Wie sich die Stärkung der Bio-Verarbeitung erreichen lässt, diskutierten Tina Andres, Friedhelm von Mering und Carola Krieger mit dem Bundestagsabgeordneten und Bio-Müller Alexander Engelhard, Arnim Wiek und weiteren Branchenakteurinnen und -akteuren. An das Wirtschaftsministerium appellierte die BÖLW-Vorsitzende, die ökologische Wertschöpfungskette ins Visier zu nehmen: "Verarbeitung ist nicht nur ein landwirtschaftliches Thema, sondern ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor, ein Rückgrat unserer Wirtschaft. Essentiell ist deshalb eine enge Verzahnung von Wirtschafts- und Agrarpolitik."
Friedhelm von Mering unterstrich: "In der Bio-Verarbeitung ist die Strukturfrage relevanter als in der übrigen Landwirtschaft." Als Beispiel nannte er die Bio-Milchverarbeitung. So seien die Anlagen der Industriemolkereien nicht darauf ausgelegt, die vergleichsweise kleinen Milchmengen von Bio-Höfen zu verarbeiten.
Für eine deutliche Entlastung der KMU machte sich Alexander Engelhard, Berichterstatter Ökolandbau der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, stark: "Gerade handwerkliche und mittelständische Betriebe sind über Gebühr belastet, unter anderem durch zahlreiche Berichtspflichten und Auflagen, die auf industrielle Prozesse zugeschnitten sind."
Als einen weiteren wichtigen Schlüssel zur Stärkung der mittelständischen und handwerklichen Bio-Lebensmittelwirtschaft sehen die Fachleute einen deutlich erleichterten Zugang zu Förderprogrammen. Zwar gebe es bereits Fördertöpfe für Bio-Unternehmen, beispielsweise aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" (GAK) oder der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" GRW. Doch diese Programme seien bisher viel zu wenig bekannt, nicht in allen Regionen nutzbar oder zum Teil so kompliziert, dass die Fördermittel von den Unternehmen kaum abgerufen werden. Abschließend betonte Tina Andres: Förderinstrumente allein reichen aber nicht aus, um der Konkurrenz der großen Unternehmen die Stirn bieten zu können. Vielmehr müsse es jetzt auch darum gehen, faire Wettbewerbsbedingungen für die mittelständischen und handwerklichen Unternehmen zu schaffen.
Text: Nina Weiler