Kita-Verpflegung – aus der Region auf den Teller

Aus der Region auf den Teller

Bisher vermarktet das unweit von Schweinfurt gelegene Schloss Gut Obbach seine eigenen Bio-Produkte vor allem an Naturkostfachgeschäfte, den Lebensmitteleinzelhandel und über Hofläden in der Region. "Mit der Vermarktung in Richtung Außer-Haus-Verpflegung haben wir gerade erst angefangen", weiß Petra Sandjohann vom Schloss Gut. Doch diese Beispiele könnten Schule machen.

Bio-Lebensmittel im Kindergarten

Seit der Kindergarten St. Peter und Paul in Westheim bei Hammelburg 2010 eine Frischeküche mit eigener Köchin eingerichtet hat, kommen dort so weit wie möglich Bio-Produkte auf den Teller. Das Bio-Mehl für Pfannkuchen, Aufläufe und Spätzle und Haferkörner bezieht die Küche vom Schloss Gut Obbach. "Den Hafer quetschen die Kinder bei uns selbst zu Haferflocken – das gehört bei uns zum pädagogischen Konzept", berichtet Ute Koch. Sie hat den Aufbau der Küche von Anfang an begleitet und ist für die Organisation der Verpflegung zuständig. Gemüse und Kartoffeln stammen von einem Naturlandhof in der Nähe, das Obst von einem konventionellen Familienbetrieb in der Region und die Eier kaufen sie von einem angrenzenden Bauernhof mit mobilen Hühnerställen. "Wir haben uns zum Ziel gesetzt, in Zukunft noch mehr Bio-Lebensmittel zu verwenden", so Koch. "Dass wir selbst frisch kochen und so gut wie keine Convenience-Produkte verwenden, spart auch Kosten beim Einkauf."

Immer wieder erkundigen sich Mitarbeitende aus anderen Kindergärten, wie es in Westheim gelungen ist, eine Frischeküche mit hohen Bio-Anteilen umzusetzen. Die wichtigste Botschaft von Ute Koch bei solchen Gesprächen: "Es ist wichtig, in der Einrichtung eine Person zu haben, der die gesunde, saisonale und biologische Ernährung der Kinder am Herzen liegt. Am besten ist, wenn sie das auch selbst so lebt."

"Von Hürden nicht abschrecken lassen"

Auch das Kinderhaus St. Bartholomäus in Greßthal serviert seinen 70 Kindern unter anderem regionale Bio-Produkte vom Schloss Gut Obbach: Dinkel und Weizenmehl, Kartoffeln, Äpfel, Kürbisse und anderes saisonales Gemüse. "Für uns ist es ein Glück, dass wir mit dem Gut Obbach einen regionalen Lieferanten haben, der nur vier Kilometer entfernt ist", so Doreen Maar, Leiterin der 2019 eingerichteten Frischeküche. Anderen Einrichtungen, die auch regionale Bio-Produkte einsetzen möchten empfiehlt sie: "Man sollte sich von den ganzen Hürden nicht abschrecken lassen. Es ist machbar, funktioniert gut und auch die Lebensmittel in Bio-Qualität sind bezahlbar." Auch im Kindergarten St. Christophorus in Euerbach kommt Bio-Mehl vom Schloss Gut Obbach bei Koch- und Backaktionen zum Einsatz. „Zum einen möchten wir damit den regionalen Handel unterstützen", so die Leiterin Nathalie Koch, "zum anderen versuchen wir auch den Kindern Bio und Regionalität näher zu bringen". Der Kindergarten wird allerdings nicht beliefert, sondern die Mitarbeitenden kaufen die Bio-Produkte vom Schloss Gut und beim Lebensmitteleinzelhandel in der Nähe.

Erfolgsfaktoren Frischeküche und Qualifizierung

"Eine der wichtigsten Stellschrauben für die Einführung von Bio-Produkten ist die Einrichtung von Frischeküchen, die von professionell qualifiziertem Personal betrieben werden", so Michael Böhm vom Beratungsbüro Ecozept im bayerischen Freising. "Denn Küchen, in denen selbst gekocht wird und die weniger Convenience-Produkte verwenden, können ein Konzept mit bioregionalem Einkauf auch wirtschaftlich leichter attraktiv umsetzen – vorausgesetzt, die so verarbeiteten Mengen sind groß genug."

Je mehr Nachfrage, umso effizienter die Logistik

Insgesamt belegen die Beispiele, dass der Bezug bioregionaler Produkte in Kita-Küchen gut funktionieren kann. Aber sie zeigen auch die Hürden für die regionale Beschaffung.

Für die Küchenverantwortlichen ist es ein zusätzlicher Aufwand, wenn sie die Bio-Produkte selbst beim direktvermarktendem Betrieb abholen müssen. Umgekehrt ist auch für die Betriebe "die Logistik häufig ein Nadelöhr", räumt Petra Sandjohann ein. Vor allem, wenn die Küchen nur kleinere Mengen abnehmen, macht das die Belieferung betriebswirtschaftlich schwierig. Hinzu kommt der oft höhere Aufwand bei den Absprachen und der Bestellung. "Bei der Lieferung an den LEH oder an Hofläden habe ich dort einen Ansprechpartner", so die Betriebsleiterin für die Vermarktung beim Gut Obbach. "Aber in den Kitas reden viele mit: Träger, Leitungen und Elternschaft." Und die haben oft unterschiedliche Erwartungen und Prioritäten. Den rund 16 Kilometer entfernten Kindergarten in Westheim beliefert das Schloss Gut, weil "wir auf dieser Tour noch Hofläden mit unseren Bio-Produkten versorgen." Wenn ein Kindergarten auf so einer Strecke liegt, kann er auch leichter mit beliefert werden. Das bedeutet aber auch: Je mehr Einrichtungen nach bioregionalen Lebensmitteln fragen, umso leichter wird es, dafür eine auch wirtschaftlich tragbare Logistik aufzubauen.

Kinder erziehen ihre Eltern

Trotz des Aufwandes, den der Einstieg in die Belieferung von Küchen der Gemeinschaftsverpflegung am Anfang machen kann, möchte Petra Sandjohann diesen Weg der Vermarktung auch in Zukunft weiter ausbauen. Zum einen, weil die Außer-Haus-Verpflegung mittelfristig immer wichtiger wird. Zum anderen aber auch, weil es für das Schloss Gut eine Art von Öffentlichkeitsarbeit darstellt. Wenn die Tischgäste in einer Küche ihre Bio-Produkte essen, interessieren sie sich vielleicht auch im privaten Bereich dafür. So berichtet die Mutter eines Kindergarten-Kindes in Greßthal, dass sie jetzt beim Einkaufen von der Tochter belehrt wird, was sie für die Familie einkaufen soll.

Lesetipp:

Bio-Verpflegung in Kindertagesstätten und Schulen

Umsetzung von Bio-Essen in der Kita und Schulverpflegung

  • Erscheinungsjahr 2018
  • Herausgeber: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), Geschäftsstelle Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN)
  • Konzeption, Text und Redaktion: Geschäftsstelle BÖLN, Anke Brückmann
  • Bestellung / Download: BLE-Medienservice

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