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Heimische Biokartoffeln sind Klimaschützer

 

Die ersten Biokartoffeln aus Übersee liegen im März in den Regalen des Handels. Vor allem das Angebot israelischer und ägyptischer Bioware erhöht sich ab Mitte März auf dem deutschen Markt sprunghaft - hauptsächlich im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel (LEH) und Discount, aber auch in einigen Geschäften des Naturkostfachhandels. Und dies, obwohl noch ausreichende Mengen heimischer Biokartoffeln in guten Qualitäten verfügbar sind. Aus Sicht der deutschen Biobauern ein Ärgernis und fragwürdig aus Sicht des Klimaschutzes.

Deutsche Ware so lange wie möglich

Muss es immer der erste Spargel, die ersten Kartoffeln oder die ersten Möhren sein? Ganzjährig verfügbare Bioprodukte und stark ausgeweitete Sortimente haben den Import von Bioprodukten in den letzten Jahren mehr und mehr zur Selbstverständlichkeit gemacht. Auch zu Zeiten, in denen die Produkte heimischer Bioerzeuger noch am Markt verfügbar sind. Aus Sicht der deutschen Biobauern ist das ein Ärgernis. Und in Anbetracht von Geschmack, Klimaschutz und wachsendem Bewusstsein für regionale Produkte durchaus fraglich.

Treibhausgasbilanzen für Biokartoffeln

Kartoffelernte. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Kartoffelernte auf einem Biobetrieb
Foto: T. Stephan

Bio-Lagerkartoffeln und -möhren gibt es bis weit in den Frühling hinein. Wie neue Untersuchungen zeigen, schmecken sie noch genauso gut wie nach der Ernte. Es ist wohl eher eine Marketing-Sache, wenn dem Verbraucher die Wahl gelassen wird zwischen den ersten frischen Produkten oder der Lagerware. Die Lagerung erfolgt ungekühlt oder gekühlt.

Lager mit intensiver Kühlung ermöglichen, dass die Lagerkartoffel bis Ende April ihre Qualität behält. Trotz der Lagerung und dem damit verbundenen Energieaufwand weisen die heimischen Produkte in der CO2-Bilanz deutlich bessere Werte auf, als die ersten Frühkartoffeln aus Israel. Diese schneiden übrigens geschmacklich meistens schlechter ab als die deutschen Lagerkartoffeln, da sie auf Sandboden und unter anderen klimatischen
Bedingungen wachsen.

Anbauverfahren und Transportwege sind entscheidend

Die Berechnung der Klimabilanzen von Biokartoffeln aus verschiedenen Ländern wurde von der AGRA-TEG durchgeführt. Die Firma, die das System "Stop-Climate-Chang" entwickelt hat, ist eine Ausgründung der Universität Göttingen.

Das Fazit der Berechnungen, das im Grundsatz auch für Biomöhren gilt, lässt sich so zusammenfassen:

  • Im April auf den Markt gebrachte heimische Biokartoffeln haben trotz Lagerung eine bessere Treibhausgasbilanz als israelische oder spanische Ware. Und das, obwohl in den Berechnungen mit der Maschinenkühlung die energieaufwändigste Lagervariante unterstellt wurde.
  • Die höheren CO2-Belastungen der Import-Kartoffeln sind vor allem durch die längeren Transportwege per LKW und Schiff bedingt. Durch die Transporte werden die Emissionen für die längere Lagerung der deutschen Biokartoffeln überkompensiert.
  • In Spanien und ganz besonders in Israel entstehen Treibhausgasemissionen durch die für den Bio-Kartoffelanbau erforderliche hohe Bewässerung. Aufgrund dessen schneiden die in Israel angebauten Biokartoffeln insgesamt mit der höchsten CO2-Belastung ab.

Die Produktionsverfahren für Biokartoffeln in Ägypten sind denen in Israel ähnlich.

Treibhausgasbilanz für Biokartoffeln verschiedener Herkünfte

Abbildung der Treibhausgasbilanz für Biokartoffeln. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Betrachtung für den Monat April
Grafik: Darstellung nach Berechnungen der AGRA-TEC/ Universtität Göttingen, 2010
 

Fazit

Deutsche Biokartoffeln im Frühjahr sind schmackhaft und tun der Umwelt gut - ebenso wie Biomöhren. Heimische Ware sollte daher solange den Vorzug vom Händler erhalten, wie sie in guten Qualitäten und ausreichenden Mengen verfügbar ist. Dies trägt dem Verbraucherbedürfnis nach regionalen Bioprodukten Rechnung, unterstützt den heimischen Ökolandbau und hilft, unnötige Klimabelastungen zu vermeiden.

Aus der Forschung - für die Praxis

Gemeinsame Regionalvermarktung von ökologischen und konventionellen Produkten?

Ist die Verwendung von Regionalmarken, die sowohl Ökoprodukte also auch regionale Nicht-Bioprodukte umfassen, eine attraktive Marketingstrategie? Oder bedeutet es einen Profilverlust für den Naturkosthandel, wenn an anderer Stelle auch konventionelle Erzeugnisse mit demselben Regionallabel gekennzeichnet werden wie Bioprodukte? Das Institut für ländliche Strukturforschung (IfLS) hat bestehende und potenzielle Synergien zwischen Biomarkt und regionalen Vermarktungsinitiativen untersucht.

Näheres zum Projekt:

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