Außer-Haus-Verpflegung


Vom (Groß)verbraucher zum Mitproduzenten

Erntehelfer mit frisch geernteten Tomaten in Kiste. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Bei einigen SoLaWis helfen die Mitglieder bei der Ernte, in anderen ernten die landwirtschaftlichen Mitarbeiter. Über eine reiche Ernte freuen sich am Ende alle. Foto: T. Stephan, BLE

Ganz neu ist sie nicht, die Idee der solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi). Erste Betriebe haben bereits Anfang der 1960er-Jahre die klassische Landwirtschaft neu gedacht und zu einer Art Wirtschaftsgemeinschaft hin entwickelt. In Amerika ist sie unter dem Begriff CSA - Community Supported Agriculture (gemeinschaftlich getragene Landwirtschaft) bekannt und in Japan nennt sie sich Teikei, zu deutsch Partnerschaft. Ein starres Konzept gibt es bei dieser Form der Landwirtschaft nicht. Jede SoLaWi hat ihre eigenen Besonderheiten und Regeln.

Allen gemeinsam ist jedoch der Gedanke, dass ein landwirtschaftlicher Betrieb eine Gruppe von Menschen das Jahr über mit Lebensmitteln versorgt. Im Gegenzug stellen die  Abnehmerinnen und Abnehmer der Lebensmittel die nötigen finanziellen Mittel für die Produktion bereit.

Landwirtschaft ohne Vermarktungszwang

Durch die Vorfinanzierung der Landwirtinnen und Landwirte übernehmen die Abnehmerinnen und Abnehmer einen wesentlichen Teil der betriebswirtschaftlichen Verantwortung. Bäuerin und Bauer können sich ganz ohne Absatzsorgen auf ihre Kernaufgaben konzentrieren: die Produktion gesunder Lebensmittel und den Erhalt eines gesunden Bodens zur Sicherung zukünftiger Ernten. Angebaut wird das, was die Mitglieder der SoLaWi festlegen.

Besprochen wird das alles auf den Mitgliederversammlungen, die je nach SoLaWi monatlich, halbjährlich oder jährlich stattfinden. Die Landwirtin oder der Landwirt stellen den Finanzbedarf für das kommende Jahr vor. Der Betrag wird über Mitgliedsbeiträge finanziert. Die Mitgliedsbeiträge orientieren sich oft an dem Einkommen der Mitglieder und werden in einer Bieterrunde gemeinsam festgelegt. Je nach Produktangebot und Anzahl der Mitglieder bewegen sie sich grob zwischen 50 bis 150 Euro pro Person.

Frische Produkte aus der Region

Bauer inspiziert Bohnenpflanze. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Um die Vermarktung seiner Produkte muss sich die Landwirtin oder der Landwirt in der SoLaWi nicht sorgen. Es kann sich voll und ganz auf die Produktion konzentriert werden. Foto: T. Stephan, BLE

Ein großer Vorteil der SoLaWi liegt in der Konzentration auf die Region. Die Mitglieder einer SoLaWi wohnen in der Regel nicht weit von der Landwirtschaft entfernt. Viele SoLaWis liegen in der Nähe von großen Städten. Die Produkte können direkt dort abgeholt oder an verschiedene Depots verteilt werden. Ganz automatisch lernen die Mitglieder nicht nur, was wann wächst. Sie merken auch sehr bald, dass saisonale Produkte einfach besser schmecken. Landwirtschaftliche Produkte steigen in der persönlichen Wertschätzung.

Jeder kann mitmachen

Bislang wird das Konzept der SoLaWi eher von Privathaushalten getragen. Es spricht jedoch einiges dafür, dass sich auch Betriebe der Gemeinschaftsverpflegung und Gastronomie an einer SoLaWi beteiligen. Regionale und saisonale Produkte sind gefragt wie nie. Mit der Mitgliedschaft in einer SoLaWi übernimmt die Großküche Verantwortung für die Region, aus der ihre Tischgäste kommen, und kann sich damit positiv positionieren.


Letzte Aktualisierung: 14.08.2019