Glutenfreie Ernährung bei Zöliakie
Für Allergiker und Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten ist eine exakte Kennzeichnung der Lebensmittel unabdingbar. 0,5 bis 1 Prozent der Bevölkerung verträgt beispielsweise das Klebereiweiß Gluten nicht. Es kommt in Weizen, Dinkel, Grünkern, Roggen, Gerste und Hafer vor. Auch die überwiegend im Biohandel erhältlichen Getreidearten wie Einkorn, Emmer und Kamut enthalten Gluten. Gelangt der Stoff mit der Nahrung in den Magen und schließlich in den Dünndarm, entzünden sich bei Betroffenen die Darmzotten. Die Zotten filtern alle wichtigen Nährstoffe aus der Nahrung heraus. Wenn sie dauerhaft entzündet sind, funktioniert das nicht mehr richtig. Betroffene haben Beschwerden wie Durchfälle, Blähbauch und Übelkeit. Sie leiden an einer Lebensmittelunverträglichkeit, Zöliakie genannt.
Glutenfreie Lebensmittel wurden anfangs hauptsächlich im Reformhaus angeboten, liegen inzwischen aber schon in jedem gut sortierten Naturkostfachgeschäft und in vielen Supermärkten im Regal. Betroffene finden Brot und Brötchen, Knäckebrot, Nudeln und Mehlmischungen zum Selberbacken sowie Plätzchen und Kuchen auf Basis von Mais-, Buchweizen oder Reismehl. Sie sind mit dem Symbol "durchgestrichene Ähre" als glutenfrei gekennzeichnet.
Was glutenfrei bedeutet
Seit Januar 2012 gilt eine EU-Verordnung, die vorschreibt, was "glutenfrei" bedeutet: Werte, die unter 20 Milligramm pro Kilogramm Lebensmittel liegen. Das ist wenig und erfahrungsgemäß eine Menge, die in der Regel auch von Menschen mit Zöliakie noch vertragen wird. Dennoch gibt es Einzelfälle, die auch nach geringeren Mengen Probleme bekommen.
Einige Betroffene vertragen zwar keinen Weizen, wohl aber Dinkel, besonders dann, wenn es sich um alte Sorten handelt, die im ökologischen Landbau wieder an Bedeutung gewinnen. Dennoch empfiehlt Sofia Beisel von der Deutschen Zöliakie Gesellschaft, sich nicht darauf zu verlassen. "Dinkel löst die Unverträglichkeit genauso aus wie Weizen", erklärt sie. Die Beschwerden können geringer ausfallen oder später auftreten, weil alte Dinkelsorten weniger Gluten enthalten." Wenn keine Symptome auftreten, kann das auch daran liegen, dass Gluten gar nicht der Übeltäter ist, sondern ein anderer Bestandteil des Weizens. Ob man Bio- oder konventionelle Lebensmittel verzehrt, wirkt sich somit nicht auf das Krankheitsbild aus.
Sorgfältige Diagnose ist wichtig
Besteht der Verdacht auf Zöliakie, macht der Arzt in der Regel zunächst einen sogenannten Antikörpertest an einer Blutprobe. Wenn die Diagnose positiv ist, sollte sie aber immer mit einer Darmspiegelung des unteren Zwölffingerdarms abgesichert werden. Die Therapie ist eine lebenslange Diät: Glutenhaltige Lebensmittel müssen konsequent gemieden werden.
Babys früh an Gluten gewöhnen
Bis vor Kurzem wurde Müttern empfohlen, ihren Babys im ersten Lebensjahr möglichst keine allergenhaltigen Lebensmittel mit Fisch, Eiern, Kuhmilch und Weizen zu füttern. Die Lehrmeinung hat sich inzwischen allerdings umgekehrt: Zwischen dem fünften und sechsten Lebensmonat scheint ein guter Zeitpunkt zu sein, um den Körper an alle möglichen Allergene zu gewöhnen. So empfehlen Kinderärzte heute sogar, kleine Mengen der früher verbotenen glutenhaltigen Lebensmittel zu füttern. Werden die Kleinen schon so früh mit Gluten oder anderen Allergenen konfrontiert, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine Unverträglichkeit entwickeln, wesentlich geringer.
Letzte Aktualisierung: 18.01.2012

