Bioprodukte in der Kantine

Bioprodukte in der Kantine

Für Unternehmen, die sich einer gesellschaftlichen und globalen Verantwortung stellen, ist es inzwischen selbstverständlich, Ziele der Nachhaltigkeit in ihren strategischen Leitlinien zu formulieren. Diese sollten auch für den Verpflegungsbereich gelten. "Der Einsatz von Bioprodukten in der Kantine ist Ausdruck dafür, dass diese Ziele nicht nur auf dem Papier stehen, sondern in der täglichen Praxis auch umgesetzt werden", bekräftigt Prof. Dr. Gertrud Winkler. Die Professorin für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen beschäftigt sich seit Jahren mit der Betriebsverpflegung und ihrer Bedeutung im Betrieblichen Gesundheitsmanagement.

Vorteile nach innen und außen

Ob ein Verpflegungskonzept mit Bioprodukten in der Praxis funktioniert, hängt allerdings sehr stark davon ab, wie die Kantine im Unternehmen eingebettet ist. Wird die Verpflegung nur als Kostenfaktor im Facility Management verstanden? Oder sieht die Geschäftsleitung die Chancen, die eine attraktive Mittagsverpflegung nach innen und außen bietet? Je besser das Verpflegungsangebot, umso größer sind die Zufriedenheit und Leistungsbereitschaft der Mitarbeitenden. Darüber hinaus ist die Betriebsgastronomie nicht nur wichtiger Teil einer guten internen Unternehmenskultur - sie dient auch als Aushängeschild des Unternehmens. Dies wird nicht nur von der allgemeinen Öffentlichkeit sondern auch von Medien und Geschäftspartnern so wahrgenommen. Wenn ein Unternehmen für seine hochwertigen Produkte am Markt einen guten Preis erzielen möchte, ist es dann nicht nur logisch und zwingend, auch beim Essen die Qualität groß zu schreiben?

Würden Sie in der Kantine/Mensa Gerichte bevorzugen, die ganz oder teilweise mit Biolebensmitteln hergestellt werden?*
in Prozent
Ja, bewusste Bevorzugung31
Ja, Bevorzugung bei Gerichten mit bestimmten Lebensmitteln20
Das käme auf den Preis an18
Nein, keine bewusste Bevorzugung24
Nein, grundsätzliche Ablehnung6
Weiß nicht2

* Quelle: Ökobarometer 2017, 616 Befragte (berufstätig oder in Ausbildung)

Dass über die Hälfte der Personen in Beruf oder Ausbildung gegenüber Bioprodukten in Kantine oder Mensa positiv eingestellt sind, zeigte das im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft durchgeführte Ökobarometer 2017.

Betriebsgastronomie in 100 Prozent Bioqualität

Eines von vielen guten Beispielen in der Praxis ist das Verpflegungskonzept der Tettnanger Vaude Sport GmbH & Co KG. Seit 2015 bietet der Anbieter für umweltfreundliche Outdoorausrüstung seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern täglich Mittagsgerichte in 100 Prozent Bioqualität an. "Für uns war von Anfang an klar, dass wir mit dem Neubau der Küche auf Bio umstellen", so der Küchenchef Wolfgang Leib. "Wenn unsere Mitarbeiter gesundes Essen bekommen, dann sind sie gut gelaunt und voller Energie – das tut auch dem Geschäft gut", bekräftigt der gelernte Koch. Entscheidend ist für ihn dabei eine gute Kommunikation zu den Gästen. "Man muss auch nach außen tragen, was man in der Küche herstellt und auf den Teller bringt".

Passende Biokonzepte für jeden Betrieb

Allerdings kann so ein konsequentes Biokonzept nicht als Blaupause für alle Unternehmen und Einrichtungen dienen. "Jede Kantine braucht ihr eigenes Konzept", weiß Prof. Winkler aus vielen Erfahrungen. Ist das Unternehmen im produzierenden Gewerbe tätig oder im Dienstleistungsbereich? Wie hoch ist der Frauenanteil? Welchen Stellenwert hat die Verpflegung im Betrieb und welche Stakeholder von der Geschäftsleitung über die Personalvertretung bis hin zum Küchenteam stehen hinter dem Biokonzept? Diese Akteurinnen und Akteure müssen von Anfang an mit ins Boot genommen werden. Dabei kann es im Einzelfall durchaus sinnvoll sein, sich am Anfang kleinere, realistische Ziele zu setzen und nicht mit einem Schritt gleich zu viel erreichen zu wollen. "Jede Kantine tickt anders", weiß Prof. Winkler. "Aber wenn wichtige Stakeholder mit Begeisterung an einem Strang ziehen, dann geht vieles".

Bio-Aktionswochen als Einstieg

Dass Biogerichte am Arbeitsplatz bei Unternehmen und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gut ankommen, zeigt auch die stetige Resonanz auf die Bio-Aktionswochen, die die Projektstelle "Ökologische Essen" im BUND Naturschutz Bayern e.V. regelmäßig durchführt. Bei diesem längerfristig angelegten Projekt geht es nicht um einmalige Effekte, sondern durch den Impuls der Aktionswoche und Beratung sollen Betriebsrestaurants dauernhaft Biokomponenten in ihr Angebot integrieren. "Bei einer angepassten Gestaltung des Speiseplans sind in der Betriebsgastronomie dauerhaft 20 Prozent Bio-Anteil machbar und wirtschaftlich möglich", bekräftigt Elisabeth Peters von der Projektstelle Ökologisch Essen in München.


Letzte Aktualisierung 06.06.2020

Bio kann jeder

Logo Bio kann jeder

Die Kampagne für eine ausgewogene Außer-Haus-Verpflegung von Kindern und Jugendlichen

Zur Kampagne "Bio kann jeder"

Die Initiative BioBitte.

Ziel der Initiative ist es, den Bioanteil in der öffentlichen Außer-Haus-Verpflegung auf 20 Prozent und mehr zu steigern.

Zur Initiative BioBitte.

Nach oben