Gefährdete Nutztierrassen erhalten
Artenvielfalt vor Ort entdecken
Seit 1999 engagieren sich jedes Jahr viele Naturfreunde in Deutschland und den Nachbarländern beim Geo-Tag der Artenvielfalt. Es gilt, an diesem Tag innerhalb von 24 Stunden in einem selbst festgelegten Gebiet den Blick für schützenswerte Arten zu schärfen und möglichst viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten zu beobachten. Dabei werden immer wieder verschollen geglaubte Arten wiederentdeckt, zum Beispiel verschiedene Insektenarten, Fledermäuse und Wasserbewohner. Diese Aktion, bei der sich neben Experten auch Schulklassen beteiligen können, leistet einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung und Dokumentation der heimischen Tier- und Pflanzenwelt.
Einheitsrassen in der Landwirtschaft
So sehr die vor der eigenen Haustür entdeckte Artenvielfalt auch fasziniert, umso ernüchternder ist ein Blick in die Ställe der Nutztiere. Ebenso wie in der Pflanzenzüchtung sind in den letzten Jahrzehnten fast unbemerkt zahlreiche Nutztierrassen verschwunden. Hielt man früher zum Beispiel Rinder, die sowohl für die Milch- als auch die Fleischerzeugung genutzt und zudem auf dem Acker eingesetzt werden konnten (eine so-genannte Dreinutzungsrasse), stehen an deren Stelle nun Hochleistungsrassen im Stall. Diese sind meist nur für eine Nutzungsrichtung, beispielsweise zur Fleischproduktion, geeignet.
Wenige spezialisierte Tierrassen produzieren heute die Nahrungsmittel der Menschheit. Dadurch entgeht den meisten Verbraucherinnen und Verbrauchern, welche spezifischen Produktqualitäten die biologische Vielfalt in Bezug auf Nährwerte, Geschmack und Verarbeitungsmöglichkeiten bietet.
In Deutschland stehen zurzeit über 100 Nutztierrassen auf der Roten Liste der bedrohten Nutztierrassen. Zur "Gefährdeten Nutztierrasse des Jahres 2011" hat die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) das Limpurger Rind auserkoren. Diese Rasse steht stellvertretend für die gefährdeten Nutztierrassen in Deutschland und soll damit auf den drohenden Verlust der Vielfalt im Bereich der Landwirtschaft aufmerksam machen. Das einfarbig gelbe Limpurger Rind ist die älteste noch existierende württembergische Rinderrasse. Bis in die 1950er-Jahre wurden die Limpurger als Dreinutzungsrind mit den Leistungen Milch, Fleisch und Arbeit geschätzt, danach gingen die Bestände durch die Motorisierung der Landwirtschaft rapide zurück. Um 1960 galt die Rasse als ausgestorben. Im Jahr 1986 unternahmen engagierte Züchter Nachforschungen und fanden noch einige wenige Restbestände. Heute zählt die Rasse wieder 420 Kühe und 15 Bullen.
Rote Liste der bedrohten Nutztierrassen in Deutschland.
Rettung auf Arche-Höfen
Die GEH setzt sich seit 1981 für die Lebenderhaltung der Nutztierrassen ein. Das bedeutet, dass die Tiere nicht als Streichelzoo-Projekt gehalten werden, sondern so auf dem Betrieb eingebunden sind, dass eine langfristige Erhaltung gewährleistet ist. Daher hat die GEH im Jahr 1995 das Arche-Hof Projekt gestartet, dem mittlerweile über 70 Höfe angehören. Auf diesen Höfen können interessierte Privatpersonen oder Schulklassen alte, oft ungewohnt aussehende Tierrassen kennenlernen und Einblick in die Erhaltungsarbeit bekommen. Eine Übersicht mit Standorten finden Sie in der
Liste der Arche-Höfe 2011.
Einige der Arche-Höfe arbeiten nach ökologischen Richtlinien und sind im Netzwerk der Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau organisiert. Lesen Sie in diesen Betriebsporträts, was die Betriebe an den alten Nutztierrassen schätzen und wofür sie auf dem Hof eingesetzt werden:
Entscheidung mit dem Einkaufskorb
Auch Sie können die Erhaltungsarbeit dieser engagierten Landwirte unterstützen, indem Sie deren Angebote nutzen. Fragen Sie bei Ihrem nächsten Einkauf auf dem Wochenmarkt oder im Hofladen gezielt nach Fleisch vom Glanrind oder Gelbvieh, nach Schinken vom Deutschen Sattelschwein und Schnitzel vom Schwäbisch-Hällischen Schwein oder nach Ziegenkäse aus Ihrer Region. Durch Ihren Einkauf leisten Sie einen wertvollen Beitrag zur Artenvielfalt in der heimischen Landwirtschaft. Im Gegenzug dazu werden Sie belohnt durch Geschmacksvielfalt und neue Genuss-Eindrücke.
Informationssystem Genetische Ressourcen (GENRES)
Das Informationssystem Genetische Ressourcen (GENRES) wird vom Informations- und Koordinationszentrum für Biologische Vielfalt (IBV) der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) als Informationsplattform zur Agrobiodiversität betrieben.
- GENRES:
Verbraucher, Ernährung und nachhaltiger Konsum - Faltblatt:
Lust auf Neues: Sortenvielfalt neu entdecken (PDF-Datei) - Faltblatt:
Lust auf Neues: Rassenvielfalt neu entdecken (PDF-Datei)
Filmtipp: Schafsnase, Saibling und Totleger - Leben is(s)t Vielfalt (2009, DVD, 38 Minuten) Vielfalt ist für unsere Ernährung wichtig - je bunter, desto besser. Farbenpracht auf dem Teller heißt Genuss, Vielfalt der Nährstoffe, Gesundheit. Der Film soll einen Eindruck über die biologische Vielfalt in der Landwirtschaft vermitteln und Ihnen den Erhalt dieser Vielfalt schmackhaft machen.
Schutzgebühr: 10,00 Euro
Bezug über:
Informations- und Koordinationszentrum für Biologische Vielfalt (IBV)
Sekretariat 513
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung
Deichmanns Aue 29
53179 Bonn
Tel. 0228/996845-3237
Fax: 0228/99645-3105
E-Mail: ibv@BLE.de
Letzte Aktualisierung: 14.03.2011

