits auch Heu, Grassilage und Kraftfutter. In der konventionellen Aufzucht ist es üblich, sie schon nach 25 Tagen ausschließlich mit fester Nahrung aufzuziehen. Das lässt die EU-Bio-Verordnung nicht zu, da die Lämmer natürlicherweise deutlich länger bei der Mutter saugen würden. Bei der Geburt sind die Lämmer um die vier Kilogramm schwer. Wenn sie ein Gewicht von 15 bis 17 kg erreicht haben, bekommen sie keine Milch mehr.
Im Winter leben die Schafe im geräumigen Laufstall, der zur Hofseite hin offen ist. Das fördert die Gesundheit der Tiere. Sie sind zwar den Witterungsreizen ausgesetzt, aber durch das gegenüberliegende Wohngebäude vor heftigem Wind geschützt. Der Stall bietet zwei mit Stroh eingestreute Abteile – eines für Altschafe, eines für die Jungtiere. Ab Ende April, wenn die Witterungsverhältnisse es zulassen, können die Schafe auf der Weide frisches Gras zu sich nehmen. Dazu stehen auf dem Milchschafhof 17 Hektar Dauergrünland zur Verfügung, die mit dem hofeigenen Schafmist gedüngt werden. Wie bei Bioland vorgeschrieben stammen mehr als 50 Prozent des Futters, das die Tiere übers Jahr fressen, aus eigener Erzeugung. Als Getreide werden Hafer und Triticale angebaut. Sie werden als Schrot verfüttert. Weiteres Kraftfutter kaufen Brünjes in Bio-Qualität zu. Es besteht aus Getreide und Leguminosen, die Energie und Eiweiß liefern. Die zwei Hektar Ackerland des Hofes reichen nicht aus, um die benötigte Menge selbst zu erzeugen. Vor allem aber ist der Aufwand, die Rohwaren zu reinigen, zu schroten und zu mischen, unverhältnismäßig hoch. Bei dem eingesetzten Futter stimmt die Mischung genau.
Trennung der Lämmer

- Den Sommer verbringen die Schafe unter anderem auf der Streuobstwiese.
Bis Mai/Juni laufen weibliche und männliche Lämmer noch zusammen. Wenn die ersten Böcke nach fünf Monaten geschlechtsreif werden, trennt Roland Brünjes die Lämmer in zwei Gruppen. An der Fütterung ändert sich damit zunächst nichts. Zum Herbst hin wird dann bei den weiblichen Tieren das Kraftfutter reduziert. Sie benötigen weniger Energie als die Böcke, die ausgemästet und von August bis März nach und nach verkauft werden. Brünjes lassen die Tiere bei Bio-zertifizierten Schlachtern in der Region schlachten. Das Fleisch vermarkten sie zum Teil direkt, zum Teil entsteht daraus eine würzige Salami, die über die Metzgereien und den Großhandel verkauft wird.

- Roland Brünjes im Melkstand
Wenn der Sommer kommt, sind die Lämmer "aus dem Gröbsten heraus" und brauchen nicht mehr soviel Betreuung. Außenarbeiten auf der Weide und dem Acker bestimmen dann die Arbeit. Bis Ende Oktober nehmen auch das tägliche Melken und Käsen einen großen Teil der Zeit ein. Im November beginnt die Zeit "ohne Milch" und damit für Familie Brünjes eine kleine Verschnaufpause. Die Tiere wollen natürlich weiterhin versorgt sein – das gehört zum täglichen Leben dazu. Brünjes sind mit Spaß bei der Arbeit, und wenn dann die Kunden Wurst und Käse loben, freut es sie besonders!
Letzte Aktualisierung: 27.03.2008



