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Unterwegs mit einer Demeter-Imkerin

 

Honig, Wachs und Pollen, Propolis und Bienengift - schon seit Menschengedenken werden die Produkte der Bienen vielfältig verwendet. Wir süßen Speisen, Teige und Getränke mit Honig und streichen ihn aufs Brot. Eine behagliche Atmosphäre verbreiten Licht und Duft von Kerzen aus Bienenwachs. Auch in Naturkosmetika und in medizinischen Produkten (zum Beispiel in Salben zur Wundheilung oder gegen Gelenkbeschwerden) werden Bienenprodukte verwendet. Bienen und ihre Produkte begleiten uns also das ganze Jahr hindurch.

Im Frühsommer sind die Bienen uns Menschen besonders präsent - durch ihr Summen und ihr emsiges Sammeln von Nektar und Pollen an den Blüten von Blumen und Bäumen. Oekolandbau.de hat die Demeter-Imkerin Susanne Weirich besucht und Einblick in ihre Arbeit mit den Bienen bekommen.

Ein arbeitsames Volk mit klarer Struktur

Bienen an Naturwabe. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Im Bienenvolk übernehmen die Bienen je nach Entwicklungsstadium verschiedene Aufgaben.
Foto: A. Waller, FiBL Deutschland e.V.

Ungefähr 50.000 Bienen (Drohnen und Arbeiterinnen) stehen in den Diensten ihrer Königin. Das Bienenvolk ist sehr gut organisiert und rund um die Uhr beschäftigt. Dabei hat jedes Tier je nach Entwicklungsstadium unterschiedliche Aufgaben für die Gemeinschaft zu erfüllen. Die Jungbienen putzen die Bienenwohnung, auch Beute genannt, und wärmen die Brut. Die jugendlichen Bienen sind für die Fütterung zunächst der älteren und später der jüngeren Brut verantwortlich. Als junge Erwachsene sind sie mit der Honigpflege beschäftigt und arbeiten als Bau- und Wächterbienen. Erst als ältere Erwachsene verlassen sie die Beute und bringen als Sammel- und Flugbienen Nektar, Pollen, Propolis und Wasser zum Bienenvolk.

Bienen im "Außendienst" bestäuben bei ihrer Nahrungssuche die Blüten von Wild- und Kulturpflanzen. Erst dadurch reifen Obst und Feldfrüchte heran. Diese Leistung kann nur von Honig- und Wildbienen erbracht werden. Bienen sind also der Schlüssel zur Artenvielfalt und zu blühenden Landschaften. Sie sind auch unentbehrlich für die Nahrungsversorgung der Menschen und letzten Endes auch für unsere Existenz. Umso wichtiger ist es, diesen wertvollen Tieren mit Respekt zu begegnen.

Lasst Bienen um euch summen!

Wer eine Imkerei nach ökologischen Gesichtspunkten betreibt, hält die Bienen nicht allein zur Gewinnung von Honig und anderen Bienenprodukten. Bioimker binden ihre Tiere in die Naturlandschaft ein und wählen zum Beispiel den Standort für ihre Bienenvölker mit Sorgfalt und Weitblick.

Bienen sollen den Menschen erfreuen. Aufmerksame Menschen können im Umfeld der Bienen zahlreiche sinnliche Eindrücke wahrnehmen, zum Beispiel Düfte, verschiedene Summarten der Bienen und unterschiedliche "Tänze" vor dem Flugloch und an den Blüten. Wer die Bienen genau beobachtet, kann auch bald seine Angst vor ihnen ablegen. Übrigens: Die Drohnen, die männlichen Bienen, haben keinen Stachel.

Wie ist das Nahrungsangebot für Bienen?

Biene an Artischockenblüte. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
In Gärten mit großer Blütenvielfalt finden Bienen ausreichend Nahrung.
Foto: D. Menzler

Bienen organisieren sich völlig autark - begonnen beim Wabenbau über die Brut bis hin zur Aufzucht der Nachkommen. Der gesammelte Nektar ist im eigentlichen Sinn für die eigene Nahrungsversorgung der Bienen gedacht. Daher überlassen zum Beispiel die Demeter-Imker den Bienen einen großen Teil ihres Honigs.

Blüten und Pollen verschiedener Pflanzen müssen ausreichend und während der gesamten Entwicklungs- und Flugzeit der Bienen (von Januar/Februar bis Oktober) in der Umgebung des Bienenstocks verfügbar sein. Bioimker stellen ihre Bienenstöcke bevorzugt in Naturschutzgebieten und auf ökologisch bewirtschafteten Flächen, inmitten von Streuobstwiesen sowie in Gärten mit einer großen Artenvielfalt auf. Sie meiden Standorte, in denen Intensiv-Landwirtschaft betrieben wird.

Bienen haben einen Flugradius von durchschnittlich drei Kilometern. Gut möglich, dass sich auch in Ihrer Umgebung Bienen auf Nektarsuche machen. Wer die Bienen anlocken möchte, sollte einen bienenfreundlichen Garten anlegen, zum Beispiel mit Phacelia, Herbstastern, Wildrosen und anderen ungefüllten Blütenpflanzen. Auch Senfsaat, Amerikanisches Springkraut und Kanadische Goldrute sind beliebte Bienenweiden. Ganz besonders wichtig ist, dass es im Garten vor allem ab Juli bis in den Oktober hinein noch Nektar spendend blüht und die Bienen Nahrung finden. Generell sind Wildformen der Blühpflanzen zu bevorzugen - sie bieten das größte Nektarangebot. Einfach mal die Wiese blühen lassen und nicht gleich abmähen - das lockt ebenfalls die Bienen an, vor allem, wenn Löwenzahn, verschiedene Kleepflanzen und Wildkräuter zur Blüte kommen dürfen.

Bienen können der Gentechnik nicht entfliehen

Ökologisch wirtschaftende Landwirte und Bioimker sind existenziell vom Einsatz der Gentechnik betroffen. Durch den Flugradius der Bienen und klimatische Bedingungen, zum Beispiel Wind, wird der Honig mit gentechnisch veränderten Pollen verunreinigt und praktisch unverkäuflich. Diese Tatsache zeigt, dass ein Nebeneinander von Gentechnik-Flächen und gentechnikfreier Landwirtschaft nicht möglich ist. Mehrere Imker klagen derzeit gegen die Vertreibung von ihren Standorten und fordern besondere Schutzbestimmungen im Gentechnikrecht.

Artgerechte Haltung lohnt sich nicht nur für die Tiere

Wie bei allen Tierarten im ökologischen Landbau gilt auch bei den Bienen: Nur von vitalen Tieren kommen hochwertige Lebensmittel. Das erreichen Bioimker mit einer artgemäßen Bienenhaltung.

Die Bienen leben natürlicherweise auf engstem Raum zusammen und können sich schnell gegenseitig anstecken. Durch ihre gute Arbeitsorganisation achten die Bienen von sich aus schon auf Sauberkeit im Bienenstock. Doch sind die Tiere einigen Gefahren ausgesetzt, denen sie nicht entkommen können, beispielsweise der Varroa-Milbe. Sie ist ein eingeschleppter Schädling aus Asien und saugt - ähnlich wie eine Zecke beim Säugetier - die so genannte Hämolymphe, die blutähnliche Körperflüssigkeit der Bienen. In der Folge wird deren Immunsystem geschwächt. Die eigentliche Entwicklung und Vermehrung der Milbe findet jedoch in der verdeckelten Bienenbrut statt, was zur Folge hat, dass die Nachkommen nicht oder nur sehr eingeschränkt lebensfähig sind und das Bienenvolk somit abstirbt. Auch durch die Übertragung verschiedener Viren kann es zu massiver Schädigung des Bienenvolkes kommen.

Behandelt wird die "Varroose" (oder Varroatose) in der ökologischen Bienenhaltung mit natürlichen Mitteln wie Milchsäure, Ameisensäure und Oxalsäure. Damit kann ein Bienenvolk zwar nicht vollständig milbenfrei werden, aber die Belastung und die damit verbundenen Schädigungen können auf ein Minimum reduziert werden. Vor allem jedoch versuchen Bioimker, die Gesundheit ihrer Bienen zu stärken und durch imkerliche Maßnahmen die Vermehrungsrate der Varroamilben zu reduzieren.

Auch Sie als Verbraucher können Imkerinnen und Imker in ihrem Bemühen um eine artgerechte Bienenhaltung unterstützen. Sie können zum Beispiel eine Bienenpatenschaft übernehmen. Wie das funktioniert, zeigt die Aktion BeeGood des Vereins Mellifera e.V. Fragen Sie auch bei einem Bioimker in Ihrer Nähe nach. Eine Patenschaft für Bienen ist sicher auch dort möglich - so können Sie sogar vor Ort die Entwicklung "Ihrer" Patenbienen mitverfolgen.

Honigvielfalt statt Einheitsgeschmack

Imkerin begutachtet Bienenwaben. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Susanne Weirich prüft die Reife des Honigs.
Foto: A. Waller, FiBL Deutschland e.V.

Das Sammelgebiet der Bienen bestimmt die Geschmacksausprägung des Honigs. Wenn der Honig nicht in Richtung Einheitsgeschmack verändert wird, variieren Geschmack und Aroma von Jahr zu Jahr und je nach Blütenangebot. Die Arbeit der Bioimkerinnen und Bioimker findet ihren geschmackvollen Höhepunkt in einer großen Vielfalt an Honigen. Meist sind es Mischhonige mit Schwerpunkten, aber auch sortenreine Honige wie Wald- oder Tannenhonig aus dem Schwarzwald, Gebirgsblütenhonig aus dem Allgäu, Kastanienblütenhonig aus dem Pfälzer Wald oder Heidehonig aus der Lüneburger Heide.

Ob Sie sich für einen konventionell gewonnenen oder einen ökologisch erzeugten Honig entscheiden, ist nicht nur eine Frage des persönlichen Geschmacks. Durch den Kauf des Honigs bestimmen Sie auch, welche Art der Bewirtschaftung Sie unterstützen. Biohonig gibt es direkt beim Imker oder im Naturkostladen zu kaufen. Außerdem werden Biohonige oft auf Wochen- oder Gourmetmärkten angeboten.

Weitere Informationen

Demeter-Imkerei

Jeder Verband hat seine eigenen Vorgaben, was die Erzeugung und Verarbeitung seiner Produkte betrifft. Informationen über das Imkern nach Demeter-Richtlinien finden Sie auf der Internetseite von Demeter.

externer Link folgtImkern nach Demeter-Richtlinien (PDF-Datei)

Kontakt

Susanne Weirich ist seit dem Jahr 2002 Imkerin und arbeitet mit der Demeter-Imkerei Robert Friedrich, einem der Pioniere der Demeter-Imkerei, zusammen. Sie betreiben gemeinsam eine Standimkerei an verschiedenen Standorten im Biosphärenreservat Naturpark Pfälzer Wald, im Hunsrück und in Rheinhessen. Zusammen bieten sie Einführungsseminare in die wesensgemäße Bienenhaltung für Interessierte, Hobbyimker und Landwirte an. Per E-Mail können Sie Termine vereinbaren und weitere Informationen erhalten.

E-Mail: susanne-weirich@web.de

Letzte Aktualisierung: 11.04.2011

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