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Ökobauern lassen alte Kulturpflanzen aufblühen

 
Landwirt vor Auslage mit Kartoffeln
Viele Ökobauern bauen regionaltypische Kartoffelsorten an.
Foto: D. Menzler

Ganz schön paradox: Ständig kommen neue Produkte in den Lebensmittelhandel und gleichzeitig schwindet die Vielfalt in der Land(wirt)schaft. Einheitsgeschmack statt Geschmacksvielfalt ist die Folge. So entgehen uns viele sinnliche Entdeckungen. Das Wissen um alte Pflanzenarten und -sorten oder regionale Nutztierrassen geht verloren. Viele der früher vielseitig genutzten Tierrassen sind ausgestorben oder akut vom Aussterben bedroht.

"Bamberger Hörnchen" und "Blaue Schweden"

Es gibt Ökobauern, die sich dieser Entwicklung entgegenstellen und die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren fördern. Sie bauen die Kartoffelsorten "Bamberger Hörnchen" oder "Blaue Schweden" und Rodelika-Möhren an, sie ernten wieder Zwetschgen und Mirabellen von Streuobstwiesen und lassen Bunte Bentheimer (eine Schweinerasse) im Schlamm wühlen.

Sie können die Arbeit dieser Ökobauern unterstützen, indem Sie deren Angebote nutzen. Fragen Sie bei Ihrem nächsten Einkauf auf dem Wochenmarkt oder im Hofladen gezielt nach alten Kartoffelsorten, nach Fleisch von robusten Rinder- und Schweinerassen oder nach Ziegenkäse aus Ihrer Region. Auf diesem Weg haben schon fast vergessene Gemüsesorten wie Rucola und Teltower Rübchen ihren Weg zurück in die moderne Küche gefunden. Durch die Wahl beim Einkauf können Sie als Verbraucherin und Verbraucher einen Beitrag zur Artenvielfalt in der heimischen Landwirtschaft leisten.

Erzeugergemeinschaft Dreschflegel ausgezeichnet

Die Förderung und Erhaltung der Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren haben sich viele Ökolandwirte zur Aufgabe gemacht. In diesem Beitrag stellen wir Ihnen beispielhaft die Arbeit der Erzeugergemeinschaft Dreschflegel vor. Sie wurde im Jahr 2009 vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz mit dem Förderpreis Ökologischer Landbau ausgezeichnet. Der Förderpreis Ökologischer Landbau wird seit 2001 jährlich an Betriebe vergeben, die sich im Sinne des ökologischen Landbaus durch innovative Konzepte mit Vorbildcharakter besonders engagieren.

Zur Erzeugergemeinschaft Dreschflegel haben sich 14 Biohöfe zusammen geschlossen, die über ganz Deutschland verteilt sind und biologisches Saatgut von Gemüse, Blumen, Kräutern und alten Kulturpflanzen produzieren. Sie haben verschiedene Schwerpunkte und gehören unterschiedlichen ökologischen Anbauverbänden an. Gemeinsam ist den Betrieben ihre Aufgabe: die Vielfalt zahlreicher seltener und gefährdeter Nutzpflanzensorten und -arten zu erhalten. Laut Anke Radtke, Dreschflegel-Produzentin aus der Nähe von Kassel, steckt hinter Dreschflegel die Idee, dass viele Menschen an vielen Orten Vielfalt lebendig machen können.

Keine Hybridsorten

Gezüchtet werden in den verschiedenen Betrieben rund 500 Gemüse-, Kräuter- und Blumensorten, darunter viele alte Kulturpflanzen. Besonderen Wert legen die Gärtnerinnen und Gärtner bei Dreschflegel darauf, dass sich die Sorten für den ökologischen Landbau und den Freilandanbau eignen. Hausgärtner und Erwerbsanbauer können zertifiziertes ökologisches Saatgut aus regionaler Züchtung und Saatgutvermehrung direkt bei der Erzeugergemeinschaft bestellen. Grundsätzlich werden keine Hybridsorten angeboten. Die Abnehmer können das Sortiment in Gartenportionstütchen beziehen oder – bei größeren Mengen – die gewünschten Samen oder das Pflanzgut direkt beim Vermehrungsbetrieb einkaufen.

Regal mit Samentütchen
Bei Dreschflegel können auch Endverbraucher ökologisches Saatgut für den Zier- oder Nutzgarten bestellen.
Foto: Copyright BLE

Dem Trend der Spezialisierung und der Einheitsware stellen sich die Menschen von Dreschflegel entgegen. Sie tragen mit ihrer Arbeit dazu bei, dass fast vergessene alte Sorten oder ungewöhnliche neue Formen, die Interessierten sonst vorenthalten blieben, in die Gärten und auf die Äcker gelangen. In ihren Seminaren geben sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen über Saatgutzüchtung und -vermehrung an Interessierte weiter.

Im Dreschflegel-Onlineshop steht ein umfangreiches Sortiment zur Bestellung bereit. Bestimmte Sorten, wie die Duwicker Möhre oder Ulmer Ochsenhörner (Herbstrüben) aber auch Arten wie z.B. Haferwurz oder Erdmandel können ausschließlich bei Dreschflegel bezogen werden. Zu den Neuheiten für die Gartensaison 2009 gehören z.B. das alte Getreide Einkorn, die Litchitomate und die Russische Stockrose. Wer vor Ort diese Arten- und Sortenvielfalt erleben möchte, sollte den großen Schaugarten auf einem Mitgliedsbetrieb in Schönhagen in Thüringen oder den kleineren Kräutergarten in der Nähe der Vermarktungsstelle in Witzenhausen besuchen. Hier finden Sie weitere Informationen zum externer Link folgtDreschflegel-Saatgut.

Informationssystem Genetische Ressourcen (GENRES)

Das Informationssystem Genetische Ressourcen (GENRES) wird vom Informations- und Koordinationszentrum für Biologische Vielfalt (IBV) der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) als Informationsplattform zur Agrobiodiversität betrieben.


Filmtipp: Schafsnase, Saibling und Totleger - Leben is(s)t Vielfalt (2009, DVD, 38 Minuten) Vielfalt ist für unsere Ernährung wichtig - je bunter, desto besser. Farbenpracht auf dem Teller heißt Genuss, Vielfalt der Nährstoffe, Gesundheit. Der Film soll einen Eindruck über die biologische Vielfalt in der Landwirtschaft vermitteln und Ihnen den Erhalt dieser Vielfalt schmackhaft machen.

Schutzgebühr: 10,00 Euro

externer Link folgtInformationen zum Film

Bezug über:

Informations- und Koordinationszentrum für Biologische Vielfalt (IBV)
Sekretariat 513
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung
Deichmanns Aue 29
53179 Bonn
Tel. 0228/996845-3237
Fax: 0228/99645-3105
E-Mail: ibv@BLE.de

Letzte Aktualisierung: 14.03.2011

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