Außer-Haus-Verpflegung


Bioeinweggeschirr aus nachwachsenden Rohstoffen

Holzbox mit hellen Schalen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Pflanzliche Verpackungen – Take-Away-Boxen aus Zuckerrohr. Foto: Caduli

Um die Meere zu schützen, hat die EU-Kommission der Plastikflut den Kampf angesagt. Besteck, Teller, Rührstäbchen und Trinkhalme aus Kunststoff sollen voraussichtlich ab Frühjahr 2021 verboten sein.

Neue EU-Vorschriften zu Einwegkunststoffprodukten

Entsprechend suchen viele Unternehmen fieberhaft nach Alternativen. Darunter gute und weniger gute. So hat die Verbraucherzentrale vierzehn vermeintliche Bioeinweggeschirre geprüft und festgestellt: Die Vorsilbe Bio verspricht einen Ökovorteil, den sie häufig nicht einhalten. Denn anders als bei Biolebensmitteln gibt es bei Bioverpackungen keine klaren Richtlinien.

Check von Bioeinweggeschirr

Zu den Pseudo-Ökoprodukten gehört das Bambus-Geschirr. Das besteht vor allem aus Kunststoffen wie Melaminharz. Das Chemische Untersuchungsamt Stuttgart hat Bambusgeschirr und Bambus-Kaffeebecher geprüft: Etwa ein Drittel der Gefäße gab Melamin und/oder Formaldehyd an die Lebensmittel ab.

Trinkhalme aus Stroh oder Nudeln

Becher und Strohhalme. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Biostrohhalme verdienen ihren Namen wirklich. Foto: Jutta Schneider-Rapp

Eine wirklich ökologische Alternative zu Plastiktrinkhalmen sind Strohhalme aus Biostroh oder Nudeln. Die lassen sich anschließend über die Biotonne entsorgen. Solche pflanzlichen Strohhalme setzen ein ökologisches Zeichen auf Kitafesten oder in der Schulcafeteria. Dort können sie Schülerinnen und Schüler und Eltern motivieren, auch zuhause Einweggeschirr aus Kunststoff zu verbannen. Für professionelle Caterer sind sie jedoch nur bedingt einsetzbar: "Stroh kann zerbröseln. Nudeln und Stroh haben einen Eigengeschmack, wenn man länger darauf nuckelt. Deshalb setzen wir unbeschichtete Papiertrinkhalme ein. Die gibt es inzwischen auch als knickbare Modelle", erläutert Wolf Meyer-Plate, Inhaber vom Biocaterer Caduli aus Mannheim.

Palmblattgeschirr – ein ästhetisches Abfallprodukt

Muffins in Palmblattschalen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Im Palmblattgeschirr kommen kleine Gerichte groß heraus. Foto: Caduli

Einfach edel wirken Teller oder Take-Away-Boxen aus Palmblatt. Fingerfood in Palmblattschälchen ist ebenfalls ein ästhetischer Genuss. Als Rohstoff dafür dienen die Blätter der Arekapalme. Die muss niemand entlauben, sondern sie wirft freiwillig ihre Blätter ab. Aus diesem Abfallprodukt lassen sich dann nur mit Wasserdampf Geschirr und Besteck herstellen. "Das sieht hochwertig aus wie Holz, hat aber weniger Eigengeschmack", weiß Wolf-Meyer-Plate.

Theoretisch dürfte das ausgediente Geschirr aus Palmblättern in die Biotonne. Mangels eindeutiger Regelungen kann aber niemand bestimmen, welche Behandlungen das individuelle Produkt durchlaufen hat oder welche Beschichtungen es trägt. Deswegen landet das kompostierbare Pflanzenprodukt dann doch wieder im Restmüll. Die kommunalen Entsorgungsbetriebe sind bisher besonders auf die Abfallmengen von Großverbraucherinnen und Großverbrauchern nicht eingerichtet.

Brötchentüten aus Graspapier sind wirklich grün

Der heimische Rohstoff Gras kann Verpackungen grüner machen. Das Gras wird getrocknet, gereinigt zu Pellets gepresst und bei der Papierherstellung den Holzfasern zugemischt. Grasfasern sind überall verfügbar. Sie enthalten im Gegensatz zu Holz kein Lignin, welches bei der Papierherstellung erst mit viel Wasser und Chemie herausgewaschen werden muss.

Erklärvideo zur Graspapierherstellung

"Wer Graspapier mit Grasanteilen von mindestens vierzig Prozent einsetzt, kann viele Ressourcen sparen: Material, Gewicht, Treibhausgase, Energie und Abwasser. Außerdem wird durch den hohen Anteil an Grasabfall - ein schnellwachsender Rohstoff - auch der Bedarf von Zellstoff liefernden Bäumen aus Plantagen verringert", bilanziert die ökologische Verpackungsexpertin Carolina E. Schweig. Graspapier dient bereits als Tragetüte in vielen Supermärkten. Auch Brötchen- oder Pommestüten sind erhältlich. Weitere Produkte folgen.

PLA - praktisch, nur nicht für die Kompostwerke

Durchsichtiger Plastikbecher. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Becher aus PLA ähneln klassischem Kunststoffprodukten. Foto: Jutta Schneider-Rapp

Vielfach im Einsatz ist durchsichtiges oder buntes Geschirr aus Polyactid Acid (PLA). Das besteht zu 100 Prozent aus natürlichen Rohstoffen, meist aus Maisstärke. Es gibt PLA als Besteck, Geschirr und Becher für Kaltgetränke. Für heiße Speisen und Getränke muss PLA zu CPLA (Crystallized PLA) weiter verarbeitet werden. CPLA lässt sich auch recyceln und heißt dann RCLPA (Recycled CPLA). Nur macht das bisher keiner. Auch die Kompostierung ist noch nicht praxisreif: Denn Biokunststoffe lassen sich zwar kompostieren, aber ihr Abbau dauert viel länger als bei Küchen- und Gartenabfällen. "Dennoch können Biokunststoffe bei Verpackungen in fünf bis zehn Jahren eine Alternative zu Kunststoffen aus Erdöl sein", hofft Verbraucherschützer Philip Heldt. In puncto Geschirr rät er nach wie vor: "Wer wirklich die Umwelt schützen möchte, benutzt spülbares Mehrweg-Geschirr." Die Stadt Tübingen hat Einwegs-Essenbehälter und Coffee-to-go-Becher sogar so satt, dass sie eine kommunale Verbrauchssteuer darauf erheben will.

Was tun?

Biocaterer Wolf Meyer-Plate wünscht sich, dass die Kommunen für alle Alternativen zu Plastikgeschirr Entsorgungswege schaffen. "Das Personal auf den Wertstoffhöfen braucht klare Dienstanweisungen, was es annehmen kann und wie es zu sortieren ist." Außerdem sollten einheitliche Entsorgungshinweise und Label auf den Verpackungen stehen. Dennoch rät er, die neuen Materialien zu testen. Auf jeden Fall lässt sich Einweggeschirr aus Plastik schon jetzt leicht ersetzen.


Einige Hersteller von Einweggeschirr aus nachwachsenden Rohstoffen

(Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch der Vollständigkeit. Sind Sie Hersteller von Einweggeschirr aus nachwachsenden Rohstoffen und möchten auch aufgeführt werden? Melden Sie sich gerne unter info@oekolandbau.de.)

Letzte Aktualisierung: 21.03.2019