Bio kann jeder


Evaluation der Kampagne "Bio kann jeder"

A. Brückmann, Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster
Quelle: Nina Weiler

In der Schulverpflegung ist das Potential für Bioprodukte bei weitem nicht ausgeschöpft. Strategien zur Einführung von Lebensmitteln, möglichst in Bioqualität und aus der Region, in Schulkantinen waren deshalb Thema einer Veranstaltung während des Gastro Forums der diesjährigen BioFach. Untermauert wurden die Empfehlungen der Experten durch die Ergebnisse einer Befragung zu Workshops der bundesweiten Informationskampagne "Bio kann jeder – nachhaltig essen in Kita und Schule".

Bereits seit zehn Jahren engagiert sich die Kampagne "Bio kann jeder – nachhaltig  essen in Kita und Schule" in der Gemeinschaftsverpflegung und bietet Workshops an. Dort erhalten  die Teilnehmer Tipps rund um eine nachhaltige und ausgewogene Ernährung  und lernen Strategien zur Integration von Bioprodukten kennen. Bei Verpflegungsverantwortlichen in Kitas und Schulen, aber auch bei Caterern bestehen nach wie vor ein starkes Interesse und ein großer Informationsbedarf zum Bio-Thema. Nach dem Besuch eines Workshops haben allein 13 Prozent der teilnehmenden Schulen und Kitas Bioprodukte eingeführt, rund 20 Prozent haben ihr Bioangebot ausgeweitet. Für mehr als die Hälfte der Teilnehmer liefert der Workshop wichtige Impulse für die Ausgestaltung ihres Verpflegungsangebotes. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Evaluierung, die von Anke Brückmann von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung vorgestellt wurde. Ziel der Evaluierung war es, die Qualität und Wirksamkeit der Kampagne zu beurteilen – insbesondere mit Blick auf die im Zeitraum von 2012 bis Mitte 2013 durchgeführten Workshops. 554 Workshop-Teilnehmer wurden hierzu befragt. Dies entspricht einer Rücklaufquote von rund 30 %. Unter anderem beantworteten sie Fragen nach ihrer allgemeinen Zufriedenheit mit den Workshop, zu ihren Verpflegungsangeboten und ihrem Informationsbedarf.

Insgesamt zeigten sich 90 Prozent der Befragten sehr zufrieden bzw. zufrieden mit dem besuchten Workshop. Fast die Hälfte ist an weiteren Workshops interessiert. Aus Sicht von Anke Brückmann ist dies ein deutliches Indiz dafür, dass  Bio in der Verpflegung einen langen Atem erfordert: "Es ist ein Prozess, der ohne Austausch nicht gelingt". Zudem würden Schulen meist als Einzelkämpfer agieren, ergänzte Anja Erhart, Regionalpartnerin von "Bio kann jeder – nachhaltig essen in Kita und Schule" aus Hessen. "Ich nehme Schulen als Mikrokosmos wahr, sie tauschen sich kaum untereinander aus", so Erhart weiter. Umso wichtiger sei es daher, regelmäßig Workshops anzubieten und eine Vernetzung der Akteure in der Region zu ermöglichen.

A. Erhart, Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster
Quelle: Nina Weiler

Besonders viel Potenzial sieht Brückmann bei dem Mittagsangebot der Schulen. Immerhin 46 Prozent der Schulen der befragten Workshop-Teilnehmer haben ihr Mittagsessen auf Bio umgestellt. Besonders Schüler und Schülerinnen greifen das Thema Ökolebensmittel gerne auf, so etwa bei Aktionstagen, beim gemeinsamen Kochen oder im Kioskbereich. Mit 63 Prozent ist hier der Bioanteil besonders hoch. Hier könne man, so Brückmann, gut ansetzen, um den Nachhaltigkeitsgedanken auch in die Mittagsverpflegung hineinzutragen.

Als weiteren Erfolgsfaktor sieht sie eine stärkere Spezialisierung der Workshops mit Blick auf die Zielgruppe Kita und Schule, aber auch auf Einrichtungen mit Eigen- beziehungsweise Fremdverpflegung. So hätten Kitas und Schulen mit eigener Verpflegung deutlich mehr Gestaltungsspielraum als Einrichtungen, die beliefert werden (55 Prozent werden von einem Caterer beliefert). Doch dies bedeute nicht, dass bei Ausschreibungen nichts passieren würde, erläuterte Andreas Greiner, Regionalpartner aus Baden-Württemberg: "Es ist ein langwieriger Prozess, doch wenn er erst einmal angelaufen ist, dann kommen gleich ganz große Mengen zusammen". Dennoch sei es unrealistisch, bereits in der Anfangsphase komplett auf Bio umzustellen, weiß Anja Erhart aus ihrer langjährigen Beratungspraxis. Sie riet deshalb den Schulen, Schritt für Schritt vorzugehen: "Die Einrichtungen, die mit Bio anfangen wollen, sollten ihre Ziele so kleinteilig wie möglich definieren und schriftlich festhalten."

Dass auch Städte in punkto Bioverpflegung viel bewegen können, zeigt das Beispiel der Biostadt München. Bereits 2007 hat sich der Stadtrat ausdrücklich für eine gesunde, ausgewogene und nachhaltige Außer-Haus-Verpflegung von Kindern und Jugendlichen ausgesprochen. Vor diesem Hintergrund hat die Stadt München 2013 die Verpflegung im cook & chill-System in ihren Schulen und Kitas ausgeschrieben. Dabei sollen zur Hälfte Lebensmittel in Bioqualität zum Einsatz kommen. Alle Lebensmittel sollen aus regionaler Erzeugung stammen und die Speisen müssen vorgegebenen gesundheitlichen Standards entsprechen.  Für die verwendeten tierischen Produkte besteht seitens der Stadt die Auflage, dass sie aus artgerechter Tierhaltung stammen.

A. Lintzmeyer, Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster
Quelle: Nina Weiler

"Entscheidend kommt es darauf an, wie das Ganze politisch eingefädelt wird", betonte Angelika Lintzmeyer vom Münchener Referat für Gesundheit und Umwelt. Hilfreich sei es, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse in die politischen Gremien einzubringen. So wird klar, wie hoch genau die Mehrkosten sein werden und wie dieser Prozess umgesetzt werden kann. Auch in der Ausschreibung müssten konkrete Qualitätsstandards drin stehen, um sicher zu gehen, dass die gewünschten Qualitätskriterien wie Bio, regional, artgerecht auch wirklich klar definiert und überprüfbar sind.

Sandra Wolz, Inhaberin des Bio-Cateringunternehmens Vitamin-Reich Müller & Wolz GbR, sieht es als erfolgsversprechend an, neben den Schülern auch deren Eltern von der Qualität des Essens zu überzeugen. Jeweils zum Schulanfang besucht sie die neuen Klassen und bietet auch für die Eltern der Schüler Testessen an. "Über Geschmack passiert viel, so kriegen wir auch die Eltern auf unsere Seite", so Wolz. Täglich beliefert der Velberter Caterer 2000 Mittagessen an 40 bis 50 Einrichtungen. Die Zutaten bezieht das Unternehmen von 32 Direktvermarktern aus der Region. Dadurch ist es möglich, den günstigen Preis von 3 Euro für Grundschulen und 3,50 Euro für weiterführende Schulen zu halten.

Es gebe zwar viele positive Beispiele in der Fläche und eine große Vielfalt auf allen Ebenen, wie etwa in München oder in Velbert, brachte es Greiner abschließend auf den Punkt. Doch ein Patentrezept und eine schnelle Lösung für alle, wie viele Schulen es sich verständlicherweise wünschen, gibt es leider nicht. Jede Schule muss beim Thema Nachhaltigkeit ihr eigenes, stimmiges Konzept entwickeln. Wichtig ist dabei, dass sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen und auch die Eltern mit ins Boot nehmen.

Den vollständigen Bericht zur Befragung und eine Zusammenfassung können Sie hier herunter laden.

Letzte Aktualisierung: 10.04.2014