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Tomatensorten für den Ökoanbau im Freiland

Kraut- und Braunfäule bedroht Freilandtomaten

Die Tomate gehört zu den wichtigsten Gemüsesorten in Deutschland. Der "Paradiesapfel" wächst in fast jedem Garten und auch auf vielen Balkonen. Eigentlich optimale Verhältnisse für die beliebten rote Früchte - wäre da nicht die Kraut- und Braunfäule als teilweise dramatisches Problem: Ohne Schutz sind Tomatenpflanzen oft bereits im Sommer stark geschädigt und die Früchte haben Faulstellen. Verursacht wird die Fäule durch den Pilz Phytophthora infestans, der auch die Kraut- und Knollenfäule der Kartoffel verursacht. Kommerziell angebaut werden Tomaten daher fast nur noch in Gewächshäusern oder unter Folie: "Im Erwerbsgemüseanbau spielen Freiland-Tomaten leider keine Rolle mehr", sagt Dr. Bernd Horneburg von der Universität Göttingen. "Die Züchtung legt hier schon lange ihren Schwerpunkt auf die Produktion unter Glas und Folie, auf einheitliches Aussehen und gute Transport- und Lagerfähigkeit. Dies hat zu einem Verlust der Sortenvielfalt und Anbaumöglichkeiten geführt", betont der Pflanzenzucht-Experte.

Mit geeigneten Tomatensorten ist der Freilandanbau möglich

verschiedene Tomatensorten aus Freilandanbau
© B. Horneburg

Diesen Zustand möchte Horneburg, der an der Abteilung Pflanzenzüchtung der Fakultät für Agrarwissenschaften in Göttingen arbeitet, gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen ändern: In Kooperation mit dem gemeinnützigen Verein Dreschflegel e.V. untersucht er seit dem Jahr 2003 Tomatensorten, die eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen Kraut- und Braunfäule mit ausgezeichneten Ertrags- und Qualitätseigenschaften kombinieren. Ziel ist es, Sortenempfehlungen für den ökologischen Freilandanbau zu geben und durch ein verbessertes und erweitertes Sortenspektrum den weitgehend eingestellten Freilandanbau von Tomaten zu fördern. Das Projekt wird im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gefördert.

In dem Projekt wurden 3.500 traditionelle und neue Sorten im gesamten Bundesgebiet auf Dreschflegel-Betrieben und in kooperierenden Einrichtungen geprüft. Für jede Größenklasse – Wild-, Cocktail-, Salat-, Koch- und Fleischtomaten - wurden regionale Anbauempfehlungen entwickelt. Nun soll die Vermehrung und Verbreitung geeigneter Sorten in die Wege geleitet und ihr Anbau durch Öffentlichkeitsarbeit gefördert werden.

Keine Patentrezepte

Aus den Ergebnissen der vergangenen Versuchsjahre können die Wissenschaftler einige Sorten wie Cerise Rot, Cerise Gelb, Celsior, Matina und Paprikaförmige für den Anbau im Kleingarten empfehlen. Damit ist der Aufwand für Regenschutz, Bewässerung und ggf. Pflanzenschutz deutlich vermindert. Auch diese ausgewählten Sorten werden befallen, können aber einen akzeptablen Ertrag liefern. Selbst in klimatisch sehr ungünstigen Lagen kann der Anbau von speziellen Cocktailtomaten (z.B. Resi Gold) und Wildtomaten (z.B. Rote Murmel und Golden Currant) gewagt werden. "Wir möchten betonen, dass es keine Patentrezepte für hundertprozentigen Erfolg gibt", sagt Bernd Horneburg. "Aber mit geeigneten Sorten sowie der Wahl eines sonnigen und luftigen Standortes fern von Kartoffeln lassen sich die Möglichkeiten für eine Selbstversorgung mit schönen, schmackhaften und qualitativ hochwertigen Tomaten erheblich verbessern!"

Linktipps

Wollen Sie mehr über den Anbau von Tomaten im eigenen Garten erfahren? Dann empfehlen wir Ihnen diese interessanten Artikel mit vielen Praxistipps auf den Seiten des Dreschflegel e.V.:

Letzte Aktualisierung: 08.12.2011

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