Mai 2010: Das Internationale Jahr der biologischen Vielfalt
Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2010 als Internationales Jahr der biologischen Vielfalt ausgerufen. Durch diese Kampagne sollen weltweit der breiten Öffentlichkeit die Bedeutung der Biodiversität, aber auch die Folgen ihres Verlustes näher gebracht werden. Das ganze Jahr hindurch finden zahlreiche internationale, nationale und regionale Veranstaltungen zu diesem Thema statt.
Biodiversität - was ist das überhaupt?
Oft wird Biodiversität mit dem Begriff "Artenvielfalt" gleichgesetzt. Doch Biodiversität ist weit mehr als Artenvielfalt: Sie umfasst die Vielfalt der Arten auf der Erde, die Vielfalt innerhalb der Arten (genetische Vielfalt) sowie die Vielfalt von Ökosystemen. Biodiversität ist also die Vielfalt des Lebens in all seinen Formen und zugleich notwendige Voraussetzung für funktionierende Ökosysteme.
Verschiedene Einflüsse durch den Menschen (zum Beispiel Umweltverschmutzung, Flächenversiegelung oder intensive Landwirtschaft) und der einsetzende Klimawandel bedrohen die Stabilität der weltweiten Ökosysteme und deren Biodiversität.
Eine große genetische Vielfalt ist aber Voraussetzung für die Anpassung von Arten an sich ändernde Umweltbedingungen (zum Beispiel durch Klimawandel) und damit letztendlich für unsere Existenz. Vor diesem Hintergrund geht Biodiversität alle in der Bevölkerung an, und jeder kann seinen Möglichkeiten entsprechend einen Beitrag zum Erhalt und zur Förderung der Biodiversität leisten.
Das deutsche 'Paket' zur Biodiversität
Ein nationaler Baustein für den Schutz, den Erhalt und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt ist die "Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt". Nach Aussage des Bundesministeriums für Umweltschutz und Reaktorsicherheit (BMU) ist es die weltweit anspruchsvollste Strategie. Sie wurde von der damaligen Bundesregierung am 7. November 2007 verabschiedet und gilt als gesamtgesellschaftliches Programm. Sie listet rund 330 Ziele und rund 430 Maßnahmen zu allen biodiversitätsrelevanten Themen auf.
Darin werden unter anderem sogenannte Leuchtturmprojekte vorgestellt - konkrete Projekte, die der Erhaltung der biologischen Vielfalt dienen und dabei in vorbildlicher Weise die ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekte gleichermaßen berücksichtigen. Leuchtturmprojekte in Deutschland sind zum Beispiel die Erhaltung und Sicherung des "Grünen Bandes" entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs als Naturerbe und historisches Denkmal sowie die Wiederansiedlung des Europäischen Störs.
Die Broschüre "Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt" hält weitere Informationen bereit und steht auf der Seite des BMU zum Herunterladen zur Verfügung (siehe "Zusatzinformationen/Lesetipps").
Aktivitäten des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

- In intakten Landschaften kann sich auch der Weißstorch wieder ansiedeln.
Foto. T. Stephan
Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) führt anlässlich des Internationalen Jahres der Biodiversität eine Reihe von Veranstaltungen und Aktionen unter dem Motto "Biologische Vielfalt - Schutz durch Nutzung" durch.
Mit diesen Angeboten soll auf besondere Gefährdungssituationen, aber auch auf das große Potenzial der biologischen Vielfalt in der Land-, Forst-, Fischerei- und Ernährungswirtschaft aufmerksam gemacht werden. Im April fanden zum Beispiel die Informationstage Biologische Vielfalt in Bonn statt. Ein weiterer Baustein ist der
"
Kalender zur Agrobiodiversität 2010". Dieses Online-Angebot möchte mit monatlich wechselnden Informationen rund um die Agrobiodiversität Interesse am Thema wecken.
Am 20. Mai 2010 gab Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner in Berlin den Startschuss für die Initiative "
Biologische Vielfalt schützen und nutzen". Die Initiative soll insbesondere Schülerinnen und Schüler über praktische Beiträge zum Erhalt der biologischen Vielfalt informieren. Von Berlin aus startet das rollende Klassenzimmer zur Deutschlandtournee: Mit einem umgebauten Reisebus werden in den kommenden Monaten mehr als 50 Schulen besucht, um Schülern das Thema biologische Vielfalt und ihren Erhalt zu vermitteln.
22. Mai 2010: Internationaler Tag der Biodiversität
Jedes Jahr am 22. Mai findet weltweit der Internationale Tag der Biodiversität statt. In Deutschland wird diese Kampagne durch einen von BMU und Bundesamt für Naturschutz (BfN) organisierten "Wandertag Biodiversität" unterstützt. Im Rahmen von geführten Wanderungen soll den Teilnehmenden ein nachhaltiges Bewusstsein für Biodiversität vermittelt werden. Interessierte Initiativen sind aufgerufen, eine geführte Wanderung (auch geführte Touren per Boot, mit dem Fahrrad oder auf dem Pferd) zwischen dem 20. Mai und dem 20. Juni 2010 - am besten am 22. Mai 2010, zu organisieren und im Veranstaltungskalender der Koordinationsstelle einzutragen. Alle Veranstaltungen mit Bezug zur biologischen Vielfalt, die in diesem Zeitraum durchgeführt werden und registriert sind, können als Beitrag zur UNO-Kampagne gewertet und damit beworben werden.
Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite des Bundesamts für Naturschutz.
Der BUND möchte mit dem "Abenteuer Faltertage" das Internationale Jahr der biologischen Vielfalt unterstützen und ruft zur bundesweiten Bestandsaufnahme der Schmetterlinge am Schmetterlingsaktionswochenende 22. Mai bis 24. Mai)auf. Die Naturschutzorganisation will sich mit den Ergebnissen einen Überblick über die Verbreitung ausgewählter Falterpopulationen verschaffen. Zählbögen mit Abbildungen von zehn gesuchten Arten sind unter
www.bund.net/faltertage und bei den mehr als 2000 Kreis- und Ortsgruppen des BUND erhältlich. Die Ergebnisse können Online im Internet oder per Post gemeldet werden.
Hier gibt es weitere Informationen zu "Abenteuer Faltertage".
Aktivitäten in den Nachbarländern
Schweiz
Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), der ökologische Anbauverband Bio Suisse und das Handelsunternehmen Coop möchten in einer Gemeinschaftsaktion das Thema Biodiversität der Bevölkerung näher bringen. Die drei Initiatoren werden das ganze Jahr hindurch verschiedene Mitmach-Aktionen und Aktivitäten anbieten. Die Aktionen sollen die Bedeutung der Biodiversität aufzeigen und diese erlebbar machen. Es soll gezeigt werden, wie mit bewusstem Konsum die Biodiversität gefördert werden kann.
FiBL-Pressemeldung vom 7. Januar 2010
10.000 Aktionen für die Biodiversität
Der WWF Schweiz ruft Privatpersonen, Gemeinden, Firmen, Landwirte und Schulen auf, sich mit verschiedenen Aktionen für die Biodiversität in der Schweiz zu engagieren.
Zur Kampagnenseite: Aktiv werden für die Biodiversität
Österreich
Unter dem Motto "Pflanz' mich! Biovielfalt hinterlässt Spuren" startet die "Bio-Fibel" (eine Verbraucherzeitschrift für Wissen aus der biologischen Landwirtschaft in Österreich) eine Konsumenteninitiative zum Internationalen Jahr der Biodiversität: Mit 10.000 Bio-Samenpäckchen und der tatkräftigen Unterstützung der Wiener Bevölkerung soll Wien zur europäischen Hauptstadt der Biodiversität heranwachsen.
FiBL-Pressemeldung vom 24. März 2010
Internationale Aktivitäten
Eine Übersicht über die weltweiten Aktionen gibt die Internetseite der Vereinten Nationen (UN).
Weitere Tipps zum Erhalt und zur Förderung der Biodiversität
Gärtnern mit der Natur
Nicht nur große Initiativen können aktiv gegen den Artenschwund in der Tier- und Pflanzenwelt vorgehen. Auch jeder einzelne Kleingärtner kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass es in unserer Kulturlandschaft vielfältig blüht.
Nützlinge - starke Helfer für die Natur
Biolandwirte zeigen, wie sie die (Wieder-)Ansiedlung von Nützlingen fördern. Sie legen zum Beispiel Hecken an, pflegen Ackerrandstreifen und Uferränder und bieten Vögeln Nistmöglichkeiten.
Unterwegs mit einer Demeter-Imkerin
Wer eine Imkerei nach ökologischen Gesichtspunkten betreibt, hält die Bienen nicht allein zur Gewinnung von Honig und anderen Bienenprodukten. Bioimker binden ihre Tiere in die Naturlandschaft ein.
Ökobauern lassen alte Kulturpflanzen aufblühen
Ständig kommen neue Produkte in den Lebensmittelhandel, während gleichzeitig die Vielfalt in der Landwirtschaft schwindet. Einige Ökobauern wirken dieser Entwicklung entgegen, indem sie alte Pflanzensorten anbauen oder seltene Nutztierrassen halten.
Gefährdete Nutztierrassen erhalten
In Deutschland stehen zurzeit über 90 Nutztierrassen auf der Roten Liste der bedrohten Nutztierrassen. Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Nutztierrassen e.V. (GEH) hat das Arche-Hof Projekt gegründet, dem mittlerweile über 70 Höfe angehören.
Letzte Aktualisierung: 28.04.2010


