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BÖLW: Rahmenbedingungen des Ökolandbaus in den Bundesländern
23.01.2012
Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) hat erstmals die Rahmenbedingungen für den Ökologischen Landbau in den Bundesländern einer umfassenden Bewertung unterzogen. "Das Öko-Ranking zeigt deutlich, dass nicht nur beim Bund sondern auch bei etlichen Bundesländern der politische Wille fehlt, die Chancen, die der wachsende Bio-Markt bietet, für die deutschen Landwirte nutzbar zu machen," so BÖLW-Vorstandsvorsitzender Felix Prinz zu Löwenstein.
Der BÖLW hat die aktuelle Debatte um die Agrarpolitik zum Anlass genommen, die Politik der Bundesländer für den Ökologischen Landbau unter die Lupe zu nehmen. Denn es ist Aufgabe der Bundesländer, die sogenannte zweite Säule der europäischen Agrarpolitik umzusetzen, innerhalb derer die Öko-Förderung verankert ist. Spitzenreiter des Rankings ist Bayern gefolgt von Baden-Württemberg und Sachsen. Die hohe Punktzahl dieser Bundesländer ergab sich aus guten Werten in fast allen Kriterien, die der BÖLW für eine sinnvolle Förderung des Ökolandbaus identifiziert hat. Dazu zählen u.a. die verlässliche Bereitstellung ausreichender Flächenprämien für die Umstellung und Beibehaltung von Ökolandbau, den Stellenwert des Ökolandbaus im Fördergefüge oder die Angebote zu Ausbildung, Beratung, Information und Vermarktung. Die Schlusslichter Brandenburg und Schleswig-Holstein fallen mit dem Aussetzen der Umstellungs- (Brandenburg) bzw. Umstellungs- und Beibehaltungsförderung (Schleswig-Holstein) in der Punktewertung weit zurück.
"Werden die Zahlung von Flächenprämien für den Ökologischen Landbau ausgesetzt, ist das ein fatales politisches Signal und bedeutet einen Rückschritt", betont Bioland-Präsident Jan Plagge die Wichtigkeit von zuverlässig gezahlten und wirksamen Ökoprämien. "Die Entscheidung für den Wechsel zum Öko-Landbau hat weitreichende betriebliche Konsequenzen, dafür brauchen die Landwirte verlässliche Rah-menbedingungen."
Der Eigenanteil der Bundesländer an den Flächenprämien für die Umstellung oder Fortführung des Ökologischen Landbaus beträgt in den alten Bundesländern 18 und in den neuen Bundesländern acht Prozent. Den Rest übernehmen Bund und EU. Der Ausstieg eines Bundeslandes aus der Umstellungsförderung sei daher völlig unverständlich, so Gerber, denn "es spart dadurch jährlich nur einen minimalen Betrag in der Größenordnung von 150.000 Euro, verzichtet aber auf den sehr viel höheren Kofinanzierungsanteil von Bund und EU." In nahezu allen Bundesländern sind die Ausgaben je Hektar Öko-Landbau-Fläche seit 2003 gesunken, nur in Sachsen und Sachsen-Anhalt sind sie gestiegen.
"Bei allen Detailfragen zur Honorierung des Ökolandbaus darf nicht vergessen werden, dass für die Landwirte nicht der letzte Euro entscheidend für die Umstellungsentscheidung ist, sondern es sind die politischen Signale, die insgesamt von der Politik ausgehen“, weiß Gerber. "Die Umwelt braucht Ökolandbau, die Verarbeiter suchen händeringend heimische Ware und der Bio-Markt wächst und wächst. Es wird Zeit, dass die Politik auf diese Entwicklungen endlich angemessen reagiert und ihre Öko-Bremsen löst", fordert Gerber. "Sonst importieren wir weiter Bioprodukte und exportieren die Umweltleistungen des Ökolandbaus."
Zusammenstellung, Gewichtung, Auswertung des Rankings durch den BÖLW auf Grundlage folgender Quellen:
Nieberg, H., H. Kuhnert und J. Sanders (2011): Förderung des ökologischen Landbaus in Deutschland – Stand, Entwicklung und internationale Perspektive. vTI, Sonderheft 347.
Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage Fraktion Die Linke, Bundestags-Drucksache 17/8074.
