Essen mit Blick auf den Klimaschutz (Mai 2007)
Klimaschutz auf dem Teller
Im Gegensatz zu klimaschädigenden Emissionen durch Heizungen, Verkehr oder Fabriken wurde der Einfluss der Ernährung in der Öffentlichkeit bislang wenig diskutiert. Dr. Karl von Koerber, Leiter des Beratungsbüros für Ernährungsökologie in München, möchte das ändern. Er fordert daher auf, den Klimaschutz wörtlich gesehen in den Mund zu nehmen. Auf der Tagung des Verbandes für unabhängige Gesundheitsberatung (UGB) im Mai 2007 stellte er Strategien vor, wie jeder Einzelne über sein Essverhalten die Klimaänderung effektiv und leicht beeinflussen kann.

- (c) BLE, Bonn; Foto: D. Menzler
Die Ernährung trägt allein in Deutschland zu 20 Prozent am Ausstoß von Treibhausgasen bei. Den größten Anteil macht dabei die Erzeugung tierischer Lebensmittel aus, gefolgt von Verbraucheraktivitäten wie Einkaufen, Kühlen oder Kochen und dem gewerblichen Transport.
Karl von Koerber nennt als zentrale Gründe für die starke Belastung durch tierische Lebensmittel den Energieeinsatz bei der Tierhaltung sowie die Produktion von Futterpflanzen mithilfe mineralischer Stickstoffdünger. Zwar liefern Tiere hochwertige Nahrungsmittel, doch empfiehlt der Wissenschaftler, sich auch aus Gründen des Klimaschutzes überwiegend vegetarisch zu ernähren. Wenn, dann sei Primärprodukten wie Milch der Vorzug vor Wurst, Käse oder anderen weiterverarbeiteten Erzeugnissen zu geben.
Bio-Lebensmittel schneiden deutlich besser ab
Untersuchungen belegen, dass ökologisch wirtschaftende Betriebe wesentlich weniger Energie pro Fläche benötigen und weniger Treibhausgase verursachen als konventionelle Landwirte. Neben direkten Einflüssen trägt die ökologische Landwirtschaft auch zur Verringerung der Bodenerosion bei, schützt die Gewässer und fördert die natürliche Bodenfruchtbarkeit. "Regional ist dabei erste Wahl", ergänzt Karl von Koerber und verweist auf die starke Zunahme von Lebensmitteltransporten. Betrachte man den Kohlendioxid (CO2)-Ausstoß in Abhängigkeit von Entfernung und Transportmittel, sehe man, dass Lastkraftwagen (LKW) erheblich schädlicher sind als Bahn oder Schifffahrt. An der Spitze der Klimafeinde stehen jedoch Flugzeugtransporte, die das Klima rund 80 mal stärker als Schiffstransporte und bis zu 300-mal mehr als per LKW aus der Region befördertes Gut belasten. Problem für den Verbraucher: Bislang müssen Transportmittel auf Lebensmitteln nicht deklariert werden.

- (c) BLE, Bonn; Foto: T. Stephan
Eine weitere Möglichkeit, um das Klima zu schonen, beruht auf dem Kauf saisonaler Freilandware. Beispielsweise verursacht der Gurkenanbau in beheizten Treibhäusern oder Folientunneln 2300 Gramm CO2-Äquivalente pro Kilogramm Ware [g/kg], wohingegen der Anbau im Freiland nur 170 g/kg entspricht. Frische und gering verarbeitete Lebensmittel belasten als Klima auch wesentlich weniger als entsprechende Tiefkühlware, bei der eine energieaufwändige geschlossene Kühlkette notwendig ist. "Nach einer Untersuchung des Öko-Instituts Freiburg verursachen etwa Tiefkühl-Pommes im Schnitt 23-mal mehr CO2-Äquivalente als frische Kartoffeln", führt Karl von Koerber exemplarisch an. Als Zusatztipps rät er zu energiebewusstem Selber-Kochen, zum Verzicht auf unnötige Einkäufe mit dem Auto und zum Kauf sparsamer Haushaltsgeräte – allerdings erst bei Bedarf.
Letzte Aktualisierung: 08.12.2011
